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Eckernförder Zeitung

13. Dezember 2017 | 16:42 Uhr

Ärger um Kurtaxenpflicht für Segler

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ratsbeschluss fordert ab diesem Jahr auch von Gastseglern die Abgabe einer Kurtaxe / Hafenbetreiber sehen Tourismus in Gefahr

von
erstellt am 06.Feb.2015 | 11:32 Uhr

Ein Ratsbeschluss erhitzt die Gemüter. In der vergangenen Woche beschloss die Ratsversammlung die Erhebung von Kurabgaben im Eckernförder Hafen. Zu der üblichen Hafengebühr, die sich nach der Bootsgröße bemisst, kommen auf die Gastsegler nun zusätzlich zwei Euro Kurtaxe pro Person (ab 18 Jahren) und Nacht zu.

Die Entrichtung der Kurtaxe ist für den normalen Urlauber nichts Ungewöhnliches. Sie dient vor allem der Finanzierung der Tourismusinfrastruktur durch die Kommune – also der Pflege der Strände, Promenaden und Kurparks. Bisher waren die Gastsegler in Eckernförde von der Abgabepflicht der Kurtaxe befreit. Das ändert sich in diesem Sommer und sorgt bei den drei Bootshafenbetreibern für Unmut.

Thomas Nielsen (57) von Yachtsport Eckernförde ist verärgert über die Erweiterung der Kurtaxenpflicht, nicht zuletzt weil er über die Gesetzesnovelle nicht in Kenntnis gesetzt wurde, sondern durch die Zeitung davon erfahren habe. „Das ist ein immenser Image-Verlust für Eckernförde. Mindestens die Hälfte der Gastlieger wird, vielleicht noch nicht im ersten, aber im zweiten Jahr, wegbrechen.“ Dass nun auch Segler zur Kasse gebeten werden sollen, versteht der Betreiber von 41 Bootsliegeplätzen nicht: „Auch wenn Segler häufig finanziell unbelasteter sein mögen, werden sie nicht verstehen, wofür sie jetzt auch noch Kurtaxe zahlen müssen.“ Denn die meisten Segler kämen abends aus Kiel, Damp oder von der Schlei und führen am nächsten Morgen weiter, ohne den Strand oder die Promenade betreten zu haben. „Das Argument für den Ratsbeschluss ist die Gleichbehandlung von Gästen in Eckernförde. Aber ein Gast ist das Eine, ein Übernachtungsgast das Andere“, erklärt der Bootshafenbetreiber. Darüber hinaus wisse der 57-Jährige noch nicht, wie er die Kurtaxe abrechnen soll. Er habe noch keine Information erhalten, ob er für jeden Gastlieger „bei Wind und Wetter“ einen Meldeschein ausfüllen, er Hafengebühr und Kurtaxe separat abrechnen müsse und was er tun soll, wenn sich der Segler weigert zu zahlen. „Die Liegeplatzgebühr betrifft mich selbst, da kann ich von meinem Hausrecht Gebrauch machen und ihn des Hafens verweisen. Aber wenn ich Geld für andere eintreiben soll?“

Heinz Paasch (66) ist erster Vorsitzender des Segelclubs Eckernförde und hat ähnliche Bedenken: „Wir erwarten in dieser Saison einen starken Rückgang in den Liegerzahlen.“ Insbesondere die kurtaxenfreien Häfen Damp und Strande in direkter Nachbarschaft seien nun eine starke Konkurrenz für Eckernförde. Erschwerend komme hinzu, dass der Eckernförder Segelclub mit seinen 320 Liegeplätzen ein gemeinnütziger Verein sei, und „alles, was erwirtschaftet wird“, so Heinz Paasch, „fließt in die Gemeinnützigkeit zurück, wie zum Beispiel in die Jugendarbeit. Was wird dann daraus?“

Günther Stephan (74) ist Hafenmeister im Jaich-Hafen mit 137 Liegeplätzen. Ihn habe der Ratsbeschluss besonders überrascht, auch wenn er Verständnis dafür habe, dass die Kommune Geld brauche. „Trotzdem hätte man an der Basis, bei uns Bootshafenbetreibern, nachfragen müssen, bevor man so etwas entscheidet.“ Ein Problem sieht der 74-Jährige nun in der Lage des Ostseebads. So könnte sich ein Skipper jetzt womöglich gegen Eckernförde als Zielhafen entscheiden, wenn andere Häfen leichter zu erreichen seien, die keine Kurtaxe verlangten. „Es ist anspruchsvoller, die zehn Seemeilen nach Eckernförde reinzufahren, gerade wenn der Wind aus westlicher Richtung weht, als einfach an der Küste weiter nach Damp zu segeln“, ist der Hafenmeister überzeugt. Außerdem fürchtet Günther Stephan die Konfrontation mit den Gästen. „Wir finden die Abgabe nicht sinnvoll. Aber wir müssen die Verärgerung der Gäste mit guten Argumenten aus dem Weg räumen.“ Trotzdem wolle er das Gespräch mit der Kurverwaltung abwarten.

Stefan Borgmann, Leiter der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH, äußert Verständnis für die Sorgen der Hafenbetreiber und versucht die Wogen zu glätten: „Natürlich ist das alles neu und ungewohnt. Aber dass die Stimmung so hochkocht, ist völlig unnötig.“ So bestehe die Abgabepflicht schon immer für alle Übernachtungsgäste, nur waren die Segler in Eckernförde bisher davon ausgenommen. In anderen Häfen sei die Kurtaxe für Gastsegler längst gang und gäbe. Außerdem, ist sich Borgmann sicher, ließen sich eingefleischte Segler und Eckernförde-Fans nicht von „lächerlichen zwei Euro davon abbringen, hierher zu kommen.“ Zwar erhebe Damp keine Kurtaxe, dafür sei die Liegegebühr deutlich höher als im Eckernförder Hafen. Außerdem betreffe die Abgabepflicht ohnehin nur Gäste ab 18 Jahren, Kinder seien also ausgenommen. Und mit der Entrichtung der Kurtaxe erhalte der Segler zuzüglich die Ostseecard, mit der er zahlreiche Angebote der Region vergünstigt wahrnehmen könne. „Die Ostseecard ist ein echter Mehrwert. Nur kennen die Hafenbetreiber sie noch nicht.“

Stefan Borgmann will sich in der kommenden Woche mit Thomas Nielsen, Heinz Paasch und Günther Stephan zusammensetzen und ihnen die Sorgen nehmen. „Die Ängste sind völlig unbegründet, aber menschlich, weil die Herren bisher zu wenig informiert wurden. Das werden wir ändern“, kündigt Borgmann an.



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