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Neujahrsbaden : Anbaden bei 7 Grad: „Laut schreien hilft“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rund 70 Unerschrockene stürzen sich beim Neujahrsbaden vor über 700 Zuschauern in die kalten Fluten der Ostsee. Das immer beliebter werdende Anbaden befindet sich auf dem Weg zu einer Kultveranstaltung .

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erstellt am 01.Jan.2016 | 19:34 Uhr

Eckernförde | „Zehn - neun - acht - ...“ mit jeder heruntergezählten Sekunde wird es lauter am Strand – als wollten sich die rund 70 unerschrockenen Neujahrsbader noch mehr Mut zusprechen. „Null!“ und ab mit Gebrüll in die Fluten. Die waren mit 7 Grad zwar nicht eisig, aber immer noch viel zu kalt für den „Normalo“. Angesichts dieser Neujahrs-Show wundert es nicht, dass die Zahl der Zuschauer die der Schwimmer mindestens um den Faktor zehn überstieg – der Strand vor dem Meerwasserwellenbad war gestern am frühen Nachmittag schwarz vor Menschen. Das Neujahrsbaden hat sich zum ersten Höhepunkt der Jahres etabliert. Angefangen hat es vor etwa 15 Jahren als tollkühne Idee von Karl-Heinz Huber, Volker Rieckhoff und Thomas Schastock, die bei der Premiere noch zu dritt in die Ostsee rannten. „Was Sylt kann, können wir schon lange“, sagt Huber. Mittlerweile ist das Anbaden in Eckernförde auf dem Weg zu einer Kultveranstaltung. Die Stadtwerke haben die Umkleiden des Wellenbads geöffnet, es gibt Gulaschsuppe, Kaffee und Punsch und heiße Duschen – die Atmosphäre stimmt.

„Ich habe nach dem Sommer einfach nicht aufgehört baden zu gehen, da gewöhnt man sich an das kältere Wasser“, hat Gundi Goetz aus Altenholz eine plausible Erklärung dafür, warum man sich denn in die kalten Fluten stürzt und dazu auch noch ein so fröhliches Gesicht macht. Im Pulk ’rein ins Wasser, ’reinspringen, untertauchen, ein paar Züge und wieder raus – ein kurzes Vergnügen am Neujahrstag. „Die schönen Dinge sind meistens schnell vorbei“, sagt die Altenholzerin fast ein wenig philosophisch.

„Man friert mit“, meint Jörg Hamann aus Hannover, der zusammen mit Esther Sayn, Carolina Holowicki und Hans Deinhardt nur staunen können, das Kollege Christoph Ochs die Gunst der Stunde nutzt und sich im Silvesterurlaub kurzentschlossen in die 7 Grad kalte Ostsee stürzt. „Es war schon ziemlich kalt“, gibt Ochs zu verstehen. „Super, die warmen Duschen und das ganz Drumherum“. Der Silvesterurlaub 2016 dürfte bei den Hannoveranern noch lange für Gesprächsstoff sorgen.

„Allein hätte ich es nie gemacht“, gibt Ursula Liebscher zu. Die Hamburgerin löste damit ein Versprechen ein, dass sie vor zwei Jahren ganz begeistert vom Zuschauen gegeben hat. Und nun gab es kein Zurück mehr. Zusammen mit Katharina (10) und Kay-Michael Goertz aus Fleckeby zählt sie zu den mutigen Teilnehmern. Ihr Tipp für noch Unentschlossene: „Laut schreien hilft“. Katharina steht mit einem Kinderpunsch im Sand und spürt auch langsam ihre Zehen wieder. „Es war sehr kalt, aber man wird von den anderen mitgerissen.“ Auch im nächsten Jahr wird die junge Fleckebyerin wieder mit am Start sein, vielleicht ja auch in Begleitung ihrer kompletten Familie.

Renate Horst aus Eckernförde hat eine Tüte mit Süßwaren dabei und verteilt sie vor und nach dem Baden an die Kinder – mit roter Zipfelmütze und knallrotem Strick-Overall. Die Halbmarathonläuferin hat richtig Spaß an der Veranstaltung, extra ein Schild mit der Aufschrift „Ostsee 7 Grad: Wir schaffen das!“ gemacht und einen Bademantelständer in den Sand gebohrt. Die sportliche Seniorin schwört aufs Winterbaden, Erkältungen sind ihr fremd.

Das geht auch Juliane Seweryn und ihrem Vater Roland so. „Ich fühle mich wie neugeboren“, sagt Juliane, „ein guter Start ins neue Jahr.“ Die Schwimmerin (Wasserfreunde) ist zum fünften Mal dabei. Vater Roland sogar zum zehnten Mal. „Am Anfang stockt einem der Atem und man denkt, die Füße sterben ab. Wenn man dann wieder raus kommt, weiß man, dass es schön war“, ist seine Erkenntnis.

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