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Deutsch-dänischer Krieg : Als Eckernförde deutsch wurde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die ersten Kanonenschüsse des deutsch-dänischen Krieges von 1864 fielen vor genau 150 Jahren in Eckernförde. Dabei schlugen die Preußen zwei dänische Kriegsschiffe auf der Eckernförder Bucht in die Flucht.

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erstellt am 01.Feb.2014 | 06:05 Uhr

Eckernförde | „In Gottes Namen – drauf!“: So preußisch-knapp lautet am 31. Januar 1864 die Order von Feldmarschall von Wrangel an alle Kommandeure der 61 000 preußischen und österreichischen Soldaten, die entlang der Eider aufmarschiert sind. Es ist der Befehl, in das Herzogtum Schleswig einzurücken.

Dort stehen 38 000 dänische Soldaten bereit, den Anspruch ihres Königs auf dieses Territorium zu verteidigen. Im Morgengrauen des folgenden Tages – es ist der 1. Februar – setzen die Alliierten über die Eider. Die ersten Gewehrschüsse fallen, und nur vier Stunden später sprechen vor Eckernförde erstmals in dieser Auseinandersetzung auch die Kanonen: Der 2. Deutsch-Dänische Krieg hat begonnen.

In Rendsburg, der Grenzstadt zwischen den Herzogtümern, war das österreichische Armee-Corps ohne Gegenwehr über die Eiderbrücke marschiert, die den holsteinischen mit dem dänischen Stadtteil verbindet. Wenige Schüsse genügten, um die nur noch 50 Mann der Besatzung dort in die Flucht zu jagen. Als rechter Flügel der alliierten Angreifer sollen die Österreicher bis ans Schleswiger Dannewerk vorstoßen. Aber unweit von Rendsburg hatten die flüchtenden Dänen hinter sich die Brücke über die Sorge gesprengt. Pioniere mussten erst für einen neuen Brückenschlag sorgen, was den Vormarsch bis zum nächsten Tag verzögerte. Und erst am 3. Februar kam es zur ersten wirklichen Feuerprobe für die k.u.k.-Truppen, als deren gefürchtete „Eiserne Garde“ am Nachmittag geradezu kampfeswütig und mit hohem Blutzoll die Dörfer Jagel und Oberselk sowie den Königsberg vor den Dannewerk-Schanzen erstürmten. Kopfschüttelnd hatte ein gefangen genommener dänischer Offizier ausgerufen: „Die Östreiger ferstehen gar nik der moderne Kriegführung. Sie gehen immer nur darauf los, und lassen ihrer Toter und Verwunderter einfak liegen. Das is ja bloß ein Totschlagen und gar kein Strategie.“

Die Preußen gingen bei Kluvensiek, Königsförde, Landwehr und Levensau über die Brücken des Eiderkanals – Marschrichtung Schlei. Bei Levensau versuchte noch der dänische Posten, dem Feind durch Aufziehen der Klappbrücke an der Passage zu hindern. Doch die preußischen Pioniere durchtrennten die Zugketten.

Alliierter Oberbefehlshaber war Freiherr von Wrangel. Dieser schlug sein neues Hauptquartier in Gettorf auf. Mit seinen 80 Jahren hatte er längst die Schwelle zum Greisenalter überschritten. Aber auch der dänische General de Meza, brachte es bereits auf 76 Jahre.

Die Dänen suchten überall ihr Heil in der Flucht – nur hier und dort fiel mal ein Schuss. Einzig bei Kochendorf kam es zu längeren Schießereien und einem Bajonettgemenge mit einer dänischen Infanterie-Einheit, das diese zwei Tote kostete. Es waren die ersten Gefallenen dieses Krieges. Die Preußen dagegen hatten noch keine Verluste zu beklagen, denn die Dänen konnten mit ihren veralteten Vorderlader-Gewehren nicht mithalten.

In allen Dörfern des Dänischen Wohlds wurden die Preußen jubelnd begrüßt. „So hat denn nun endlich, dem Herrn sei Dank, unsere Befreiungsstunde geschlagen“, berichtete einer der Dorfbewohner den Soldaten. „Die Lage für uns von den Dänen bedrängten Schleswigern war in letzter Zeit wirklich äußerst bedrückend. Wir haben viel leiden müssen.“

Gegen 11 Uhr des ersten Kriegstages waren die Preußen bereits bis an die Eckernförder Bucht vorgedrungen. Zu ihrer Überraschung sahen sie vor dem Hafen der Stadt zwei dänische Kriegsschiffe vor Anker liegen: die Schraubenkorvette „Thor“, bewaffnet mit 14 Kanonen, und den Panzerschoner „Esbern Snare“ mit drei Kanonen. Diese hatten offenbar den Auftrag, gegnerische Truppenbewegungen auf der Kiel-Eckernförder Chaussee zu beschießen. Ganz offensichtlich hatte man auf den Schiffen gar nicht damit gerechnet, dass sich der Feind so schnell zeigen würde. Sie begannen erst ihre Kessel zu heizen, als sie der Preußen ansichtig wurden.

Deren Kolonnen-Kommandanten, General-Lieutnant von Manstein und Oberst Graf von der Groeben, ließen ihre Artillerie in Stellung gehen – eine Batterie nördlich des Sandkrugs, zwei andere am Möwenberg. Punkt 11.15 Uhr wurde von alle drei Geschützen gleichzeitig die Kanonade eröffnet. Dieses Gefecht beschreibt Theodor Fontane in seiner berühmten Geschichte des Krieges. Natürlich erwiderten beide Schiffe das Feuer – ohne jedoch irgendeinen Schaden anzurichten. Lediglich ein Militärpferd sei „blessiert“ worden, vermeldete die Truppe.

Nach 45 Minuten stellten die Schiffe das Feuer ein und liefen unter Volldampf aus der Bucht – wohl auch eingedenk, schreibt Fontane – „jenes 8. April 1849, wo an eben dieser Stelle, unter den Schüssen einer einzigen Strandbatterie, das dänische Linienschiff „Christian VIII“ in die Luft flog und die „Gefion“ die Flagge strich.“

Unmittelbar nach der Kanonade kam die Nachricht, dass die rund 500 in Eckernförde stationierten dänischen Soldaten die Stadt in aller Eile geräumt hatten. „Unter dem Jubel der durchaus deutschen Bevölkerung“, schreibt Fontane, „zogen die (preußischen) Füsiliere ein. Es war die erste vom Dänenjoch befreite, schleswigsche Stadt. Von Stunde zu Stunde mehrte sich der Fahnenschmuck, und eh der Abend kam, wehte das schleswig-holsteinische blau-weiß-rot von allen Giebeln und Dächern“.



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