Ortsentwicklung Knoop : Altenholz holt die Bürger ins Boot

Die Verkehrssituation in der Knooper Landstraße ist nicht ungefährlich, gerade an den Ortseingängen wird zu schnell gefahren.
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Die Verkehrssituation in der Knooper Landstraße ist nicht ungefährlich, gerade an den Ortseingängen wird zu schnell gefahren.

60 Einwohner besuchen erste Arbeitswerkstatt im Ratssaal / Anonymer Brief betrübt Verwaltungschef Carlo Ehrich

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21. Mai 2015, 06:00 Uhr

Altenholz | Premiere im Rathaus: Zum ersten Mal hatte die Gemeinde zu einer Bürgerwerkstatt eingeladen, um die Einwohner bei der weiteren Entwicklung des Ortsteils Knoop mitzunehmen. War die Stimmung anfangs sehr aufgeheizt, gelang es Stadtplanerin Kerstin Langmaack und Kollegin Stephanie Eilers, die 60 Teilnehmer in mehreren Arbeitsgruppen zueinander zu bringen. Am Ende gab es viele hilfreiche Anregungen, die nun in ein Entwicklungskonzept eingearbeitet werden.

Der Auftakt für diese Form der Bürgerbeteiligung hatte für Bürgermeister Carlo Ehrich einen bitteren Beigeschmack – erreichte ihn kurz zuvor ein anonymer Brief, dessen Verfasser der Gemeinde vorwarf, in den vergangenen Jahren an den Bürgern vorbeigeplant und sie absichtlich falsch informiert zu haben. „Das ist harter Tobak, und das bedrückt mich sehr“, erklärte Ehrich, der sich gewünscht hätte, der Absender hätte den Mut gehabt, seinen Namen zu nennen. Ehrich: „Ich hätte gern gewusst, wie wir Bürgerbeteiligung besser machen können.“ Diejenigen, die der Einladung zur Werkstatt gefolgt waren, forderte er auf, Anregungen und Kritik deutlich werden zu lassen.

Das taten sie dann auch, wobei deutlich wurde, dass mancher den Sinn der angeschobenen Ortsentwicklungsplanung noch gar nicht erfasst hatte. Für eine Ortsrandlage wie Knoop sehe die Städteplanung eher eine kleinteilige Struktur vor, eine offene Bauweise und wenig Verkehr, erklärte Langmaack. Die massive Bebauung, die dort teilweise zu finden ist, gehöre nach städtebaulichem Verständnis eher in einen Ortskern als an den Rand. „Manche stören sich daran, manche anscheinend nicht“, stellte Stephanie Eilers fest. Ziel sei es jedoch, gemeinsam festzulegen, in welche Richtung sich der Ortsteil weiterentwickeln soll.

In der bisher gemachten Bestandsaufnahme waren den Planerinnen bereits einige Punkte von Anwohnern genannt worden, die auch im Workshop aufgegriffen wurden. Neben der Zukunft der Villa Hoheneck waren das die Verkehrssituation in der Knooper Landstraße, das Problem der Oberflächenentwässerung, die Nachfrage nach weiteren Wohn- und Gewerbeflächen. Nach gut drei Stunden stand fest, dass sich die Bürger den Erhalt der Villa mit Gastronomiefunktion wünschen. Es wurde jedoch auch gesehen, dass der Unterhalt des über 100 Jahre alten Hauses finanziert werden muss, was aus Sicht der Arbeitsgruppe durch zusätzliche Wohnbebauung auf dem Areal geleistet werden könnte. Rund um das Gut Knoop wurden Möglichkeiten einer Nachverdichtung ähnlich der Siedlung Polterberg skizziert. Zehn bis 20 Häuser könnten rund um das Forsthaus oder im Bereich der Feuerwache errichtet werden, wenn eine entsprechende Außenbereichssatzung erlassen wird. Für den ehemaligen Schießplatz, der noch der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gehört, für den die Gemeinde aber ein Vorkaufsrecht hat, wurde zum einen der Wunsch geäußert, das Gelände naturnah zu belassen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, zum anderen einen Teil davon für die Ansiedlung weiterer Gewerbebetriebe zur Verfügung zu stellen. Denkbar wäre jedoch auch, das Gewerbe angrenzend an den Jägersberg im Bereich der jetzigen Kleingartenanlage anzusiedeln und die Gärten in einem Areal des ehemaligen Schießplatzes neu anzulegen.

Während diese Überlegungen längere Zeit in Anspruch nehmen werden, soll die Entwässerungsproblematik, die Knooper Bürger mit Ingenieur Ulrich Hauck erörterten, ebenso rasch angepackt werden wie die Straßenbeleuchtung. Sowohl die Oskar-Kusch-Straße als auch die Knooper Landstraße wird von den Anwohnern als zu dunkel empfunden. Darauf hatten zwei Mütter hingewiesen, die zudem deutlich machten, dass 43 Kinder in dem Ortsteil einen Spielplatz, mehr Verkehrssicherheit und auch eine Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erforderlich machen. Kinder würden in der öffentlichen Diskussion immer mit anderen Ortsteilen in Verbindung gebracht, nicht jedoch mit Knoop, kritisierten die beiden Frauen, die den Bürgerworkshop als „tolle Gelegenheit“ empfunden haben, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen.

Gerade dieser Beitrag war für Kerstin Langmaack der Beleg, wie wichtig solche Veranstaltungen sind. Förderten sie doch manches Mal Dinge zu Tage, die in einer Bestandsaufnahme verborgen blieben. „Es ist wichtig, die Bürger rechtzeitig in Prozesse einzubinden und ihre Ideen abzufragen“, betonte Langmaack, die am Mittwoch einen „großen Bedarf an Bürgerbeteiligung“ festgestellt hatte. Viele Teilnehmer hätten Bedenken und Ängste geäußert – ein Zeichen der Verunsicherung. Es sei sehr viel Gutes bei der Werkstatt herausgekommen, und „es kann was Tolles daraus werden“, ist die Stadtplanerin überzeugt.

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