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Butterschiff im Hafen von Eckernförde : Andreas Gayk muss den Anker lichten

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Vergleich vorm Landgericht: Das einstige Butterschiff Andreas Gayk muss bis Oktober Hafen verlassen, dafür werden die Liegeplatzgebühren erlassen.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2016 | 12:32 Uhr

Eckernförde | Es ist das Aus für die „Andreas Gayk“ in Eckernförde. Rieke Boomgaarden, dem der ehemalige Butterdampfer mit Wolfgang Beyer gehört, hat sich in einem Vergleich vor dem Landgericht Kiel mit den Stadtwerken Eckernförde (SWE) geeinigt: Er muss den ehemaligen Butterdampfer bis Ende September aus dem Stadthafen entfernt haben. Dann erlassen die Stadtwerke ihm die ausstehenden und bis dahin fälligen Liegeplatzgebühren in Höhe von 22.500 Euro. Das bestätigte SWE-Geschäftsführer Dietmar Steffens auf Anfrage unserer Zeitung.

Damit ist das Aus des Schiffes in Eckernförde besiegelt. Dabei sollte hier sein zweites Leben beginnen: Im Frühjahr 2010 traten Rieke Boomgaarden und Wolfgang Beyer mit der Idee an die Stadt heran, den ehemaligen Butterdampfer in Form eines fahrenden Museums mit Gastronomie in Eckernförde wieder anzusiedeln. Sie hatten das 1970 gebaute Schiff vor der Schrottpresse bewahrt und wollten es wieder fitmachen. Erste Arbeiten erledigten sie in Arnis, legten im Dezember 2011 im Eckernförder Stadthafen an, um hier weitere Reparaturen vorzunehmen. Die Liegeplatzgenehmigung reichte für zwei Jahre – dann sollte das Schiff fahrtüchtig sein und neben seiner Gastronomie und Saalwirtschaft mit kulturellen Veranstaltungen auch Fahrten anbieten. Doch auch, wenn das Schiff wieder glänzte und die Säle authentisch restauriert waren, das Ziel wurde nicht erreicht. Noch zweimal wurde die Frist verlängert – bis zum 31. August 2014, und noch immer war die Gayk nicht fahrtüchtig, es fehlte Geld für die Reparaturen.

Die Rückkehr der „Andreas Gayk“ nach Eckernförde im Dezember 2012 nach dem Ende der Reparaturarbeiten in Arnis. Vor dem Einlaufen in das Ostseebad hatte das Boot zwischenzeitlich Hafenverbot und lag monatelang im damaligen Port Olpenitz.
Die Rückkehr der „Andreas Gayk“ nach Eckernförde im Dezember 2011 nach dem Ende der Reparaturarbeiten in Arnis. Foto: Peters

Mit dem Verlust der Liegeplatzgenehmigung war auch die Schank- und Gaststättenkonzession futsch, und die frisch eingerichtete Gastronomie musste wieder schließen. Auch ein potenzieller Investor zog sich wieder zurück. Boomgaarden habe daraufhin die rechtliche Grundlage des Liegeplatzvertrages mit den Stadtwerken in Zweifel gezogen und die von den Stadtwerken erhobenen Gebühren nach Aussage des Geschäftsführers Dietmar Steffens verweigert mit der Begründung, dass der Vertrag in Teilen der Schleswig-Holsteinischen Hafenordnung und der Eckernförder Hafenentgeltsatzung widerspreche. Die Stadtwerke erhoben Zahlungsklage. Das Verfahren endete nun mit einem Vergleich. „Der Richter ließ keinen Zweifel an der Rechtmäßigkeit unseres Vorgehens“, so Steffens. „In der Hafenentgeldsatzung sind solche Sondernutzungen wie Gastronomieschiffe oder Veranstaltungen wie Fischmarkt gar nicht enthalten. Die haben wir zivilrechtlich vereinbart, was auch so in Ordnung ist.“ Boomgaarden habe den Vorschlag unterbreitet, das Schiff bis Ende September verkaufen und aus Eckernförde entfernen zu wollen, wenn die Stadtwerke im Gegenzug auf die fälligen Liegeplatzkosten verzichten. Darauf einigten sich beide Parteien schließlich in einem Vergleich. Rieke Boomgaarden war auf mehrfachen Versuch der Redaktion nicht zu erreichen.

Sollte das Schiff nicht bis Ende September den Hafen verlassen haben, erhalten die Stadtwerke einen vollstreckbaren Titel. Nur hat dieser einen Haken: Zwar könnten die Stadtwerke veranlassen, dass das Schiff abgeschleppt wird, nur wohin? Wohl kaum ein Hafenbetreiber möchte ein fahruntüchtiges Schiff aufnehmen.

Die „Feodora II“ hat Eckernförde den Rücken gekehrt.
Die „Feodora II“ hat Eckernförde den Rücken gekehrt. Foto: Kühl

Damit ist die Vision, bald wieder ein Fahrgastschiff in Eckernförde zu haben, in weite Ferne gerückt. Denn zwischenzeitlich hat auch Kapitän Alexander Klein bestätigt, dass er in diesem Jahr im Gegensatz zu den vergangenen beiden Saisons keine Fahrten mit seiner „Feodora II“ von Eckernförde aus anbieten wird. Er kritisiert die herrschenden Rahmenbedingungen: Der Liegeplatz sei nur schwer einsehbar und die Hafengebühren zu hoch gewesen. Zudem sei das Verhältnis unter den Hafennutzern nicht das beste gewesen. „Das wäre mir am wichtigsten gewesen: dass die Stadtwerke mal alle an einen Tisch holen und einen Konsens ausarbeitet, um Frieden im Hafen und das bestmögliche touristische Angebot zu haben. Fördefahrten – für bis zu 12 Personen – bietet nur noch der Zweimaster „Tu solo Tu“ von Andreas Twesten an.

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