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Alte fischräucherei : Altes Stück Eckernförde wird aufpoliert

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Verein Alte Fischräucherei Eckernförde arbeitet fieberhaft an der Realisierung seines Großprojekts – der Museumsräucherei. Ende 2014 soll „ein Betrieb auf Sparflamme“ anlaufen.

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erstellt am 13.Dez.2013 | 06:09 Uhr

Die Hammerschläge von Jens Daniel und Karl-Heinz Siebrecht sind schon von draußen zu hören. Der Maurermeister und der Kapitänleutnant im Ruhestand bearbeiten hartnäckig ihr Projekt: Nach der Südseite werden nun auch die Mauerfugen auf der Nordseite der alten Fischräucherei Hopp bearbeitet, sprich herausgeschlagen und durch neue Fugen ersetzt. Harte Arbeit, für die angesichts der großen Flächen sechs Wochen angesetzt sind. Bezahlt werden die beiden übrigens nicht, sie machen es freiwillig und weil sie Spaß daran haben, die letzte, historische Fischräucherei zu erhalten, zu sanieren und sie im nächsten Jahr als Museumsräucherei wieder zu eröffnen. Und darauf freuen sie sich schon mächtig, auch wenn das zwischen Feinstaub und Gesteinsbrocken, die ihnen um die Ohren fliegen, manchmal nicht so aussieht.

Aufmerksame Beobachterin und Fürsprecherin ist Brigitte Krafft. Die 90-jährige Dame wohnt seit über 50 Jahren im ersten Stock der Räucherei, die 1902 ihren Betrieb aufgenommen hat. Sie freut sich über die Aktivitäten des Vereins Alte Fischräucherei, der den Komplex am 3. Juni 2012 für 400 000 Euro gekauft hat und dessen Mitglieder seitdem permanent an der Sanierung der Räuchereigebäude und des Hofes arbeiten. So richtig los ging es im Juni dieses Jahres, als die Baugenehmigung erteilt wurde.

„Es war schon klar, dass viel Arbeit auf uns zukommt“, sagt Hartwig Deimel, der im früheren Versandraum der Räucherei die alten Holzfenster mit weißer Farbe streicht. Der erfahrene Baumeister und langjährige Stadtbaudirektor in Eckernförde ist der unangefochtene Bauleiter auf der Großbaustelle in der Gudewerdtstraße. Deimel weiß, wie man Horizontalsperren gegen aufsteigende Feuchtigkeit setzt, Wände oder Schornsteine saniert und Ausschreibungen für Firmen formuliert. So ein Fachmann ist für ein derart ehrgeiziges Bürgerprojekt unverzichtbar. Und so zieht sich die Horizontalsperre aus Epoxidharz und Bitumenpappe mit Bohrlöchern im Abstand von 20 Zentimetern etwas oberhalb der Sohle in 20 bis 30 Zentimetern Höhe durch das gesamte Gebäude. „Damit wir in fünf Jahren nicht wieder ran müssen“, sagt Deimel zu dem hohen Aufwand, der dort betrieben wird.

Er und der harte Kern von rund 20 besonders aktiven Vereinsmitgliedern bringen ihr Know-how und ihre Arbeitskraft kostenlos in das Projekt ein. Um die 4000 Stunden sind in diesem Jahr an ehrenamtlicher Leistung zusammengekommen. Das ist schon eine ganze Menge, doch ohne die öffentliche Bezuschussung und Förderung der Finanzierung und Sanierung durch die Stadt und den Europäischen Fischereifonds (EFF) wäre dieses Vorhaben für immer ein Traum geblieben. 220 000 Euro plus Eigenleistungen sind allein in diesem Jahr an Fördermitteln in das Großprojekt geflossen. Die Stadt hat den Ankauf im vergangenen Jahr allein mit 150 000 Euro bezuschusst. Zins und Tilgung für den aufgenommenen Kredit finanziert der Verein durch die Mieteinnahmen der drei Wohnungen.

