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Wohnraum für 72 Flüchtlinge : Amt baut neue Flüchtlingsunterkünfte nach dem „Kieler Modell“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das erste von drei Gebäuden soll in Fleckeby im Appeljord entstehen. Für zwei Häuser werden noch geeignete Baugrundstücke im Amtsbereich noch gesucht, das Kostenvolumen beträgt 1,7 Millionen Euro.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 05:20 Uhr

Als Amtsdirektor Gunnar Bock in der Runde des Hauptausschusses am Mittwochabend als Beispiel für die schleppende Arbeit der Landesbehörden den Fall eines Flüchtlings schilderte, der im Oktober angekommen ist und erst im Mai 2016 seinen Antrag auf Asyl stellen darf, ging ein Raunen und ein Kopfschütteln durch die Reihen der Ausschussmitglieder. Unterstützung erhielt er vom Ausschussvorsitzenden Manfred Pohl, Bürgermeister in Güby. „Die Asylanträge müssen schneller bearbeitet werden. Ich weiß nicht, wie lange das Ehrenamt bei der Flüchtlingsbetreuung noch durchhält“, so Pohls einleitende Worte.

Die Flüchtlingsproblematik holt auch das Amt Schlei-Ostsee ein. Hieß es Ende vergangenen Jahres noch, dass man 74 Personen im Amtsbereich unterbringen müsse, erhielt das Amt am 6. Oktober eine neue Zuweisungsquote – diese stieg auf 357. Da man auch im nächsten Jahr mit einer weiteren Flüchtlingszuweisung rechnet, stimmte der Hauptausschuss des Amtes für den Grundsatzbeschluss „Neubau von drei Flüchtlingsunterkünften“. Das erste Gebäude soll in Fleckeby auf dem amtseigenen Grundstück im Appeljord entstehen.

Neben der Obdachlosenunterkunft, in der zurzeit sechs Asylbewerber wohnen, könnte nach Zustimung des Amtsausschusses ein zweigeschossiges Gebäude nach dem „Kieler Modell“ entstehen. Architekt Jens Lassen vom LPP Architekturbüro stellte den Mitgliedern den Neubau in Fleckeby als Beispiel für konkrete Vorplanungenvor. Basierend auf dem Gedanken von Wohngruppen, die Gemeinschaftsräume wie Küche und Bäder gemeinsam benutzen, beschrieb Lassen ein Gebäude, in dem bis zu 24 Personen Platz finden und das trotz seiner relativ niedrigen Kosten von knapp 497000 Euro brutto alle Belange des modernen, nachhaltigen Wohnungsbaus, wie automatische Haustechnik, vorhält.

Amtsdirektor Bock wies daraufhin, dass man beim Bau auf Nachhaltigkeit achte, so dass eine weitere Verwendung des Gebäudes im Falle einer geringeren Flüchtlingszuweisung gegeben sei. Er warb für einen Vorratsbeschluss, da die Planungen und Erstellungen für drei gleichartige Gebäude günstiger seien. Die Kosten für den ersten Neubau finanziert das Amt über ein zinsloses Darlehen in Höhe von 500  000 Euro der Sonderförderung „Flüchtlingsunterkünfte“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), das nach Darstellung des Leiters der Finanzabteilung, Godber Peters, bereits bewilligt ist. Für die beiden anderen Gebäude sollen noch im Dezember entsprechende Anträge bei der KfW gestellt werden, wenn der Amtsausschuss auf seiner Sitzung entsprechend beschließt. Man hoffe, entweder ebenfalls zinsfreie Darlehen zu erhalten oder Kredite zu Sonderkonditionen mit einem Zinssatz von 0,7 bis 0,8 Prozent. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre. An Gesamtkosten für Planung, Grunderwerb, Bau und Ausstattung rechnet das Amt im Haushaltsjahr 2016 mit 1,7 Millionen Euro. Nach der Fertigstellung der drei Gebäude hält das Amt zusätzlichen Platz für 72 Flüchtlinge vor. Die Unterkunftskosten und Geldleistungen für die Flüchtlinge verbucht der Amtsdirektor als „durchlaufende Posten, die den Amtshaushalt nicht belasten“, da man von Bund und Land Miete und die Integrationspauschale zur Deckung der Kosten erhalte.

Großen Wert legen Amt und Hauptausschuss auf ihre eigene Vorgabe, die Gebäude in unterschiedlichen Gemeinden des Amtes zu errichten. „Ich bitte Sie, sich zu überlegen, ob sich bei Ihnen die Gelegenheit bietet“, so Bock. Ausschlaggebend für den Kauf gemeindeeigener Grundstücke seien eine vorhandene Infrastruktur und eine gute Anbindung an Eckernförde.

Ursula Schwarzer, Bürgermeisterin in Fleckeby, ist zuversichtlich, dass es in ihrer Gemeinde aufgrund der Errichtung der Flüchtlingsunterkunft keine Probleme gibt. Sie wies auf den sehr aktiven Willkommenskreis hin, dessen Ehrenamtler sehr gute Arbeit leisteten.

 

 

>Die Zuweisungsquote beträgt 357. Tatsächlich sind bisher im Amtsbereich 154 Asylbewerber untergebracht. Das Restaufnahmesoll beträgt 203 Personen. An freien Unterkunftskapazitäten verfügt das Amt zurzeit Platz für 126 Personen.

 

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