Segeln : Aalregatta: 127 Teilnehmer bedeuten Melderekord

Einsam rauscht die „IMMAC All4One“ unter Spinnaker mit großem  Vorsprung dem Ziel entgegen.
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Einsam rauscht die „IMMAC All4One“ unter Spinnaker mit großem Vorsprung dem Ziel entgegen.

Die Strecke von Kiel nach Eckernförde hatte für einige Segler so ihre Tücken. Es gab Fehlstarts, ignorierte Sperrgebiete und die „Bajazzo“ lief sogar vor Laboe auf Grund. In Eckernförde mussten die Zuschauer lange auf das erste Boot warten.

shz.de von
10. Juni 2014, 06:00 Uhr

Für mehr als 120 Yachten stand die Aalregatta auch in diesem Jahr wieder fest im Terminkalender. Auch wenn nur wenig Wind aus den Vorhersagen des Wetterdienstes zu erwarten war, die angekündigte Sonne sorgte wohl dafür, dass sogar noch am Sonnabendmorgen die allerletzte Teilnehmermeldung zum Melderekord führte.

Dass es ein langer Segeltag von Kiel nach Eckernförde werden würde, ahnten die Teilnehmer in den fünf Startgruppen der zwölf Wertungsklassen vor dem Düsternbrook zu Beginn noch nicht, als Wettfahrtleiter Thorsten Kuchel vom Schilkseer Yachtclub diese im 10 Minutentakt auf die Bahn entließ. Guter Wind aus Nordost mit Stärke drei gab einen Kreuzkurs vor, der das Teilnehmerfeld schnell auf die ganze Fördebreite auseinanderzog und bei einigen kleineren Berufsschiffen trotz heftiger Typhonsignale Verzweiflung aufkommen ließ. Üblicherweise gingen als erste um 10 Uhr die kleineren und langsameren Boote über die Linie, als letzte folgten ORC-Club und -International um 10.40 Uhr.

Schnell stellte sich heraus, dass die südlichere Seite vom Wind etwas bevorzugt war. So reizte Sven Zoller mit seiner „Bajazzo“ bis zuletzt, was dann zum Auflaufen bei Laboe führte, von dem sich die Yacht aus eigener Kraft unter Segel nicht mehr befreien konnte und aufgeben musste. Ignoriert wurden durch etliche Teilnehmer auch die Sperrgebiete vor Jägersberg und südlich vom Leuchtturm Friedrichsort. „Da wird deutlich, dass viele Teilnehmer doch recht unerfahren sind“, resümiert Jury-Experte Klaus Laschinsky. Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß er, dass nicht nur Cracks, sondern auch viele Familiensegler teilnehmen. Waren die Windverhältnisse auf der Kieler Förde noch gut, ließ der Wind südlich vom Kieler Leuchtturm erheblich nach und veranlasste die Wettfahrtleitung beim eingerichteten Gate auf dem Eckenförder Mittelgrund die Startgruppen eins bis drei vorzeitig zu zeiten, während Gruppe vier und fünf bis ins eigentliche Ziel durchhalten mussten. Lang wurde nicht nur die Besatzung, sondern auch die zahlreichen Zuschauer an Land auf die Folter gespannt, als gut 1,5 Stunden später als erwartet die „IMMAC All4One“ aus der letzten Startgruppe mit Skipper Kai Mares unter Spinnaker durch das Ziel ging. Erst 26:25 Minuten später folgte als Zweiter die „El Pocko“, gesteuert von Niels Heyde. Am längsten war die „Jolu“ von Hans Zickermann unterwegs, die nach 8:05 Stunden um 18:05 ohne Spinnaker durch das Ziel ging. Dafür erhielt er den Sonderpreis in Form einer EPIRP-Seenotboje, Stiftungspreis von Organisator Cord Brandt.

Zufrieden zeigte sich Wettfahrtleiter Kuchel bei der um 21.45 Uhr folgenden Siegerehrung, allerdings nicht ohne ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln: Gennakernutzung ohne Anmeldung wurde bei den Team8-Booten mit zwei Strafpunkten belegt. Auch dass die Bahn erst nach Intervention durch die Jury eingehalten wurde, konnte er nicht verstehen: Mit den Worten: „Inzwischen segeln wir sogar nach Bildern“, verwies er auf die klare Segelanweisung.

Beste Segelbedingungen erwarteten die Teilnehmer am Folgetag, für die zwei “up & down“-Wettfahrten angesagt waren. Windstärken zwischen vier und fünf aus Nordost, dazu eine kurze Welle, sorgte zu Beginn für spannende Starts in den drei Gruppen. Irritationen gab es in der ersten Startgruppe, in der einige die angezeigte Nummer am Startschiff der längeren Bahn der nachfolgenden Gruppe als die eigene interpretierten und unnötige Strecke fuhren. „Das war eigenes Verschulden“, stellt Kuchel klar, der betont, dass der Nummernwechsel exakt gemäß Segelanweißung erfolgte. Nachdem der Wind die Startschiffseite bevorzugte, drängelten sich 19 ORC-Teilnehmer, teilweise nur mit wenigen Zentimetern Seitenabstand über die Startlinie, was zu Fehlstarts führte. Hier griff Wettfahrtleiter Kuchel zur bewährten „Black Flag“, die jeden Frühstart eines Teilnehmers sofort disqualifiziert. Jurymitglied Laschinsky erklärt: „Gerade in dieser Klasse wurde in allen Wettfahrten durch die Cracks sehr heiß gefahren, da demnächst sowohl die deutsche Meisterschaft der ORC Int. im Rahmen der Kieler Woche, als auch im August die Weltmeisterschaft ins Haus steht.“

Am Ende der beiden Wettfahrttage zeigte sich Kuchel mit seinem Team sehr zufrieden: „Es wurde fair gesegelt, kleine Fehler waren dabei zu verschmerzen.“ Dies konnte Organisator Cord Brandt nur bestätigen, der mit neuen Ideen aber auch mit Altbewährtem bei allen Teilnehmern für Zufriedenheit sorgte.

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