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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 15:12 Uhr

Am Anfang ist das Wort

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Über den sorgsamen Umgang mit Worten und mit der Sprache: Das einmal gesprochene Wort ist nicht mehr rückholbar

von
erstellt am 16.Feb.2016 | 06:23 Uhr

„Am Anfang war das Wort“ beginnt das Johannesevangelium. Im übertragenen Sinn heißt dies: Mit jedem gesagten oder geschriebenen Wort, jedem Satz, jeder Aussage wird Etwas erschaffen. Gutes und weniger Gutes. Aus ihnen entstehen Handlungen, sie lassen Bilder und – im ungünstigen Fall – Mauern in unseren Köpfen entstehen. Sie können unsere Wahrnehmung verändern. Das einmal in die Welt gesprochene Wort ist nicht rückholbar, es wirkt fort.

Wie wichtig ist es also, Worte sorgsam zu wählen und abzuwägen. Nicht immer gelingt es, im Alltag achtsam mit Sprache umzugehen. Es geschieht, häufig ungewollt, dass Worte verletzen. Andererseits werden Worte bewusst benutzt, missbraucht. Es bedarf großer Aufmerksamkeit und Disziplin, immer die richtigen Worte zu finden oder gar sie zurückzuhalten.

Der am 7. Februar 2015 verstorbene amerikanische Psychologe Maschall B. Rosenberg hat das Konzept der „Gewaltfreien Kommunikation“ entwickelt. Im Vordergrund steht, eine wertschätzende Beziehung zu anderen Menschen zu entwickeln und damit im Zusammenleben mehr Kooperation und gemeinsame Kreativität zu ermöglichen. Die Art und Weise unseres Sprechens spielen, seiner Überzeugung und Erfahrung nach, eine entscheidende Rolle für unsere Fähigkeit, einfühlsam zu bleiben. In Rosenbergs seit 1984 weltweit stattfindenden Seminaren zeigte die Gewaltfreie Kommunikation ihre Wirksamkeit. Inzwischen wird sein Konzept in Schulen, in Therapien, bei Organisationen, bei diplomatischen und geschäftlichen Verhandlungen angewendet. In Krisen- und Kriegsgebieten, selbst zwischen verfeindeten Volksgruppen (in Israel und Palästina, Ruanda und Kroatien) greifen die Gesprächspartner/-innen, um gewaltfreie Kommunikation zu fördern, auf Rosenberg zurück.

Laut Marschall B. Rosenberg basiert jede Handlung letztendlich auf nur zwei Gefühlen - Liebe oder Angst.

Ob mit Worten, mit der Sprache verantwortungsvoll umgegangen wird, lässt sich schnell beim Blick auf Schlagzeilen erkennen und beim Prüfen der Informationen, die wir über die Medien und denen, die wir direkt von Mitmenschen erhalten. Schüren sie Ängste?

Worte können ein Machtinstrument sein. Bekannt ist, dass die Rhetorik des Nationalsozialismus entscheidend zu dessen Siegeszug beitrug. Häufig enthielt sie Superlative wie „einmalig“, „einzig“, „historisch“, „total“, „ungeheuer“. Wertfreie technische und sachliche Ausdrücke dienten der Verschleierung und Verharmlosung. Auch sollten sie eine emotionale Zusammengehörigkeit und Wertegemeinschaft schaffen.

Die Sinnänderung von Worten gehörte ebenfalls dazu. Unschwer lassen sich Parallelen zur aktuellen Stimmungslage in manchen Teilen unseres Landes und zu den Aussagen von Personen einer lautstark agierenden Partei ziehen. Es macht einen Unterschied, wer „Wir sind das Volk“ ruft. Ob Menschen mit hassverzerrten Gesichtern ihre Gedanken und Parolen herausschreien oder offen und zugewandt Worte und Argumente austauschen.

Unsere Sprache ist reich, schön und vielfältig. Das Wort „Wortwahl“ beschreibt es: Jede und jeder hat die Wahl, wie etwas und was gesagt und geschrieben wird, in dem Vertrauen, dass schönen Worten schöne Taten folgen werden.



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