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Aqua Globe Festival: Sauberes Trinkwasser für alle

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Workshops und Vorführungen rund um das Trinkwasser / 150 Liter Wasser für einen halben Liter Bier

Eckernförde | Drei Tage lang widmete sich das erste "Aqua Globe Festival" auf dem Gelände des Baltic Sea International Campus (BSIC) dem Thema Wasser. Dem Element, das Leben auf der Erde erst ermöglicht und dessen Bedeutung sich viele nicht annährend bewusst sind. Während Menschen in den Industrieländern jederzeit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und sich über dessen Gebrauch eher wenig Gedanken machen, sieht die Situation in vielen Entwicklungsländern dramatisch aus.

Rund 880 Millionen Menschen können nicht auf sauberes Trinkwasser zurückgreifen. Martina Schlüsener, Hauptveranstalterin des Festivals, hat die Missstände mit eigenen Augen gesehen und ihre Konsequenzen daraus gezogen. "Meine Erfahrungen an einer Schule in Tansania und die damals von der EU geplante Privatisierung der Wasserversorgung haben mich dazu bewogen, dieses Festival zu organisieren", sagte die Pädagogin. Sie wünscht sich, dass sich die Menschen angesprochen fühlen. Weiterhin sollten Besucher die vielen Facetten des einzigartigen Elements kennenlernen. In Kooperation mit der Global Marshall Plan Lokalgruppe Eckernförde und der Grone Stage Academy standen dafür von Freitag bis Sonntag Vorträge, Workshops und Filme auf dem Programm - alles rund um das kühle Nass.

Die Vielseitigkeit des Wassers und seine Bedeutung im alltäglichen Leben stellten Ralph Hohenschurz-Schmidt von der Global Marshall Plan Initiative und Dr. Friedhelm Sauer in ihrem Vortrag "Das Naturelement Wasser" vor. Interessante Fakten wurden in Freiluft-Experimente verpackt und auch die Zuhörer durften aktiv teilhaben. "Was meinen Sie, wie viel Wasser wird für die Herstellung von einem Kilogramm Bananen verbraucht?", fragte Hohenschurz-Schmidt, der beruflich als Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde ebenfalls viel mit Rohstoffen und Ressourcen zu tun hat, in die Runde. Betretendes Schweigen. Die Antwort hätte wohl niemand erwartet: 850 Liter werden benötigt. Die Herstellung von einem halben Liter Bier kommt dabei vergleichsweise gut weg, hier sind es "nur" 150 Liter.

Wasservorkommen sind manchmal offensichtlich, so wie in Tomaten und Gurken, oftmals aber auch gut versteckt. Friedhelm Sauer holt ein paar Schaschlikspieße aus der Tasche und steckt sie in ein Reagenzglas. Der Bunsenbrenner erhitzt das Röhrchen, Rauch steigt auf und ganz plötzlich bilden sich kleine Wassertropfen an der Glaswand. Das Publikum staunt. Der Mensch selber bestünde aus einem großen Anteil Wasser, erklärt Hohenschurz-Schmidt. Säuglinge weisen einen Wassergehalt von 75 Prozent auf, genauso wie Spitzensportler. Der normale Erwachsene dagegen enthält nur noch 55 Prozent. Weitere Experimente wie der über der Flamme nicht zerplatzende, wassergefüllte Luftballon zeigen die Eigenschaften des Wassers sehr deutlich. Besonders schön anzusehen war die Demonstration der Dichtetrennung von Wasser und Öl. Der Chromatographieversuch, bei dem die unterschiedlichen Farben in einem Filzstift mit Hilfe von Wasser auftrennt werden, durfte von den Zuhörern selber durchgeführt werden.

Dann leitete Hohenschurz-Schmidt zu dem weniger amüsanten Teil des Vortrages über. "Es ist nicht selbstverständlich, dass wir unbedenklich Wasser trinken können." Eines der acht Millenium-Ziele der Global Marshall Plan Initiative ist es, Menschen, die noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, diesen zu ermöglichen. "Von dem Zugang zu Wasser hängt so viel mehr ab", weiß Hohenschurz-Schmidt. Viele Frauen würden mehr als die Hälfte des Tages damit verbringen, Wasser zu holen und abzukochen. "Diese Zeit können sie weder für ihre Kinder, noch für Bildung aufwenden." Eine Gleichstellung von Mann und Frau rücke damit in weite Ferne. Während in Europa pro Kopf und Tag bedenklos 140 Liter Wasser verbraucht werden, fehlt dieses in den Entwicklungsländern. Eine ungleiche und unfaire Verteilung, so Hohenschurz-Schmidt.

Auf solche Missstände will das Aqua Globe Festival aufmerksam machen. "Ich hoffe, dass es keine Einzelveranstaltung war, sondern dass Aqua Globe als Plattform fungieren kann", wünscht sich Martina Schlüsener. Eine Wiederholung im kommenden Jahr und eventuell eine Ausweitung auf andere Orte sind ihre Ziele für die Zukunft.

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erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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