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Spassige Premiere : Anzüglich, frech – zum Schreien

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Kiek mal, Spaaß“ – das neue Stück mit Achim Thomsen und Stephan Greve feierte am Wochenende Premiere. Neben Spaß gab es viel Ungeahntes und zum höchsten Vergnügen aller Zuschauer bodenlos freche Anzüglichkeiten bis zum Abwinken.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2014 | 06:31 Uhr

Unter langer Weile kann sich jeder etwas vorstellen. Unter „kurzweilig“ sicher erst dann richtig, wenn man das neue Stück von Achim Thomsen und Stephan Greve gesehen hat. „Kiek mal, Spaaß“ heißt es, stammt aus eigener Feder und füllte am Sonnabend die Premierenvorstellung im „Mango’s Saal 71“. Spaß? Ja, das vor allem – und dazu viel Überraschung, viel Tempo, viel Ungeahntes und zum höchsten Vergnügen aller Zuschauer bodenlos freche Anzüglichkeiten bis zum Abwinken.

Da hieß es vom Alltag abschalten und im laufenden Programm umschalten. Zum einen wurde man Zeuge einer herrlich verqueren Expertenrunde zu aktuellen Männerfragen (im postnuklearen Zeitalter), aufgezeichnet mit Videoaufnahmen im altmeisterlichen TV-Schwarz-Beige. Passend zum Inhalt heißt der Sender auch FDZ (Fernsehen der Zukunft). Moderator Herr Hinz (Lasse Thomsen) gibt sein Bestes, formuliert unsinnige Fragen, versucht mit mehr oder weniger Erfolg, die beiden Experten ans Diskutieren zu kriegen. Ein schwieriges Unterfangen bei einem Staatssekretär Albrecht von Sackschewsky (Stephan Greve) und dem eher bodenständigen Heribert Knüpfganz-Hölzli, - schließlich ist der eine hocharrogant und hohl, der andere hat dagegen Anzeichen von gesundem Menschenverstand, dazu alkoholischen Low-level-Alarm. Versprecher, Worthülsen, hilflose Unsinnigkeiten zu Hauf – Loriot und Karl Valentin lassen grüßen.

Aus den „andiskutierten“ Themen auf der Leinwand schwappt die Handlung immer wieder über zu Live-Szenen. „Film ab“ heißt es da im FDZ, und auf der rechten Bühnenseite öffnet sich ein roter Samtvorhang. Dort nimmt das Chaos seinen Lauf – in gemäßigtem Platt. Zum Thema: „Kann ein Mann sich selber ernähren?“ gibt ein Staubsaugervertreter sein Bestes, aber alles läuft schief, und jeder im Saal hat sich schon mal warm gelacht.

Zu der Frage „Soll der Mann in Zukunft auch gebären?“ gehört der hinreißende Streifen vom Punker, der seine Frau bei der Schwangerschaftsgymnastik vertritt. Schließlich muss sie zum Kameradschaftsabend der Feuerwehr. Atmen, Hecheln, Stöhnen, Pressen – das muss man miterlebt haben. Eine Glanzrolle für Achim Thomsen – eine Glanzrolle von vielen, mit denen Eckernfördes bekanntester Schuhmachermeister auch in diesem Stück wieder ungeheuerliche Spielfreude und ungebremst schauspielerisches Talent beweist. Vor allem scheinen ihm Frauenrollen auf den Leib geschneidert: Voller Lacherfolg bei der Erotik-Olga! Achim Thomsen als verschlamptes Weib in Schürze, mit Lockenwicklern, Gummistiefeln und Bierflasche am Hals, eine Frau, die eindeutige Anrufe entgegen nimmt. Wenn sich nun ein Klempner zu ihr verirrt, der sein Rohr nicht in die Muffe kriegt, dann gibt es so eindeutige Doppeldeutigkeiten, dass das Publikum vor Vergnügen nur noch schreit. So richtig ernst kann bald keiner mehr bleiben, denn alle sieben Sketche sind einfach nur komisch. Ob der Handy-Empfang schlecht ist, und daraus absolut schräge Missverständnisse entstehen, ob Julia und Romeo in zeitgemäßer Umformung bis zur Unkenntlichkeit zerlegt werden, ob schließlich ein handfester Männerstrip den Vogel abschießt – das Duo „Thomsen/Greve“ ist unübertroffen.


>Nächste Aufführung: 9.Mai, 20 Uhr, Mango’s Saal 71, Karten bei Achim Thomsen 04351-2397 und an der Abendkasse


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