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Amrum: Tolle Insel und eine Herausforderung auf Rädern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Familienaufenthalt stand ganz im Zeichen von Naturerlebnissen – und Fahrradausflügen

von
erstellt am 28.Apr.2015 | 16:17 Uhr

Die Einladung meines Sohnes, seinen 55. Geburtstag während einer Urlaubswoche auf Amrum zusammen mit seiner Frau zu feiern, fand ich so verlockend, dass ich spontan zusagte. Diese Entscheidung musste richtig sein, denn Familie, Freunde und Bekannte waren sich einig: Amrum ist eine traumhaft schöne Insel.

Meine Vorfreude wuchs, mein Optimismus auch, und ohne großen Reiseaufwand stand ich kurz nach der Ankunft beim Fahrradverleih. „Ohne Fahrrad kann man hier nicht sein“, behaupteten die „Kinder“. Ja gut, warum nicht? Der Fahrradverleiher fragte mich nach meinen Radfahr-Gewohnheiten. Die Mitteilung, dass ich nie Fahrrad fahre, löste auf seinem Gesicht eine Mischung aus Skepsis, Mitleid und Unverständnis aus.

Leichte Wolken trübten daraufhin meinen Optimismus. Aber so leicht wollte ich mich nicht geschlagen geben. „Ich nehme irgendein Rad, das Sie als Profi für geeignet halten.“ Er übergab mir ein gut aussehendes Exemplar mit den Worten: „Probieren Sie das hier mal aus.“ Vor den Augen einiger Touristen, die das Experiment leicht belustigt verfolgten – mein Sohn sah eher besorgt aus –, versuchte ich mit meinen klobigen Wanderschuhen das zweite Pedal zu treffen, um nicht sofort umzukippen, aber das schwer Arthrose geplagte linke Knie ließ sich nur mit großen Schmerzen beugen.

Drei Versuche, nichts zu machen. Allerdings schaffte ich es, den Boden mit beiden Füßen zu erreichen. So peinlich war mir schon lange nichts mehr. Geschlagen und den Tränen nahe schob ich das Ding zurück. „Ich stelle den Sattel mal tiefer“, meinte der Profi mit einem deutlich erkennbaren Grinsen in den Mundwinkeln.

Eine Stimme in meinem Kopf schimpfte: „Jetzt glaubst du es hoffentlich endlich, du bist zu alt.“ Da fiel mir ein alter Mann in Eckernförde ein, der kaum den Laden eines Hörgeräte-Akustikers verlassen konnte, so unsicher war er auf den Beinen. Doch vor der Tür stand sein Fahrrad, mit dem er fröhlich davonradelte. Das muss ich auch können, verdammte Hacke. Mit letzter Energie, Tränen der Enttäuschung herunterschluckend, konzentrierte ich mich auf meine Aufgabe. Holpernd und ruckend fuhr ich tatsächlich den kleinen Hang hinunter und wieder zurück. Die Leihgebühr hat der Profi mit unbewegtem Gesicht kassiert.

Ohne Zuschauer ging es einigermaßen. Zwar erleichterten schmale Schuhe mit flexiblen Sohlen meine Fahrradausflüge, aber Abbiegungen, entgegenkommende Autos oder Fußgängergruppen versetzten mich immer wieder in zitternde Panik. Gut, dass Schwiegertochter vor und Sohn hinter mir fuhren und mich im Auge behielten.

Der erste Sturz war auch nicht schlimm, helfende Hände richteten mich wieder auf (bei den ersten Laufversuchen meines Sohnes war das umgekehrt). Auf längeren asphaltierten Radwegen lief es sogar ganz gut, bis auf den Umstand, dass ich auf diesem dämlichen Sattel immer nach vorne rutschte. Die Sitzkorrekturen nervten, ich fühlte mich überfordert und kaputt. Deswegen habe ich die „Kinder“ immer mal wieder allein fahren lassen und bin in der Ferienwohnung geblieben, einen Amrum-Krimi nach dem anderen lesend – sie gehörten wohl aus gutem Grund zur Wohnzimmer-Ausstattung.

Auf einem Waldweg bin ich dann nochmal gefallen, im ursprünglichen Wortsinn „auf die Nase“ in einen Graben. Sie fühlte sich geschwollen und verkratzt an. Bei dem anschließenden Café-Besuch war ich ziemlich angespannt, weil ich die auf meine lädierte Nase gerichteten Blicke fürchtete. Ein Spiegel sorgte für Entwarnung.

In den folgenden Tagen konnte ich endlich den unglaublich weiten Weststrand, die wunderbaren Dünenberge, die leider nicht blühende Heide und den Waldsaum genießen, zu Fuß! Die Anfahrt per Rad ließ sich leicht bewältigen, genauso wie die Fahrten am Wattenmeer entlang, zu den anderen Dörfern und zur „Seekiste“, wo Pils und Essen hervorragend schmeckten.

So entwickelte sich die Amrum-Auszeit trotz aller Unbill doch noch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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