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Windpark Saxtorf : „Absolut nicht Stand der Technik“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

100 Meter hohe Windmühlen seien nicht zeitgemäß und 1000 Meter Abstand zu Häusern nicht machbar, sagt Hans-Jörg Markau von der Plan 8 GmbH.

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erstellt am 09.Okt.2014 | 12:39 Uhr

Mit einem Bürgerbegehren wollen drei Riesebyer frischen Wind in die Diskussion um den Windpark Saxtorf bringen (wir berichteten). Sie fordern, dass die Anlagen nur 100 Meter hoch werden und 1000 Meter von Wohnhäusern entfernt stehen. Über dieses Anliegen wollen sie in einem Bürgerentscheid abstimmen lassen, welcher zustande kommt, wenn sich 219 Einwohner mit ihren Unterschriften für die Volksabstimmung einsetzen. Zu dieser Entwicklung äußert sich der Projektleiter vom Vorhabenträger Plan 8 GmbH, Diplom-Geograf Dr. Hans-Jörg Markau.

Herr Markau, mit der Plan 8 GmbH betreuen Sie von Eckernförde aus Windenergieprojekte in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Kommt es da häufiger zu Bürgerbegehren?

Nein, das ist für uns neu. Natürlich bildet sich schon einmal Widerstand, aber ein Bürgerbegehren haben wir noch nicht gehabt.

War das in Rieseby absehbar?

Dort hatten wir ganz lange ein sehr konfliktfreies Projekt. Die Situation hat sich nun ein bisschen geändert, aber der angestrebte Bürgerentscheid ist ein demokratisches Grundmittel, da stehen wir völlig dahinter.

Sie begrüßen also das Engagement der Einwohner?

Wir nehmen das wirklich ernst, was die Bürger machen, das prallt nicht einfach an uns ab. Natürlich ist es für uns ungünstig, dass das Projekt unter Umständen verzögert wird, aber uns als Projektentwickler interessiert auch, wie der geplante Windpark bei den Bürgern der Gemeinde wahrgenommen wird. Grundsätzlich stehen wir dem positiv gegenüber.

Mit welchem Ergebnis rechnen Sie, falls es zu einem Bürgerentscheid kommt?

Bei den Einwohnerversammlungen und in Gesprächen haben wir viel Positives zum Windpark Saxtorf gehört. Ich glaube, viele Riesebyer stehen dem Ganzen auch neutral gegenüber. Deshalb ist es kein Zweckoptimismus, wenn ich davon ausgehe, dass die Mehrheit der Bürger sich gegen das vorgetragene Anliegen aussprechen wird. Aber vorher muss geklärt werden, welche Frage zur Abstimmung gegeben wird. Ich bin überzeugt, dass über die Forderungen – so wie sie jetzt aufgestellt wurden – nicht im Bürgerentscheid abgestimmt werden kann.

Was spricht dagegen?

Inhaltlich ist das sehr fraglich und auch ein wenig paradox. Bei einem Abstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung bliebe nämlich so gut wie nichts mehr vom Windeignungsgebiet übrig – lediglich eine Fläche von einem Hektar Größe und diese Fläche liegt komplett unter einer Freileitung. Das heißt: Dort ließe sich keine Windkraftanlage mehr bauen – auch keine 100 Meter hohe. Grundsätzlich darf das Windeignungsgebiet über die Bauleitplanung zwar im Detail feingesteuert werden, aber eine Verhinderung ist rechtlich unzulässig.

So viel zum Abstand, aber lässt sich die Höhe der Anlagen noch verringern?

100 Meter hohe Anlagen sind absolut nicht mehr der Stand der Technik und brächten nur einen Bruchteil des Ertrages. Dabei war die maximale Ausnutzung der Fläche bisher immer politisch gewollt: Die Landesregierung Schleswig-Holsteins hat in ihren Planungsgrundlagen für die Regionalpläne deutlich darauf hingewiesen, dass Windenergieanlagen mit einer Höhe von mindestens 150 Metern gewollt sind, um die energiepolitischen Ziele zu erreichen. Auch die Gemeinde Rieseby hat sich in der Vergangenheit immer wieder für die gegenwärtig diskutierte Planung mit sechs Anlagen und einer Gesamthöhe von 200 Metern ausgesprochen. Außerdem wissen wir von der Westküste, dass sich die Leute häufig mehr an vielen kleinen Anlagen stören.

Sehen Sie eine andere Möglichkeit, den Bürgern entgegenzukommen?

Ein Kompromiss ist für uns leider nur sehr schwer vorstellbar, da die gesamte Planung unter anderem mit dem vorgesehenen Anlagentypen nur mit 200 Metern Gesamthöhe möglich ist. Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken, bieten wir den Bürgern eine finanzielle Beteiligung an den Windmühlen an. Außerdem möchten wir während des Betriebs der Anlagen gemeinnützige Einrichtungen in der Gemeinde unterstützen.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich kann nur unterschreiben, was Bürgermeister Jens Kolls bereits sagte: Wir werden in Ruhe weitermachen und sehen, was bei dem Bürgerbegehren und dem vielleicht folgenden Bürgerentscheid herauskommt.

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