Mediziner schlagen Alarm : Ärzte fordern kostenfreie Parkplätze

Der Ärzteverbund am Ochsenkopf spricht sich für kostenfreie Parkplätze in der Innenstadt aus, darunter sind auch (stehend, v.l.): Dr. Norbert Lins und Dr. Kai Harten (Orthopäden), Dr. Frank Schäfer und Dr. Stefan Bogun (Urologen), Stefanie Böhm (Gynäkologin), Harm Piening (Allgemeinmediziner), Manuela Brückner (Apothekerin) und Dr. Michael Flohr (Internist) sowie (sitzend, v.l.) Dr. Hans-Joachim Horns (Orthopäde), Dr. Stefan Fischer (Internist) und Melanie Bielstein (Gynäkologin).
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Der Ärzteverbund am Ochsenkopf spricht sich für kostenfreie Parkplätze in der Innenstadt aus, darunter sind auch (stehend, v.l.): Dr. Norbert Lins und Dr. Kai Harten (Orthopäden), Dr. Frank Schäfer und Dr. Stefan Bogun (Urologen), Stefanie Böhm (Gynäkologin), Harm Piening (Allgemeinmediziner), Manuela Brückner (Apothekerin) und Dr. Michael Flohr (Internist) sowie (sitzend, v.l.) Dr. Hans-Joachim Horns (Orthopäde), Dr. Stefan Fischer (Internist) und Melanie Bielstein (Gynäkologin).

Der Ärzteverbund am Ochsenkopf sieht im Verschwinden von kostenfreien Parkmöglichkeiten eine Gefahr für die Innenstadt.

shz.de von
16. Januar 2018, 06:52 Uhr

Eckernförde | In die Diskussion um die angespannte Parkplatzsituation in Eckernförde haben sich nun auch die Ärzte aus der Innenstadt zu Wort gemeldet. Im Namen von 26 Kollegen hat der Ärzteverbund am Ochsenkopf bei seiner jüngsten Sitzung festgehalten, dass dem Innenstadtbereich keine Parkplätze verloren gehen dürfen. „Schon eine ’verträgliche Reduzierung’ führt sofort zu einer spürbaren Belastung, klar zu sehen nach Schließung des Aldi-Parkdecks“, heißt es in dem Schreiben an unsere Redaktion, unterzeichnet von den 26 Ärzten am Ochsenkopf, darunter Allgemein- und Hautärzte, Orthopäden, Gynäkologen, Urologen und Internisten, Kinderärzte, Augenarzt, Neurologen und Psychiater. „Wir sind uns sicher, dass wir für die gesamte Ärzteschaft des Innenstadtbereiches sprechen“, teilte Dr. Hans-Joachim Horns mit.

Ein Großteil der Patienten sei gehbehindert oder älter und könne längere Gehstrecken nicht bewältigen. „Ein Ausweichen auf Zu-Fuß-Gehen, den Öffentlichen Personennahverkehr oder das Fahrrad ist in vielen Fällen nicht möglich.“

Die Mediziner sind sich sicher: „Die Patienten und deren Begleitung bringen ihre Kaufkraft in Eckernfördes Innenstadt.“ Und diese Größenordnung falle durchaus ins Gewicht. Sie gehen von 60 Ärzten in der Innenstadt aus, die pro Person rund 50 Patienten pro Tag behandeln. „Das sind etwa 3000 Arztbesuche pro Tag in der Innenstadt. Und da meist ein Angehöriger dabei ist, besuchen somit allein 6000 Menschen täglich Eckernförde wegen Arztbesuchen.“ Hinzu kämen die Besucher von verwandten Berufen wie Krankengymnasten, Homöopathen, Chiropraktoren, Faszientherapeuten und anderen.

Der Ärzteverbund weist darauf hin, dass es in Eckernförde bereits Praxen gibt, die sich im Randbereich, zum Beispiel bei Famila oder auf Carlshöhe, niedergelassen haben. Dort gebe es immer freie Parkplätze vor der Tür. Und er warnt: „Die Gefahr ist groß, dass sich Eckernförde so entwickelt wie Kiel, Rendsburg und Schleswig, wo die Innenstädte am Sterben sind.“

Bislang würden alle Stadtentwicklungsmodelle in der Bilanz zu einer Reduzierung von Parkraum führen. Für die Ärzte sei es nicht nachzuvollziehen, dass von der Stadt keine Flächen zurückbehalten werden können, die allein der Schaffung von Parkraum dienen.

Der aus Kiel stammende Orthopäde Dr. Hans-Joachim Horns hat den Verfall der Kieler Innenstadt hautnah miterlebt. Er resultiere aus einer Spirale aus Parkplatzmangel und dem Verlust vieler Fachgeschäfte bei gleichzeitiger Etablierung neuer Shoppingcenter im Rand- und Außenbereich wie den Citti-Markt. Erst jetzt werde zaghaft versucht, die Innenstadt wieder zu beleben und attraktiver zu machen. Ein solches Schicksal könne Eckernförde erspart bleiben, wenn die richtigen Weichen gestellt würden.

Apothekerin Manuela Brückner von der Nicolai-Apotheke bestätigt den Rückgang der Kundenfrequenz seit der Schließung des Aldi-Parkdecks: „Viele Patienten stehen nun mit ihren Autos auf kostenpflichtigen Parkplätzen und fahren nach dem Arztbesuch schnell wieder weg, damit es nicht zu teuer wird“, hat sie beobachtet. „Die Zeit, um noch durch die Geschäfte zu schlendern, nehmen sie sich nicht mehr.“

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