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Mitgliederwerbung : Angst vor der Pflicht-Wehr: Persönliche Werbung zieht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Winnemarker Arbeitsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr hat Erfolg mit Werbung für aktive Helfer

von
erstellt am 10.Feb.2017 | 06:47 Uhr

Winnemark | Dicker Qualm liegt über Winnemark, ein Gebäude steht in Flamen. Nach kurzer Zeit rollt das Feuerwehrfahrzeug an, aber es steigen nur zwei Leute aus, mehr Feuerwehrleute sind an dem Morgen nicht verfügbar. Es dauert, bis sie mit dem Löschen beginnen können. An einen Atemschutzeinsatz, um nach Personen in dem Gebäude zu suchen, ist gar nicht zu denken. Nur ein schlechter Film?

Noch ja, wie Björn Godbersen und Günther Hoffmann feststellen. Die beiden gehören mit Udo Thies und Heiko Matthies einer Arbeitsgruppe Mitgliederwerbung der Freiwilligen Feuerwehr Winnemark an. „Als wir bei der Hauptversammlung 2016 hier saßen und in die Runde schauten, war uns klar, es muss was passieren“, erzählt Godbersen. Die Wehr zählt 19 Aktive. Das reicht so gerade noch, um die Vorgaben für einen übersehbaren Zeitraum zum Brandschutz zu erfüllen. Bei 18 Aktiven ist die Grenze, dann muss die Gemeinde als Träger der Freiwilligen Feuerwehr aktiv werden, sagt Godbersen. Das bedeutet, sie muss über kurz oder lang Mitglieder für die Feuerwehr zwangsverpflichten. „So weit soll es aber nicht kommen“, ergänzt Hoffmann. „Alles was Pflicht ist, ist nicht von Dauer“, stellt Godbersen fest.

Und so formierte sich im Vorjahr die Projektgruppe, um aktiv zu werden, um die Mitgliederzahl der Wehr auf die Zielgröße von 27 Aktiven zu erhöhen. Zuletzt war diese Sollstärke im Jahr 2010 erfüllt gewesen. Wegzüge und Verabschiedungen in die Ehrenabteilung standen nur wenige Neueintritte und Übernahmen gegenüber. Wenn sie eine Person in einem Jahr gewinnen könnten, dann wären sie glücklich gewesen, berichtet Godbersen von der bescheidenen Erwartung zu Beginn des Projektes. Ende des Monats findet nun die Hauptversammlung statt. Bereits jetzt ist ein neues Mitglied eingetreten, vier weitere Bürger wollen Mitglied werden. „Mit dem Erfolg haben wir nicht gerechnet“, müssen Godbersen und Hoffmann feststellen. Zugleich freuen sie sich über die positive Reaktion, die ihre Motivation steigert. „Wir brauchten schon einen langen Atem und es kostet uns auch Mehreinsatz“, räumt Godbersen ein. Aber es war der richtige Weg für Winnemark.

Wie es gelingen sollte, das haben sie sich bei mehreren Treffen selber erarbeitet. Die Angebote des Kreisfeuerwehrbands zur Mitgliederwerbung seien gut, aber die Projektgruppe wollte die Werbung auf Winnemark anpassen. Der erste Schritt war die regelmäßige Ausgabe eines Flyers. Darin berichten sie monatlich von ihren Einsätzen, von ihren Aktivitäten und sie stellen sich vor. „Wir wollten ganz bewusst mit uns persönlich werben“, sagt Hoffmann. Und so werden Mitglieder vorgestellt, über ihre Wege in die Feuerwehr und ihre Motivation berichtet.

Außerdem haben sie zwei großformatige Plakate jeweils zehnfach drucken lassen, die ein halbes Jahr lang an verschieden Orten in der Gemeinde auf die drohende Situation einer Pflichtfeuerwehr hinweist. Zugleich aber gibt sie Betrachtern Raum, in die Einsatzgeschehen neben die bekannten Gesichtern der Winnemarker Feuerwehrleute hineinzuschlüpfen.

Den Auftakt machte ein Übungseinsatz beim Sommerfest, als eben das Feuerwehrfahrzeug anrollte und nur zwei Kameraden ausstiegen. Schnell wurden die Zuschauer eingebunden, und sie mussten Schläuche bewegen und andere Tätigkeiten ausführen. „Sie sollten sehen, dass das körperlich und technisch zu schaffen ist, auch für Frauen“, erklärt Godbersen den Zweck. Es folgte ein Infoabend im Gerätehaus, wo etwa neun Bürger kamen. Hier wollte die Projektgruppe wissen, was hindert Bürger an einer Mitgliedschaft, wie kann Feuerwehr attraktiver sein? „Der Zeitaufwand und die Pflicht für einige Sachen, das stieß am meisten auf“, erinnert sich Hoffmann.

Die Wehr reagierte. Gemeinsam mit dem Wehrvorstand wurden im Dienstplan erstmals Pflichtangebote und freiwillige Angebote aufgeteilt. Darüber hinaus stellten sie fest, dass die Ausbildung der jungen Feuerwehrmänner der heutigen Zeit angepasst werden müsste. Die technische Ausrüstung der Wehr und die Gesellschaft änderten sich, die Ausbildung werde aber immer noch so organisiert, wie vor Jahrzehnten, gibt Godbersen zu bedenken. Hier muss allerdings der Dachverband handeln. „Am Ende ist der Zeitaufwand aber nicht so hoch“, stellt Hoffmann fest.

Ein großer Vorteil der Freiwilligen Feuerwehr ist, dass dort die ganze Familie mitmachen kann. Während die Eltern bei der aktiven Wehr sind, können die Kinder bei der Jugendfeuerwehr in Winnemark mitmachen. Aus ihr werden über die Jahre viele Mitglieder übernommen, viele verlassen aber zur Ausbildung oder zum Studium Winnemark und stehen nicht mehr zur Verfügung.

„Wir wollen mit den Bürgern in Dialog kommen, es sind unsere Nachbarn“, sagt Godbersen. Kommt erst eine Pflichtfeuerwehr, dann geht nicht nur die Kameradschaft verloren, auch die Dorfgemeinschaft werde leiden. Und daher finden nun praktische Ausbildungen der Wehr und Übungseinheiten in den Wohngebieten statt.

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