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Heimatgemeinschaft : Als es noch „Söben Grog för een Mark“ gab

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Hotel Marien-Louisenbad, der Patzenhofer und das Strandhotel: Alles Wirtshäuser, die Ilse Rathjen-Couscherung auf ihrem historischen Spaziergang begegnet. Sie nimmt die Gäste in ihrem Vortrag mit auf eine ganz besondere Reise durch die Stadt.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 05:36 Uhr

Der erste Vortrag der Heimatgemeinschaft Eckernförde in der Reihe 2013/2014 war am Montagabend komplett ausverkauft. Vorstandsmitglied Dr. Heinrich Mehl begrüßte die Gäste, aber vor allem die Referentin, Ilse Rathjen-Couscherung, eine „Heimat-und Stadtforscherin erster Klasse“, die ihre Gäste auf einen virtuellen Spaziergang durch das alte Eckernförde und Borby nahm, um historischen Gasthöfen und Hotels – seinerzeit Schankwirtschaften und Etablissements – nachzuspüren. Der Titel des Vortrags: „Söben Grog för een Mark“.

Inspiriert hatte sie zu diesem Vortrag eine Ausstellung im Eckernförder Museum, woraufhin Ilse Rathjen-Cucherung einen Spaziergang konzipierte, der die Geschichten um Gasthöfe und Menschen wieder lebendig werden ließ. In neunzig kurzweiligen Minuten bewies sie sich nicht nur als Stadtforscherin, sondern auch als Geschichtenerzählerin über Wirtschaften und ihre Kröger, liebenswert und kurios, auf jeden Fall immer besonders und erzählenswert.

Um das Jahr 1900 kam auf 140 Einwohner in Eckernförde und Borby eine Gastwirtschaft. Hervorragend sei das Hotel Marien-Louisenbad gewesen, seinerzeit im Besitz des Borbyer Bürgermeisters Christian Christiansen, der zuerst mit einer Badeanstalt in Holzbottichen warb, später aber auch den Zugang zur Ostsee ermöglichte. 1880 hatte Christiansen das Hotel zu einer der ersten Adressen des Ortes entwickelt, das sogar den Kaiser durch Atmosphäre und Glanz beeindruckte. Kurios, dass damals die Grenze zwischen Borby und Eckernförde mitten durch das Hotel verlief. Es bedurfte schon des ersten Weltkriegs, um das stattliche Hotel zu zerstören.

Mit vielen Geschichten stellte Ilse Rathjen-Couscherung Strandhotel und Kaiserhof vor, erzählte sie von Kriegswirren, Zerstörung und Wiederaufbau oder Umgestaltung. NS-Zeit und Besatzung hatten großen Einfluss auf die Gasthöfe. So mancher ist heute noch wiederzuerkennen, viele andere sind einfach verschwunden. Es ist nicht zuletzt der Heimatgemeinschaft zu verdanken, dass mit diesem Vortrag die Geschichte der Häuser, immer aufs Engste verknüpft mit den Schicksalen und Lebenswegen ihrer Betreiber, nicht ganz vergessen werden.

Dr. Telse Stoy zeigte sich besonders von den menschlichen Varianten berührt. „Das ist so erfrischend volksnah“, urteilte sie in der Halbzeitpause; viele würden Menschen aus ihrer persönlichen Umgebung wieder erkennen.

Zum Beispiel war „Tante“ Anni Kock vom Schifferhaus, einem Clublokal der Yachtmatrosen, offenbar noch vielen im Gedächtnis. Ihr Musikverbot in der Karwoche sei legendär gewesen. Nicht nur dem Pferde-Taxi des Hauses Ramm hauchte Ilse Rathjen-Couscherung neues Leben ein. Vor den Augen der Gäste wurden, unterstützt durch viele Fotos, die Weinstube Stange mit dem einzigen Fabrikanten des „Eckernförder Meerwassers“ wieder lebendig, konnte man das eifrige Leben im „Patzenhofer“ praktisch mit Händen greifen, und man meinte,von Kuddel Thies persönlich zum „Kugeltee“ eingeladen zu sein. Da warb der Wirt des Kolosseums 1905 mit „swatten Deerns“, die fast nichts anhätten, und das Stadtcafé, in dem bis vor kurzem das „Barbarossa“ zu finden war, besaß sogar ein Kino, in dem Stars wie Asta Nielsen in populären Stummfilmen zu sehen waren.

Die Liste der Geschichte rund um die historischen Gasthäuser war lang, aber Ilse Rathjen-Couscherung ließ die Jahrzehnte im Flug durch den Saal dahinwehen, kurzweilig, amüsant, nachdenklich und sehr persönlich. „Ich erinnere mich an die Stimme meiner Großmutter. Die klang, wenn sie vom Hotel ’Drowatzky’ sprach, immer sehr vornehm“, erinnerte sich die Referentin an das erste Hotel mit Zentralheizung in Eckernförde.

Der Abend war eine Werbung für die Stadt und ihre Geschichte und für den Auftrag, diese Geschichte lebendig zu erhalten. Die Stimmung war fröhlich und Inge Kohrt-Gayk aus Barkelsby, die die Veranstaltungen der Heimatgemeinschaft schon lange schätzt, nutzte die Gelegenheit, um ihren Mitgliedsantrag abzugeben. Wie sie den Abend fand? „Wie immer“, sagte sie. „Einfach toll!“.

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