An den Gildebruder „Unbekannt“ oder: Treffen am Karussell der Honoratioren

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10. Juni 2014, 17:19 Uhr

So, wat nu? Schall ik mien lütt Geschicht vun de Borby Gill op plattdüütsch oder hochdüütsch schrieven? Op plattdüütsch is dat so‘n Saak. Dor rappelt bi mi to huus in een Tour de Klöhnkassen un ik warr anquarkt: „Wi könt jo platt snacken aver nich lesen - wat schall dat?“Schriev dat mn anners.

Also gut, ich werde meine Geschichte auf hochdeutsch schreiben. Wer in Borby geboren oder groß geworden ist, der weiß, was diese Gilde für die Menschen auf der anderen Hafenseite von Eckernförde bedeutet. Eine Woche nach Pfingsten wird es in unserer Borbyer Gemeinde laut und fröhlich. Drei Tage sind Tanzen, Marschieren, Königsschießen, Kinderspiele und vieles mehr angesagt. Das Tschingderassabum der Spielmannzüge, Blaskapellen und das Gejuche der Juchfrauen dröhnt durch unsere Straßen. Natürlich darf das „Feuchte“ für die Kehlen nicht fehlen. „So‘n lütten Köm“, das ist Pflicht und heizt an.

Am letzten Tag - Montag um 19 Uhr - fahren die Honoratioren der Stadt Eckernförde, Vertreter der Gelben Westengilde, der Eckernförder Beliebung, die Juchfrauen und unserer Gildekönig mit Gefolge etliche Runden auf dem Karussell. Lange, weiße Tonpfeifen sind ein Muss. Eine Menge Zuschauer begleiten diese Prozedur, schunkeln und juchen vor Begeisterung. So auch mein Mann und ich. Seit meiner Kindheit bin ich bei diesem Ereignis dabei. Auch jetzt im Rollstuhl habe ich Spaß an der Sache und stehe immer sehr dicht am Geschehen.

Im vergangenen Jahr stand ein netter Gildebruder an meiner rechten Seite. Er machte einen sehr fröhliche Eindruck, legte seinen Arm auf meine Schulter fasste mit der rechten Hand den Joystick des Rollstuhls, drückte auf den Starter und bewegte so meinen Rolli im Walzertakt hin und her. Natürlich hatten wir unseren Spaß. Auch die umstehenden Leute johlten mit. Plötzlich entdeckte er meinen Rucksack, den ich immer hinten an meinem Gefährt befestigt habe. Prompt kam die Frage: „Hast du da ‘ne lütte Buddel drin?“

Lachend verneinte ich, aber da wir in Borby viel Humor haben antwortete ich: „Hör mal, wenn wir uns im nächsten Jahr, 2014, an dieser Stelle zur gleichen Zeit wiedertreffen, werde ich ‘ne lütte Buddel da drin haben. Versprochen! Großes Borbyer Ehrenwort.“

Tja, mein Lieber, ob du das nun alles mitbekommen und bis zur nächsten Gilde behalten hast, dass du gemeint bist, darauf bin ich gespannt. Mein Mann und ich stehen jedenfalls pünktlich an dieser Stelle und juchen dem nächsten König wieder zu, wenn er seine Karussellrunden dreht. Natürlich werde ich auch nach rechts und links schauen. Vielleicht trinken wir dann ein, zwei oder drei Lütte zusammen. Prost!


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