„Wir haben einige große Maßnahmen geschafft“, freut sich die Vereinsvorsitzende Katharina Mahrt. Wie die Schornsteinsanierung, wie die Aufarbeitung und Aktivierung von zwei der sechs alten Räucheröfen, Baujahr 1920. Ein ganz klein wenig Rauch ist schon einmal probeweise durch den 18 Meter hohen Schacht gezogen, die offizielle Genehmigung für den Betrieb der Öfen erhofft sich der Verein noch in diesem Jahr.

Viele Unternehmen unterstützen den Verein und das Projekt mit Sach- und Dienstleistungen, viele Bürger engagieren sich durch aktive oder finanzielle Hilfe. Es dürfte kaum ein vergleichbares Projekt in Eckernförde geben, an dem so viele an einem Strang ziehen, um etwas Großes für Eckernförde zu erreichen. Denn als solches muss man den Ankauf, die Sanierung und den späteren Betrieb der Museumsräucherei ansehen. Dort wird das maritime Erbe der alten Räucherstadt bewahrt, dort findet Kultur zum Anfassen in authentischer Umgebung und Atmosphäre statt – und das spüren und mögen viele Eckernförder.

Regelmäßig machen auch die Stadtführer in der Räucherei Station und stellen den staunenden Gästen das Bürgerprojekt und seine Protagonisten vor. Zudem ist die Räucherei jeden Sonnabend von 9.30 bis 13 Uhr für Interessierte und Helfer geöffnet. Und so haben in diesem Jahr bereits rund 4000 Gäste Einblick in die Räumlichkeiten nehmen können – nicht schlecht für eine Räucherei, die noch gar nicht fertig ist, geschweige denn geöffnet hat. Ende 2014 soll „ein Betrieb auf Sparflamme“ anlaufen, sagt Katharina Mahrt. Neben der Besichtigung der aufbereiteten Räuchereiräume mit zahlreichen originalgetreuen Einrichtungen und Arbeitsgeräten wird es ein Veranstaltungsprogramm geben, und im Holzlager ist der Einbau einer Fischküche geplant. Die Besucher sollen mit kleinen Speisen und Getränken versorgt werden, die Museumsräucherei soll zu einem zentralen Anlaufpunkt in der Altstadt werden. Damit verbunden sind auch personelle Weichenstellungen: eine feste Stelle und mehrere Teilzeitstellen wären wünschenswert, sagt Mahrt. Sie müssten weitgehend selbst erwirtschaftet und gegebenenfalls mit Zuschüssen unterfüttert werden.

Nach wir vor sind die Aktivisten beseelt von ihrem Projekt. „Es macht immer noch viel Spaß, und wir sind auch ganz schön stolz, es geschafft zu haben. Es war nicht einfach und hat viel Kraft gekostet“, sagt Katharina Mahrt. Dass das Projekt noch kippen kann, glaubt niemand. Alle sind fest vom Erfolg überzeugt.

Gesucht werden noch alte Räuchereiutensilien wie Körbe, Schaufeln oder Fässer, die vielleicht noch auf so manchem Boden in der Altstadt lagern, wie der 2. Vorsitzende Hans Jörg Petersen hofft. Diese Fundstücke könnten die kleine Ausstellung „Stak op! De Fisch sünd dor!“ bereichern, die im Aufsteckraum schon eingerichtet ist, oder in den übrigen Räumen Verwendung finden.

Auf ein Großereignis freuen sich alle Beteiligten schon jetzt: das Adventsräuchern am Sonnabend, 14. Dezember, von 11 bis 16 Uhr. Dann können die Eckernförder und alle interessierten Bürger der Region sich die Räume ansehen, mit den Machern sprechen und erste Fühlung mit der künftigen Museumsräucherei aufnehmen. Ein Angebot, dass man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

 

 

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