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Amtsgericht : Am Detektor kommt niemand vorbei

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach dem tödlichen Übergriff in Dachau hat das Amtsgericht Eckernförde seine Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Seit einem Monat ist die Metalldetektor-Schleuse in Betrieb. Es gibt Eingangskontrollen für jeden Besucher.

Das rote Verbotsschild prangt an der Eingangstür zum Amtsgericht in der Reeperbahn: Messer, Schusswaffen, Schlagstöcke, Kameras oder auch Hunde dürfen nicht mit ins Gerichtsgebäude genommen werden. Um dieser Aufforderung Nachdruck zu verleihen, die Einhaltung zu kontrollieren und vor allem die Mitarbeiter der Justizbehörde vor Übergriffen und Verletzungen zu schützen, ist seit dem 5. August eine Metalldetektor-Schleuse in Betrieb. Kein Besucher des Amtsgerichts – egal ob Staats- oder Rechtsanwalt, Angeklagter oder Besucher des Grundbuchamtes – kommt seitdem ungesehen und ohne Kontrolle ins Haus. „Unsere Mitarbeiter fühlen sich sicherer“, sagt Amtsgerichtsdirektor Dr. Kai Thomsen.

Aufgeschreckt wurde die Justiz bundesweit durch die Ermordung eines jungen Staatsanwalts am 11. Januar 2012 im Amtsgericht Dachau durch einen 55-jährigen Transportunternehmer. Auch auf die Richterbank hat der inzwischen zu lebenslanger Haft Verurteilte Schüsse abgefeuert – die Richter wurden nicht getroffen. Der Anschlag galt symbolisch der Justiz und hätte jeden treffen können. Seitdem sind die Sicherheitsvorkehrungen nun auch bis ins kleinste Amtsgericht erhöht worden, so dass seit kurzem auch das kleinste der 22 Amtsgerichte Schleswig-Holsteins über eine Metalldektor-Schleuse verfügt. Und nicht nur das: Am Eckernförder Amtsgericht mit 53 Mitarbeitern wurde zusätzlich ein vierter Wachtmeister für die Kontrollen eingestellt. Was jetzt nach Meinung Kai Thomsens folgen muss, ist eine bauliche Umgestaltung im Eingangsbereich des Gerichts, weil die Schleuse derzeit ungünstig platziert ist.

Der Kosten (5500 Euro für den Detektor) und Personalaufwand haben sich nach Meinung Thomsens und des 1. Leitenden Justizhauptwachtmeisters Dierk Stahn gelohnt: Im ersten Monat schlug der Detektor häufig an – unter anderem wurden 79 Messer, sechs Dosen Pfefferspray, ein Elektroschocker sowie mehrere Spritzen und Scheren aus dem Verkehr gezogen. Die Wachtmeister nehmen die unerwünschten „Mitbringsel“ an sich, verwahren sie und geben sie nach dem Besuch wieder an ihre Besitzer zurück. „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten“, sagt der seit 1993 in Dienst befindliche Dierk Stahn, es gebe aber auch Leute, die sich durch die Kontrolle auf eine Stufe mit Straftätern gestellt fühlten.

Amtsgerichtsbesucher Niklas Kuhl nahm die Sache gestern allerdings ganz locker. Der junge Mann aus Eckernförde musste seinen Rucksack ablegen, alle Metallgegenstände aus den Taschen nehmen, durch die Schleuse gehen und wurde anschließend noch von Justizhelferin Karin Becker abgetastet und mit einem elektronischen Handdetektor kontrolliert. Den Ganzkörper-Check sieht er als sinnvoll an. Sein Taschenmesser landete vorübergehend im Justiz-Gewahrsam, für ihn okay: „Das ist ja Sinn und Zweck der Übung.“

Gerichtschef Thomsen fühlt sich durch die erste Bilanz durch die von ihm vorangetriebene Verschärfung der Sicherheitsvorschriften und dauerhafte Kontrolle bestätigt. „Ich bin erstaunt, was in den ersten Wochen so alles gefunden wurde.“ Wenn es verdächtige Anhaltspunkte gibt oder einer der acht Richter in der Verhandlung darauf drängt, müssen sich Gerichtsbesucher in einem separaten Raum bis auf die Unterwäsche ausziehen und durchsuchen lassen. Und wer sich an der Schleuse aggressiv verhält, wird des Hauses verwiesen.

Dierk Stahn und seine drei Kollegen wissen, wie sie in Konfliktsituation zu reagieren haben. Auch das dürfte die 53 Justizmitarbeiter beruhigen. Denn selbst im beschaulichen Ostseebad sind Übergriffe nie ganz auszuschließen.

 

 

 

 

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erstellt am 13.Sep.2013 | 06:10 Uhr

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