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Prüfung bestanden : Angeln – ein Erfolgsprojekt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

26 Menschen mit und ohne Behinderung haben gestern die Prüfung zum Fischereischein bestanden.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2014 | 06:06 Uhr

Diesen Jubel hat man bis vor die Tür gehört: Als 26 Beschäftigte und Mitarbeiter der Eckernförder Werkstatt, der Einrichtung Kompass ’98 und des Hofs Saelde gestern erfuhren, dass sie die Prüfung zum Fischereischein bestanden hatten, mussten sie ihrer Freude Luft machen. Über 20 von ihnen haben eine geistige oder psychische Einschränkung. Die Prüfer aber konnten darauf keine Rücksicht nehmen und setzten die selben Maßstäbe an wie bei jedem anderen Prüfling auch.

Für die Beschäftigten der Werkstatt ist das ein besonderer Erfolg. Jetzt können sie wie jeder andere Angler auch an der Mole auf die Jagd nach Hering, Dorsch und Butt gehen.

Das Angelprojekt der Werkstatt hat seinen Ursprung in einem Tagesausflug mit dem Fischkutter „Ecke 4“. Der Beschäftigte Christian Kock (34) war so begeistert von dem Umgang mit Netzen und Fischen, dass er monatelang für die Idee warb, in Gemeinschaft angeln zu gehen. Schließlich fand sich in Betreuer Thies Meeves ein Angler, der daraus ein neues Projekt machte: Im Jahr 2013 beantragte er Ausnahmegenemigungen von der Fischereischeinpflicht und ging mit Beschäftigten gruppenweise an die Mole zum Angeln. Auch mit Booten auf der Bucht und an der Hüttener Au waren sie.

„Aber man kann ja nicht ewig Ausnahmegenehmigungen beantragen“, sagt Thies Meeves, der sich mit dem Landessportfischereiverband in Verbindung setzte und nach einem Kursus für die Beschäftigten fragte. Zehn Wochen lang büffelten diese und einige Betreuer aus der Werkstatt in einem gemeinsamen Kurs, den Thomas Hinz und Dietrich Dünkel vom Kreissportfischerverband in den Räumen der Werkstatt abhielten. „Wir sind schon mit ein wenig Bauchgrummeln hergekommen“, gibt Thomas Hinz zu. „Wir haben das zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gemacht und wussten ja nicht, was uns erwartet.“ Schon am ersten Tag aber hat sich das gelegt. „Es war ein spannendes Erlebnis“, sagt Dietrich Dünkel. „Wir sind sehr angetan und würden es wieder machen.“

Ihre Schüler lernten Fisch- und Gewässerkunde, mussten sich Gesetzestexte aneignen und Mindestmaße und Schonzeiten merken. Bis auf eine Teilnehmerin bestanden die Prüfung alle, teilweise sogar in Rekordzeit: Sascha Beyer (25) zum Beispiel brauchte nur sechs Minuten für die 60 Prüfungsfragen und machte nicht einen Fehler.

Für Thies Meeves ist der Angelschein eine Qualifizierungsmaßnahme: „Die Beschäftigten sind unter den selben Bedingungen geprüft worden wie jeder andere auch.“ Das zeige, dass mehr in ihnen steckt, als viele denken. Und das Projekt geht weiter: Die ersten Anfragen für einen weiteren Kurs gibt es schon.

 

 

>Da viele Beschäftigte der Werkstatt nicht viel Geld haben, bittet Meeves um Materialspenden wie Ruten und Köder: Tel. 04 351/ 73 72 21.

 

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