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Eckernförder Zeitung

18. Dezember 2017 | 06:54 Uhr

Jahresempfang : Altenholz würdigt das Ehrenamt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gemeinde verleiht Ehrenmedaille an vier Bürger am Donnerstag im Ratssaal

Für ihr ehrenamtliches Engagement werden vier Bürger am Donnerstag beim Jahresempfang der Gemeinde mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet. Wir stellen sie heute vor.

„Helfen, wo Hilfe Not tut“ – dieser Leitsatz der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in einer Ankündigung der Gründungsversammlung des Ortsvereins Altenholz sprach Hildegard Schaper sofort an. „Als die Versammlung zu Ende ging, war ich nicht nur Mitglied im Verein, sondern auch im Vorstand“, sagt die 71-Jährige. Das ist jetzt 42 Jahre her. Heute ist Hildegard Schaper Vorsitzende im 13. Jahr. Der von ihr mitbegründete erste Seniorentreffpunkt in der Gemeinde ging 1973 in der Helene-Diekmann-Schule an den Start. „Wir hatten immer so um die 30 Teilnehmer“, erinnert sich Schaper an die Nachmittage, die mit Lesungen, Dia-Vorträgen und Quizen anspruchsvoll gewesen seien. Später zog das Angebot in das Meta-Labrenz-Haus, und die Awo wechselte sich in der Organisation mit Kirche und DRK ab.

Ein Jahr, nachdem sie das Angebot für die älteren Mitbürger ins Leben gerufen hatte, initiierte Schaper die Aktion Ferienspaß. Zwischen 50 und 70 Kindern erlebten in den Sommerferien Spaß und Abwechslung. Das Projekt legte Schaper nach 15 Jahren in das ebenfalls von ihr gegründete Awo-Ortsjugendwerk und setzte ihre Idee um, Jugendfreizeiten zu begleiten. Ziele waren unter anderen Roskilde in Dänemark, Heidelberg, Brodten an der Ostsee und Suhrbrook in den Hüttener Bergen. Aus dem Jugendwerk entstanden zwei Gruppen, die pro Woche 15 bis 20 Kinder beschäftigten. „Spiele und gruppendynamische Aktionen standen auf dem Programm“, sagt Schaper. Als sich keine Gruppenleiter mehr fanden, schlief der Treff ein. Doch die von der Gemeinde eingerichteten Jugendzentren fingen den Bedarf auf.

Auch dem Kreis-Jugendwerk der Awo half die pensionierte Lehrerin auf die Beine und wirkte im Vorstand des Kreisverbands mit. Momentan baut sie die Hilfe im Alltag auf: Dienstags und freitags finden Menschen mit Problemen oder Anliegen, bei denen sie Hilfe brauchen, Rat und Hinweise, wer zuständig ist. Darüber hinaus bereitet Schaper die Gründung eines Hilfsfonds vor für Menschen in Not. „Mein Herz schläg mit den Schwachen“, bringt sie auf den Punkt, warum sie sich engagiert. „Wenn es einem selbst gut geht, kann man etwas tun für die, die es nicht so gut getroffen haben“, sagt sie weiter. Und eine Spur Egoismus sei auch dabei: „Das Ehrenamt bringt mir so viel Spaß.“

Edgar Meschkat, Siegfried Dallmeyer, Horst Striebich und jetzt Carlo Ehrich. In 50 Jahren Kommunalpolitik hat Winfried Oppenhoff sie alle hautnah erlebt, die Altenholzer Bürgermeister der vergangenen Jahre. Von Seiten der Liberalen. Aus der Kommunalpolitik hat er sich gerade verabschiedet, dem FDP-Ortsverband ist er als stellvertretender Vorsitzender treu geblieben.

