Imland-Krankenhäuser : Angst vor dem Klinik-Keim: „Wir sind sehr vorsichtig“

Multiresistente Keime sind eine tägliche Herausforderung im Klinikbetrieb. Denn gefährdete Patienten müssen isoliert werden.
Multiresistente Keime sind eine tägliche Herausforderung im Klinikbetrieb. Denn gefährdete Patienten müssen isoliert werden.

Imland übernimmt von Uni-Krankenhaus nur noch Patienten, die nachweislich frei vom MRGN-Erreger sind

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28. Januar 2015, 06:11 Uhr

Die Imland-Klinik reagiert mit zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen auf die Todesfälle im Kieler Universitätsklinikum (UKSH). Bis auf weiteres werden an den Imland-Standorten in Rendsburg und Eckernförde keine Patienten aufgenommen, die Kontakt mit dem gefährlichen Bakterium Acinetobacter baumannii – dem sogenannten MRGN-Erreger – gehabt haben oder gehabt haben könnten. „Wir sind sehr vorsichtig“, sagt die Ärztliche Direktorin Petra Struve. Bei bestimmten Patientengruppen, die von der Uniklinik nach Rendsburg oder Eckernförde verlegt werden, „ist der Nachweis nötig, dass der Patient frei vom MRGN-Erreger ist.“

Seit Mitte Dezember wurde am UKSH bei insgesamt 31 Patienten der gegen nahezu alle Antibiotika resistente Keim festgestellt. Zwölf Patienten starben, wenn auch größtenteils nicht am Keim, sondern an ihren schweren Erkrankungen.

„Wir übernehmen niemanden mit dem MRGN-Erreger, das gebietet auch unser Patientenschutz“, bestätigt Dr. André Bode, Leiter der Abteilung für Hygiene und Infektionsschutz an der Imland-Klinik, die in Rendsburg und Eckernförde über zusammen rund 800 Betten verfügt. Liege der Verdacht vor, dass sich ein Patient mit dem MRGN-Erreger angesteckt haben könnte, etwa durch direkten Kontakt zu infizierten Patienten in der Uniklinik, muss er ein mehrfaches Screening durchlaufen. Dies erfordert etwa eine Woche. „Wenn die Patienten nachweislich negativ getestet worden sind, ist klar, dass wir uns ihnen nicht verweigern“, sagt Bode. Auch Erkrankte aus unverdächtigen Bereichen des Kieler Uniklinikums würden weiter in Rendsburg aufgenommen und behandelt.

„Vor einem Ausbruch mit multiresistenten Keimen ist kein Krankenhaus geschützt“, sagt Bode. Nach seiner Einschätzung seien an der Uniklinik alle Schutzmaßnahmen eingehalten worden. Ein Ausbruch könne dennoch immer passieren. An der Imland-Klinik sei das für Hygiene zuständige Personal „klar durchstrukturiert“.

Die Abteilung für Hygiene und Infektionsschutz wurde vor eineinhalb Jahren gegründet. Bode, von Haus aus Facharzt für Innere Medizin, widmet sich ausschließlich der Reinigung, Desinfektion und Sterilisation am größten Krankenhaus im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Vier Fachkräfte stehen ihm zur Verfügung. Auf jeder Station gibt es einen Hygienebeauftragten unter den Ärzten. „Das gleiche gilt für die Pflegekräfte.“ Alle Bereiche tauschten sich regelmäßig über die Entwicklungen in der Klinik aus. Bode: „Wir erfahren sofort, ob jemand mit einem Keim aufgenommen wurde, den wir vorher noch nicht hatten.“

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