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Platt im Netz : Ab 1. Juli wird Eckernfördes Homepage zweisprachig

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Karl-Heinz Groth hat die Inhalte der städtischen Internetseite ehrenamtlich ins Plattdeutsche übersetzt. Am 1. Juli wird es die Homepage auch auf Plattdeutsch geben.

von
erstellt am 28.Jun.2016 | 05:30 Uhr

Die plattdeutsche Sprache ist Teil der Eckernförder Kultur. Und zwar gelebte Kultur, wie die Gildeempfänge, die Veranstaltungen der Plattdüütsch Gill, der Theatergruppe, die Stadtführungen oder die alle zwei Jahre stattfindenden Plattdeutschen Kulturtage zeigen. Aber auch auf dem Wochenmarkt oder in der Nicolai-Straße darf man sich hin und wieder über plattdeutsche Alltagsgespräche freuen. Die Stadt hat die nicht unwesentliche Bedeutung der Regionalsprache erkannt und hat Teile des städtischen Internetauftritts ins Plattdeutsche übersetzen lassen. Eine Handvoll in Frage kommender Übersetzer wurde angeschrieben, Karl-Heinz Groth, Ehrenvorsitzender des Plattdüütsch Gill und bekannter Autor auch plattdeutscher Bücher und Geschichten, hat den Zuschlag erhalten. Da die Stadt die von ihm ins Leben gerufenen Plattdeutschen Kulturtage finanziell und ideell fördert, hat Groth auf ein Honorar verzichten und ehrenamtlich gearbeitet. Unterm Strich waren das 120 Stunden, weitere 60 Stunden hat seine Frau Sigrid für das Schreiben, Korrigieren und die inhaltliche Mitarbeit aufgebracht.

„Op Platt“ heißt der Button, den Gitta Weide, die städtische Projektleiterin für die plattdeutsche Homepageübersetzung, mit der Freischaltung am Freitag, 1. Juli, auf die städtische Internetseite www. eckernfoerde.de gesetzt hat. Ein Klick, und schon landet man auf der plattdeutschen Version der Verwaltungstexte – insgesamt rund 50 Stück vom Grußwort des Bürgermeisters über die Stadtgeschichte, das Stadtleitbild, den Marinestandort, die Stadtplanung, die politischen Gremien, die Verwaltungsaufgaben, die Elisabeth-Eifert-Stiftung, das Bildungsangebot, das lokale Bündnis für Familien bis hin zum Naturschutz. Ein breites Spektrum mit teilweise verzwickten Formulierungen, die Groth ins Plattdeutsche übersetzen musste. „Politik speelt sik nich blots in Bund un Länners af, nä, nä, veel mehr dor, wo de enkelte Börger hööchstpersönlich anspraken warrt: in den Gemenen“, so heißt das bei Groth zum Punkt 2.2. „Politik“. Weiteres Beispiel, Thema Marine: „Eckernföör is siet Johr un Dag Garnisonsstandoort. En Drüddel vun de Inwahners höört to de so nöömt Bunndesfamilien. De Wehrtechnische Deenststell 71 hett der Opgaav, ünner Water de verschedenen Techniken vun Wapen to ünnersöken.“ Plattdeutsch bekommt auf der Homepage zwischen Bildung und Kultur eine eigene Rubrik mit fünf Unterthemen.

Auch wenn Karl-Heinz Groth nichts „dazu dichten“ durfte, war bei der Übersetzung bürokratischer Begrifflichkeiten neben seiner plattdeutschen Professionalität auch seine Kreativität gefragt. Mit einer 1:1-Übersetzung kommt man bei dieser speziellen Art der Übersetzung nicht weiter, meint Groth, der zugibt, „an die Grenzen der plattdeutschen Sprachkraft gekommen“ zu sein. Galt es doch, die Schönheit und „metaphorische Kraft der plattdeutschen Sprache“ zur Geltung zu bringen.

Groth hat sich zunächst alle Texte durchgelesen, die Inhalte verinnerlicht, sich Notizen gemacht, Begrifflichkeiten herausgesucht, die es umzuformulieren galt und sich dann an die Übersetzungsarbeit gemacht. Mehrfach hat er sie überarbeitet und mit Unterstützung seiner Frau korrigiert. Das größte Kapitel war das über den Naturschutz. Fachtermini wie Biodiversität adäquat ins Plattdeutsche zu übersetzen, war eine besondere Herausforderung. Biodiversität heißt bei Groth „biologische Veelfolt“. Besonders gefallen hat ihm das Noorquiz von Michael Packschies, das er ebenfalls ins Plattdeutsche übersetzt hat – 23 Fragen zu Flora und Fauna rund ums Noor.

„Es hat Spaß gemacht“, sagt Karl-Heinz Groth, der sich auf Rückmeldungen und Anregungen freut und gerne bereit ist, auch künftig für plattdeutsche Übersetzungen zu sorgen. Er lobt die Stadt für diesen einzigartigen Service, den seines Wissens nach keine andere Stadt in Schleswig-Holstein ihren Bürgern bietet.

Und Gitta Weide zieht den Hut vor der Übersetzungsleistung Groths: „Es macht Spaß, es zu lesen.“

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