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Eckernförder Zeitung

18. November 2017 | 22:18 Uhr

LaLeLu : A-capella-Comedy vom Feinsten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gruppe LaLeLu hat in der Stadthalle das Programm „Die dünnen Jahre sind vorbei“ präsentiert. 400 Zuschauer waren von Gesang und Satire begeistert.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 05:50 Uhr

Ein Franzbrötchenteig ist ja so erotisch! Wer bislang geglaubt hat, dass das Backen eines Franzbrötchens eine einfache lapidare Backstubenangelegenheit ist, der wurde am Sonnabend von LaLeLu in der Stadthalle eines Besseren belehrt. Der Teig steckt voller Erotik, die er seinem Bäckerboy auch gerne zeigen und mitteilen will. Nach der Melodie von „Fever“ räkelt sich Sängerin Sanna Nymann auf der Bühne auf dem Stuhl, lasziv, sexy und haucht ins Mikrofon „Knet mich, roll mich aus, bis ich nicht mehr kann, bring mich zum Schwitzen.“ „Franzbrötchen“ heißt der Titel, den sie und ihre Jungs Tobias Hanf, Jan Melzer und Frank Valet a cappella zu Gehör bringen. Am Ende verbrennt das Franzbrötchen. Seine Aufforderung an den Bäckerboy: „Ruf die Feuerwehr!“

Unter dem Titel „Die dünnen Jahre sind vorbei“ präsentierte die A-cappella-Band LaLeLu am Sonnabend ein zweistündiges Comedy-Programm, das die 400 Zuschauer in der Stadthalle mehr als begeisterte. Lachsalven quer durch das vom Alter her bunte gemischte Publikum, tosender Applaus und Pfiffe waren der Hamburger Band sicher.

LaLelu kommt in die Mitlifekrise – jedenfalls was den männlichen Part angeht. Selbstironisch stehen die drei Sänger zu ihrem schütter werdenden Haar und zu ihrem Bauchansatz. „Denn mit 40 ist so’n Moment, da sagst du Stopp! Und wirft der Arsch auch Falten, wir bleiben doch die Alten.“

Das Pulikum lernt an diesem Abend, dass es drei Arten von männlicher Figur gibt: den Spargeltyp à la Karl Lagerfeld, den Wursttyp à la Rainer Calmund den Hefekuchentyp à la Herbert Grönemeyer – es geht ums Essen. Herrlich anzuhören ist der Liedzyklus „Herbert XXL“. Nach den Melodien von Herbert Grönemeyers größten Songs singt Jan Melzer unverkennbar in Grönemeyers Art „Dicke an die Macht“, „Wann ist ein Dickmann dick“ oder „Ich hab den Saum mit Kilos geflutet. Hab jede Diät ins Gegenteil verkehrt.“ Der Spezialtext stammt von Sören Sieg. Gemeinsam mit LaLeLu ist er seit Jahren für die Vokalarrangements zuständig.

Aber LaLeLu ist nicht nur witzig und spritzig und voller Selbstironie – die vier können auch singen! Mystisch im Stil gregorianischer Gesänge präsentieren sie als Zombies auf dunkler Bühne den Beipackzettel des Medikaments Voodoosan. Man schluckt unwillkürlich, als am Ende der Tod des den Beipackzettel Lesenden angekündigt wird – ein makabres Hoch auf die Pharmaindustrie. Die Sänger benutzen nicht nur ihre vielseitigen Stimmen als Instrumente. Bei „Moon over Bourbon street“ von Sting greift Jan Melzer zum Sopran-Saxofon und bekommt viel Szenenapplaus.

Das gilt erst recht, als die Finnin Sanna die elektronische Geige spielt und ihre Jungs damit in Schach hält. Verschiedene Weltmelodien präsentiert sie in dem Zyklus „Ocean of Emotion“ als Dana, die Schwester von David Garrett. Sie steht dem Teufelsgeiger in nichts nach. Die hohe Kunst der Musik, gepaart mit so viel Satire – das macht einfach Spaß.

Zum Träumen lädt ihre Zugabe ohne Mikrofon „Isländisch Moos“ ein – man meint die isländische Erde unter seinen nackten Füßen zu spüren. Was für ein klarer perlender Gesang. Sanna Nymann besticht durch eine wunderbar klare Stimme. A capella vom Feinsten! Eine Zuschauerin ruft spontan: „Super!“ und spricht damit allen aus der Seele. Nicht nur das Publikum geht nach zwei Stunden äußerst beschwingt nach Hause, auch die Band selbst: „Es war ein sehr geiler Abend mit so einem geilen Publikum“, bedankt sich der Älteste, Jan Melzer und lädt alle zum Weihnachtsprogramm am 1. Dezember in der Stadthalle ein.

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