Plattdeutsch : Abend mit Geschichten und Liedern aus dem Leben

Für beste Unterhaltung op Platt sorgte Donnerstagabend Jan Graf im Gartensaal des Herrenhauses auf Gut Knoop.
1 von 2
Für beste Unterhaltung op Platt sorgte Donnerstagabend Jan Graf im Gartensaal des Herrenhauses auf Gut Knoop.

Jan Graf zu Gast in der Reihe „Platt op Gut Knoop“ / „Allens nich so eenfach, wenn een dat duppelt nimmt“

shz.de von
25. März 2017, 06:48 Uhr

Altenholz | Geschichten, Poesie und Lieder zum Schmunzeln, Lachen und Nachdenken: Beste Unterhaltung bot Jan Graf am Donnerstag in der Reihe „Platt op Gut Knoop“ mit seinem Programm „Allens nich so eenfach, wenn een dat duppelt nimmt“ im Gartensaal des Herrenhauses vom Gut Knoop.

150 Gäste warteten gespannt, als plötzlich das Licht ausfiel. Doch Gastgeber Karl-Heinz Langer überbrückte das Malheur gekonnt, erzählte im Stockdunklen einen Schwank aus seiner Jugend. Seine Frau Sonja schaffte Kerzen herbei und nach einer Viertelstunde war das Licht wieder da. Dann kam Jan Graf in Jeans, mit Hemd und Sakko. Da der NDR die Veranstaltung aufzeichnete, hatte er noch eine Anweisung an das Publikum, hielt einen Zettel hoch. „Lachen, Klatschen, Blöken“ stand da drauf. Den würde er hochhalten, falls eine Pointe nicht verstanden würde. Die Probe funktionierte.

Jan Graf, 43, aufgewachsen auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide, mit Germanistik-Studium in Göttingen und Kiel, ist regelmäßig in der Sendereihe „Hör mal beten to“ bei NDR 1 Welle Nord zu hören. Er strengte sich richtig an, erzählte mit großen Gesten, las, sang, spielte Gitarre und Akkordeon und servierte eine gelunge Mischung aus leichter und mittelschwerer Kost.

Er verriet, wie schwer es ist, zu Hause den Haushalt zu schmeißen, während seine Frau mit ihrem jüngsten Sohn in der Mutter-Kind-Kur Muscheln anmalte und in der Selbsterfahrungsgruppe tief ins Knie atmete. Er erzählte von seiner psychischen Blockade gegen Hausarbeit, die sich in einer Aversion gegen Spannbettlaken äußere. „Haben Sie schon mal versucht, so ein Tuch zusammenzulegen“, fragte er. „Das geht gar nicht, es hat keine Ecken. Ich hab’s versucht, echt.“ Auch die Zukunft der Fortpflanzung war Thema. „Die Leute heute wollen lieber erst mal Karriere machen anstatt Kinder zu bekommen“, sagte er. Die Lösung sei Social Freezing. Dabei werden Eizellen vorsorglich bei minus 196 Grad Celsius eingefroren, damit Frauen nach der Karriere mit 60 noch Kinder bekommen könnten. Arbeitgeber in den USA bezahlten das. Die Spermien könnten dann von Justin Biber oder Yogi Löw kommen, witzelte er. „Die sind hübsch.“ Oder von Wladimir Putin. „Der ist durchsetzungsstark.“

Wortspielen sehr zugetan erheiterte Graf auch mit Schüttelreimen, wie „Muscheln schummeln“ oder „Den harten Hocker von Dodenhof finden meine Hoden doof.“ Mit Niveau auch unter der Gürtellinie zu unterhalten, das muss man erstmal schaffen. Plattdeutsch ist eine wunderbare Sprache mit poetischen Kräften. Zum Abschluss bezauberte Graf noch mit dem wohl bekanntesten plattdeutschen Volkslied „Dat du mien leevsten büst“. Das Publikum wollte ihn nach über zwei Stunden noch nicht gehen lassen. Minutenlanger Applaus. Die Leute waren begeistert. So wie Rita und Erwin Scheel aus Gettorf. Sie kennen Graf, haben ihn schon öfter gehört. „Wir freuen wir uns immer, wenn er herkommt“, verriet Erwin Scheel. „Auf Gut Knoop ist es immer etwas ganz Besonderes wegen der Atmosphäre.“ Mit seiner Musik sei er sehr vielseitig. Und in vielem, was er erzählt, finde man sich wieder, fügte seine Frau hinzu. „Auch die Art, wie er es rüberbringt.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen