ricke durch unfall tödlich verletzt : Alle zweieinhalb Stunden gibt’s für den Rehbock Paul die Flasche

Ziegenmilch, Haferflocken und eine ruhige Hand von Jacqueline Knuth, Auszubildende im Tierschutzzentrum Weidefeld – damit soll aus Rehböckchen „Paul“ ein kräftiger Rehbock werden.
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Ziegenmilch, Haferflocken und eine ruhige Hand von Jacqueline Knuth, Auszubildende im Tierschutzzentrum Weidefeld – damit soll aus Rehböckchen „Paul“ ein kräftiger Rehbock werden.

Das Tierzentrum Weidefeld versorgt ein acht Tage altes Rehkitz. Ein Jäger fand es, nachdem er die schwerverletzte Ricke von ihren Leiden erlöst hatte

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20. Mai 2015, 06:47 Uhr

KAPPELN Jacqueline Knuth lächelt, als sie sagt: „Ja, es gibt schlimmere Aufgaben, als sich um Paul zu kümmern.“ Paul ist acht Tage alt, wiegt keine drei Kilo, hat große dunkle Augen, eine schwarze Stupsnase und weiße Flecken im braunen Haar. Seit wenigen Tagen ist das Tierschutzzentrum Weidefeld sein Zuhause – und Jacqueline Knuth ist seine Ersatz-Mama auf Zeit. Der kleine Rehbock hat aber auch schon alle anderen um den Finger gewickelt.

Am vergangenen Sonnabend musste Uwe Jacobi nach 22 Uhr raus zur Kreisstraße 57. Nahe Windeby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hatte sich ein Wildunfall ereignet, der Mann von der Kreisjägerschaft Eckernförde sollte die Lage kontrollieren. Die Ricke, die er in einer angrenzenden Wiese fand, war so schwer verletzt, dass er sie mit einem Schuss erlösen muss. Aber Jacobi bemerkte auch, dass der Euter des Tieres mit Milch gefüllt war. Die Ricke musste also kurz zuvor ein Junges geboren haben. Am folgenden Tag kehrte der Jäger zurück, diesmal mit Suchhunden – und hatte Erfolg: Im Gras entdeckte er das Kitz, trug es ins Auto und brachte es ins Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld. Eine kurze Zeit nur, die Jacobi mit dem jungen Tier verbrachte – und trotzdem hatte es das Kitz ihm schwer gemacht, gedanklich loszulassen. „Wir haben dem Kleinen ja gar keinen Namen gegeben“, fiel dem Windebyer danach wehmütig ein.

Das haben inzwischen die Tierpfleger in Weidefeld übernommen. Paul ist dort vorübergehend in eine mit Decken ausstaffierte Box eingezogen, alle zweieinhalb Stunden füttert ihn Jacqueline Knuth mit Ziegenmilch und Haferflocken. Dass Paul zwischendurch immer noch nach seiner Mutter ruft, kann aber auch die Auszubildende nicht verhindern. Dennoch ist Tierschutzzentrums-Leiterin Dr. Katrin Umlauf mehr als zuversichtlich. „Er hat sich mittlerweile an die Flasche gewöhnt“, sagt Umlauf, „und entwickelt sich gut“. Hätte man ihn allerdings nicht im Gras gefunden, wären Pauls Überlebenschancen verschwindend gering gewesen. Umlauf ist sich sicher: „Dann wäre er verhungert.“

Üblicherweise bleibt ein Kitz etwa ein Dreivierteljahr bei seiner Mutter, auch in Weidefeld wird Paul nun mehrere Monate verbringen. Sobald das Wetter besser ist, darf er auf die Wiese und seinen Magen an Grashalme gewöhnen. Irgendwann wird er in ein Wildgehege nach Kiel umziehen, bis er schließlich wieder in seine ursprüngliche Umgebung zurückkehrt. Katrin Umlauf betont: „Es handelt sich um ein Wildtier. Und unser Ziel ist es, dass er irgendwann auf eigenen Füßen steht.“ Deshalb darf die Nähe zwischen Mensch und Paul auch nicht zu intensiv werden, denn das Kitz soll seinen natürlichen Fluchtinstinkt nicht einbüßen.

Fürs Erste aber darf Jacqueline Knuth noch nicht von dem kleinen Kerl lassen, abends nimmt sie ihn sogar mit nach Hause, füttert ihn das letzte Mal gegen 23 Uhr und das erste Mal wieder um 6 Uhr. „Auf der Niedlichkeitsskala“, sagt sie, „liegt Paul schon ganz weit oben“.

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