zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

17. August 2017 | 13:50 Uhr

Als Schwabe in Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wie es sich anfühlt, als Südwestdeutscher im hohen Norden Fuß zu fassen / Zahlreiche Ähnlichkeiten, aber auch gravierende Unterschiede

Wer als Schwabe nach Schleswig-Holstein kommt, wird bald erfahren, dass die Sueben, von denen die Schwaben ihren Namen haben, schon vor langer Zeit hier im Norden vorübergehend ansässig waren. Der Siedlungsraum der Stämme der Sueben erstreckte sich in den ersten Jahrhunderten nach Christi von der Donau bis zur Ostsee, dem mare suebicum.

Im Schloss Gottorf kann man den Schädel eines Sueben besichtigen, der in der Gegend von Osterby im Moor gefunden wurde, und im späten 1. Jahrhundert/ frühen 2. Jh. gelebt haben dürfte. Seine gut erhaltene Haartracht weist einen Knoten an der Schläfe auf, ein Kennzeichen der Sueben, mit dem sie sich von den übrigen Germanen unterschieden. Vor etwa 1500 Jahren haben sich die Sueben dann wieder aus dem ostholsteinischen Hügelland in den Süden zurückgezogen.

Die geographische Bestimmung, wo heute die Schwaben leben, ist nicht ganz einfach. Es ist ungefähr ein Bereich in Südwestdeutschland. Seine Herkunft hier im Norden zu verheimlichen ist schwierig. Man verrät sich mit der Sprache. Der staatliche Werbeslogan in Baden-Württemberg „Wir können alles außer Hochdeutsch!“ bringt es auf den Punkt. Wobei betont werden muss, unser schwäbischer Dialekt ist keine falsche Aussprache des Hochdeutschen, sondern die natürliche Fortsetzung der Sprache des Mittelalters. Da man hier keinen besonderen Dialekt spricht, hat man als Schwabe keine Verständigungsprobleme. Platt fällt einem, wenn auch relativ selten, mehr im ländlichen Bereich auf. Es dauert, bis man es zunehmend versteht.

Was das Angebot an Speisen in den Gasthäusern/Krügen angeht, muss man sich doch etwas umstellen. Besondere Freude macht der frische Seefisch, sofern man Fisch mag. Ansonsten entdeckt man in den Krügen eigentlich wenig regionale Spezialitäten. Rübenmus, Grünkohl oder Labskaus, die als ausgesprochene Kalorienbomben serviert werden, muss man mögen.

Als Schwabe ist man gewohnt, in den traditionellen Gasthäusern viele einfache, preiswerte Gerichte zu finden. Die schwäbische Küche war in der in den vergangenen Jahrhunderten eher karg und geprägt von Armut und Entbehrung. Aus wenigen Zutaten, Mehl, Wasser, Eier und Salz das Beste herauszuholen, musste immer das Ziel sein. Und das Ergebnis ist noch heute auf den Speisekarten zu finden: Spätzle, Maultaschen, Schupfnudeln, Flädle, Knöpfle, werden in verschiedenen Variationen zusammen mit einer Schale gemischten Salat preisgünstig angeboten.

Die Brezel, die vor etwa 1000 Jahren im alten Herzogtum Schwaben entstanden ist und als Butterbrezel traditionell selbst bei den höchsten Empfängen im Land zusammen mit einem Viertele Wein gereicht wird, findet hier im Norden offensichtlich zunehmend auch Anklang. Dass der Wein hier in 0,2 oder gar in homöopathischen 0,1 Liter angeboten wird, ist für einen Schwaben gewöhnungsbedürftig. Statt eines Grog wird ein Schwabe, wenn es was Heißes sein soll, eher einen Glühwein vorziehen.

So wie es keinen lupenreinen Schwaben gibt, sind auch die Schleswig-Holsteiner im Laufe der Zeit eine bunte Mischung aus eingefallenen oder zugewanderten Menschen geworden. Aber die Mentalität scheint mir im großen und ganzen ähnlich zu sein, eher rustikal und nicht immer diplomatisch. Da muss man sich nicht umstellen.

Den Schwaben wird immer wieder besondere Sparsamkeit nachgesagt. Bundeskanzlerin Merkel hat während der Finanzkrise „die schwäbische Hausfrau“ sogar als Sinnbild für finanziellen Realitätssinn bezeichnet. Das ist ein Mythos. Mir scheint die Hausfrau in Schleswig-Holstein nicht weniger kostenbewusst bemüht zu sein, mit dem Haushaltsgeld bis zum Monatsende auszukommen, wie ihre schwäbische Kollegin.

Bleibt noch das Wetter. Es kommt mir hier gefühlt windiger, feuchter und eher kühler vor als im Süden. Die Meere, von denen das Land „umschlungen“ ist, üben wohl ihren Einfluss aus. Zusammenfassend kann ich wohl sagen, als Schwabe wird man in Schleswig-Holstein wohlwollend geduldet und so kann man sich an das Land gut gewöhnen.


Karte
zur Startseite

von
erstellt am 15.Feb.2017 | 06:24 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen