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Ungewöhnliche Baumspende : Amberbaum – Zeichen der Verständigung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Ahmadiyya-Gemeinde aus Kiel spendet der Stadt einen Laubbaum als Symbol des friedlichen Miteinanders. Anschließend gab’s ein Gebet und Koran-Verse in der Touristikzentrale.

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erstellt am 14.Dez.2015 | 19:24 Uhr

Eckernförde | Der sogenannte „Soldatenfriedhof“ mit den Denkmälern von Jungmann und Preußer zwischen Exer und Wellenbad ist seit gestern um eine botanische Attraktion reicher. Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde aus Kiel hat dort gestern als Zeichen der Verbundenheit mit den Eckernfördern, der Verständigung und des Friedens zusammen mit Vertretern der Stadt Eckernförde einen Amerikanischen Amberbaum in die Erde gesetzt. Die symbolische Aktion stand unter dem Motto „Liebe für alle, Hass für keinen“. Die Pflanzaktion wurde begleitet von einem stillen Gebet und einer kleinen Feier mit der Verlesung von Koran-Versen in der Touristikzentrale an der Strandpromenade.

Nach einigen Baumpflanzungen in Kiel und Umgebung sah sich die Ahmadiyya-Gemeinde veranlasst, auch in der Nachbarstadt Eckernförde ein Zeichen gegen Intoleranz, Gewalt und für ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen zu setzen, wie der Projektleiter für diese landesweite Aktion, Hamid Nashrullah, erklärte. Munir bin Aissa, der in der Tourist-Zentrale auch die Koran-Verse im Stile eines Muezzin vortrug, nannte noch einen weiteren Grund für die Baumpflanzung: „Damit die Menschen kapieren, die Wälder weltweit in Ruhe zu lassen – wir brauchen gute Luft.“ Mit vier Spaten in den Eckernförder Stadtfarben schaufelten die Vertreter der Kieler Ahmadiyya-Gemeinde und der Stadt Eckernförde die ausgehobene Erde auf den Wurzelballen. Der junge Amberbaum soll nun in den nächsten Jahrzehnten dauerhaft an diese Aktion erinnern. Dafür sorgt auch die Plakette, die an den Stifter und das Motto erinnern soll. Der Standort sei deshalb ausgesucht worden, weil einige Kastanien erkrankt seien und gefällt werden müssten, erläuterte der Leiter der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege, Michael Packschies. Auch heute müsse eine bruchgefährdete Kastanie gefällt werden. Die meisten Bäume auf dem „Soldatenfriedhof“ seien 80 bis 90 Jahre alt. Der Amberbaum sei selten, den letzten in Eckernförde habe ein Orkan in den Borbyer Anlagen zerbrochen. Die Blätter des Amberbaums entfalteten beim Zerreiben einen harzartigen Geruch.

Bürgermeister Jörg Sibbel dankte der Gemeinde für die Baumspende. Ein Baum stehe für Beständigkeit, er sehe es als Zeichen der Freundschaft und Verständigung und ein Bekenntnis zu weltweitem Frieden. Es dürfe den religiösen Fanatikern nicht gelingen, einen Keil zwischen friedliebende Menschen zu treiben.

Nach einem stillen Gebet gab es einen Empfang in der Touristikzentrale am Exer. Hamid Nashrullah dankte nochmals der Stadt für die Zusammenarbeit. Der islamischer Tradition folgend, trug ein Vertreter einige Koran-Verse vor. Munir bin Aissa hatte sich die Verse 4 und 5 von Sure 13 ausgesucht, in denen Allah (Gott) als Schöpfer allen Lebens gepriesen wurde. Auf den Originaltext folgte die deutsche Übersetzung. Von einer 300-jährigen Blütezeit des Islam nach dem Tod des Propheten Mohammed (8. Juni 632) war die Rede, von einer dann folgenden 1000-jährigen islamischen Dekadenz und einem abermaligen Untergang war die Rede und davon, dass Allah danach einen neuen Mohammed auf die Erde senden werde. Bin Aissa erläuterte weiter, dass sich die Ahmadiyya-Gemeinde den ursprünglichen Werten des Islam verpflichtet fühle, wie Barmherzigkeit gegenüber allen, der Gleichwertigkeit von Frau und Mann und der Trennung von Staat und Religion.

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