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Premiere : Alkohol, eine Affäre und das Ende einer Familie

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Theatergruppe der Plattdüütsch Gill feiert mit „Schaddentieden“ eine erfolgreiche Premiere in der ausverkauften Stadthalle. Es ist ein ernstes Stück mit hohem Anspruch. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen.

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erstellt am 14.Nov.2014 | 06:45 Uhr

„Schaddentieden“ heißt der Vierakter von Inge Bott. Mit diesem anspruchsvollen Stück stellten die Akteure der Theatergruppe der Plattdüütsch Gill Eckernför bei der Premiere nicht nur ihr großes schauspielerisches Talent unter Beweis, sondern zeigten auch, wie tiefsinnig, einfühlend und ausdrucksstark plattdeutsches Theater sein kann. Das Premierenpublikum dankte dem überzeugenden Ensemble am Mittwochabend in der ausverkauften Stadthalle mit stehenden Ovationen. Schon im Vorfeld wurde die Spannung der Theaterbesucher spürbar. Die Theatergruppe ist schließlich bekannt dafür, auch ernsthaftere Themen aufzugreifen. Vielen sind die Erfolge mit „Junkie“ und „Halsbrekengraben“ noch in bester Erinnerung. Heiko Gauert, Vorsitzender der Plattdüütsch Gill, bedankte sich bei den Akteuren für die große Leistung, die sie mit ihrem Theaterangebot in Eckernförde bieten.

Dann ging der Vorhang auf, und das Ensemble schaffte es, die Zuhörer von Beginn an mit in ihre Bühnenwelt zu nehmen. Eine ganz andere Welt. Die Welt, die alles zerstören kann, die Welt des Alkohols, dem Hanna Cassens (Barbara Schmidt) verfallen ist. Die Angst vor ihrem Mann Jochen (Joachim Thomsen), der seine Familie tyrannisiert und auseinander treibt, hat sie körperlich und nervlich an den Rand des Abgrunds gedrängt. Schon ihr erster Satz drückt ihre ganze Verzweiflung aus: „Freden, Freden dat weer fein, dat hier is keen Freden, blot´s Stille.“

Jochen Cassens hat mit seiner Tyrannei Sohn Uwe (Lasse Thomsen) aus dem Haus getrieben, nur Tochter Karen (Kristin Thomsen) versucht ihrer Mutter Halt zu geben. Der Griff zur Flasche bestimmt ihr Leben, Hanna lässt sich gehen, Jochen kann seine Wut und Gefühle nicht richtig ausdrücken. Genau dies wirft Hanna ihm im Streit vor: „Mit dat Swiegen fangt dat an…“. Zu all den Widrigkeiten beginnt Jochen eine Affäre mit Hannas jüngerer, attraktiver und egoistischen Schwester Marion (Ursula Tews). Verzweifelt und mit einem letzten Rest Würde schmeißt Hanna Mann und Schwester aus dem Haus. Dieser Ausbruch ist gleichzeitig der Startschuss für ihren Entzug, den sie mit Hilfe von Nachbarin Frau Gronewald (Connie Thomsen) beginnt. Und wie es so ist im Leben: Jochen Cassens Affäre zerbricht, reumütig möchte er zurück, staunt über Hannas Veränderung und schafft dennoch keinen Neuanfang mit der Familie. Schon in der Pause zeigte sich die Betroffenheit des Publikums, man diskutierte. Antje Warner (73) und Gerlinde Bohm (66): „Die schauspielerische Darstellung des Ensembles ist sehr, sehr gut. Es berührt einen sehr, es sind nicht nur Texte, es ist aus dem Leben gegriffen. Die Situationen, die so authentisch sind, lösen Betroffenheit aus.“ Gerd und Erika Dohm aus Eckernförde sind treue Besucher und kennen das Ensemble seit vielen Jahren: „Wir sind von der Ausdrucksfähigkeit und der hohen Leistung der Spieler begeistert. Einfach toll.“

Bis zum letzten Akt war spürbar, wie sehr sich das Ensemble auf dieses anspruchsvolle Stück vorbereitet hat. Drei Tage zogen die Akteure sich mit ihrem Gastregisseur Stephan Greve in die Bildungsstätte Scheersberg zurückgezogen und die Szenen immer wieder durchgespielt. Joachim Thomsen: „Es ist für uns ein hoher Anspruch, und dem wollen wir gerecht werden. Mit Stephan Greve als Regisseur haben wir großes Glück.“ Alle Darsteller konnten das Publikum beeindrucken, vor allem Barbara Schmidt, die durch ihre Mimik und Gestik die ganze Verzweiflung einer kranken Seele zum Ausdruck brachte und Joachim Thomsen, dem die Rolle des ungnädigen Cholerikers wie auf den Leib geschrieben war. Belohnt hat das Publikum die gelungene Leistung mit tosendem, stehendem Applaus.

>Karten für die Aufführungen am 14. und 16. November sind an der Abendkasse erhältlich. Karten für die Aufführungen am 9.,10. und 11. Januar 2015 gibt es ab dem 20. November im Ticketcenter der Eckernförder Zeitung.



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