Oppenhoff (77) erzählt gern. Geboren ist er in Stuttgart, erlebte als junger Mensch die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs mit. Seine Mutter habe ihm den Ernst des Lebens beigebracht, sagt er. Dafür ist er ihr bis heute dankbar. Durch sie kam er zum DRK, engagierte sich in der Jugendorganisation des Roten Kreuzes, dann bei den Pfadfindern. „Ich habe eine fantastische Jugend gehabt“, blickt Oppenhoff zurück. „Ich habe Organisation, Improvisation, Handwerkliches und das Miteinander gelernt.“ Er lernte seine Frau Renate kennen, zog 1965 zu ihr in den Norden nach Altenholz und fing im Geschäft der Schwiegermutter an zu arbeiten, die in Holtenauer Straße 47 ein Geschäft für Bürobedarf und Lohnkopie betrieb. Später machte er sich mit einer Repro-Firma, damals Lichtpauserei genannt, selbstständig. Zugleich besann er sich auf seine alte liberale Seite und ging in die Kommunalpolitik. „Ich bin einer der wenigen, die noch den liberalen Politiker und ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss live erlebt haben“, erzählt er. „Der wohnte damals in Stuttgart nicht weit weg von uns.“ Oppenhoff hat die Entwicklung in Altenholz-Stift mitgemacht. Anfangs gab es weder die Kirche, noch den Marktplatz oder das Rathaus, erzählt er. Nur einen Lebensmittelladen im Kuhhaus. 1972 wurde es interessant, als die Olympiade kam. Er saß als bürgerliches Mitglied sowohl im Bau- als auch im Sozialausschuss. Gemeindevertreter war er nie. „Die wichtigen Diskussionen und Entscheidungen finden doch in den Ausschüssen statt“, sagt er. Dem DRK stets verbunden begleitete er den Ortsverein in Sachen Bau, bei der Begegnungsstätte und der Kita. Handfesten Krach habe es in seinen 50 Jahren Kommunalpolitik selten gegeben, sagt er. „Nur wenn die Parteipolitik ins Spiel kam. CDU kontra SPD. Da flogen die Fetzen.“

Marianne Lubner hat sich 16 Jahre lang im Seniorenbeirat engagiert. Noch länger besucht sie als Grüne Dame Bewohner im Seniorenzentrum. Für sie ist die Resonanz der Leute der Lohn ihrer Arbeit. Lubner (78) rätselt gern und hält sich gewöhnlich mit Seniorentanz und im Fitness-Studio fit. Früher arbeitete sie als Sekretärin im Landtag. 1996 ging sie in den Ruhestand und fühlte sich nicht ausgelastet. „Der Haushalt reicht mir einfach nicht“, sagt sie und lacht. Seitdem ist sie eine von den Grünen Damen, dem ehrenamtlichen Besuchsdienst im Seniorenzentrum Altenholz-Stift. Von Karin Eick hat sie den Job als Einsatzleitung übernommen. Sie halten Klönschnack mit den Bewohnern, auch mal Händchen, spielen Gesellschaftsspiele oder gehen mit ihnen spazieren. „Das ist so schön“, findet sie. Der 93-jährige Herr, den sie regelmäßig besucht, freue sich immer so und bedanke sich für jeden Besuch. „Das gibt einem tatsächlich viel zurück“, sagt sie und macht gleich ein bisschen Werbung. Denn die Grünen Damen und Herren können noch Verstärkung brauchen.

1998 fragte sie Horst Langniß, ob sie sich nicht als Kandidatin für den Seniorenbeirat, den es bereits seit 1974 in Altenholz gibt, aufstellen lassen möchte. Sie tat es und wurde gewählt. Seitdem sind vier Legislaturperioden vergangen, in denen sie im Beirat mitgearbeitet hat. Sie war stellvertretende Vorsitzende, stellvertretende Schriftführerin, Mitglied im Rat für Kriminalitätsverhütung und hat zuletzt die Kasse geführt. „Wir waren eine nette Truppe, sind zu einem Team zusammengewachsen“, sagt sie. „Nach 16 Jahren dachte ich, es sollten Jüngere dazukommen mit neuen Ideen.“ Aber die Verbindung soll bleiben.

Drei Jahrzehnte hat sich Dr. Clauß für seine Wohnortgemeinde eingesetzt. Seit 1983 gehörte er in unterschiedlichen Funktionen den gemeindlichen Gremien an, seit 1998 als gewählter Gemeindevertreter der CDU. Mit seiner zweiten Legislaturperiode übernahm er die Aufgabe des Bürgervorstehers, die er bis zu seiner Verabschiedung von der politischen Bühne zur Kommunalwahl 2013 ausübte.

Öffentliche Information und Erörterung als Instrumente der Bürgerbeteiligung lagen ihm in all den Jahren immer am Herzen. Für ein kommunalpolitisches Engagement hat er immer besonders geworben und bedauert, dass diejenigen, die diese Verantwortung übernehmen, nie die Anerkennung in der Bevölkerung finden, die sie verdient hätten.

Über Altenholz hinaus wirkte Clauß als Mitinitiator und Vorsitzender des 2006 gegründeten Wirtschafts-, Tourismus- und Kulturverbandes Dänischer Wohld, dem Wegbereiter der Aktiv-Region Hügelland am Ostseestrand.

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