NAKO-Gesundheitsstudie : 9500 Freiwillige aus der Region stellen sich in den Dienst der Gesundheit und Forschung

23-7984172_23-54804914_1377792478.JPG von 08. Juli 2021, 18:21 Uhr

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Prof. Dr. Wolfgang Lieb, Direktor des Instituts für Epidemiologie der Uni Kiel, und die Leiterin des Nako-Studienzentrums Kiel, Dr. Sabina Waniek, erhoffen sich von den wissenschaftlichen Ergebnissen der NAKO-Gesundheitsstudie wertvolle Hinweise für präventive Maßnahmen und noch wirksamere Behandlungsmethoden.
Prof. Dr. Wolfgang Lieb, Direktor des Instituts für Epidemiologie der Uni Kiel, und die Leiterin des Nako-Studienzentrums Kiel, Dr. Sabina Waniek, erhoffen sich von den wissenschaftlichen Ergebnissen der NAKO-Gesundheitsstudie wertvolle Hinweise für präventive Maßnahmen und noch wirksamere Behandlungsmethoden.

Im Studienzentrum Kiel werden seit 2014 Untersuchungen und Tests durchgeführt, um Volkskrankheiten wie Herzinfarkt, Krebs oder Diabetes besser bekämpfen und behandeln zu können. Folgeuntersuchungen nach fünf Jahren.

Kiel / Eckernförde | 5. Stock in einem der Gebäude der Kieler Uni-Klinik im Schwanenweg. Hinter den grauen Mauern des Instituts für Epidemiologie wird medizinische Grundlagenforschung betrieben. Dort befindet sich das Studienzentrum Kiel der „NAKO-Gesundheitsstudie. Unter der Leitung von Direktor Professor Dr. Wolfgang Lieb und Zentrumsleiterin Dr. Sabina Waniek wird dort die Gesundheit der Deutschen erforscht, jedenfalls eines kleinen Teils der Bevölkerung im Großraum Kiel, die freiwillig an dem Großprojekt teilnehmen und sich in den Dienst der guten Sache stellen. 9500 Bewohner aus Kiel und etwa 20 Orten im Einzugsbereich der Landeshauptstadt wie beispielsweise Eckernförde sind bei der größten deutschen Langzeit-Bevölkerungsstudie dabei, die auf 20 bis 30 Jahre angelegt ist. 9500 Teilnehmer am Studienzentrum Kiel In 18 Studienzentren zwischen Augsburg und Kiel, Düsseldorf und Berlin sind 205.000 Probanden im Alter von 20 bis 69 Jahren nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden und im Zeitraum von 2014 bis 2018 zu einer Basisuntersuchung eingeladen, eingehend untersucht und befragt worden. Dabei durchlaufen sie in allen beteiligten Zentren ein standardisiertes Untersuchungsprogramm. Die medizinischen Daten, Werte und Bioproben werden gesammelt, ausgewertet und mit der individuellen Lebensweise jedes einzelnen Teilnehmers abgeglichen, um daraus ein möglichst umfassendes Bild über den Einfluss von Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen auf das Wohlbefinden und den Gesundheitszustand abzuleiten. Derzeit laufen die Folgeuntersuchungen, eine dritte Phase ist geplant Nach fünf Jahren werden die Probanden zu einem Folgetermin eingeladen. Zwischendurch erfolgen weitere Befragungen zur Lebensweise, Ernährung und körperlichen Betätigung. Derzeit laufen in einer zweiten Phase von 2018 bis 2023 die Folgeuntersuchungen, eine dritte Phase ist bereits geplant. Covid-Sondernachbefragung: Welche Langzeitfolgen hat Covid 19? Aktuell eingeschoben wurde 2020 eine Covid-Nachbefragung aller 205.000 Probanden. Knapp 160.000 haben sich daran beteiligt – ein überragender Wert. Der erste Schub der bis Ende Mai eingetroffenen 114.000 Rückantworten ist ausgewertet. Demnach hätten depressive und Angstsymptome bei Teilnehmern unter 60 Jahren, insbesondere bei jungen Frauen, zugenommen. Ebenso zugenommen hätte selbst empfundener Stress in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern, vor allem aber in der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen und bei Älteren. Festzustellen sei aber auch gewesen, dass 32 Prozent der Studienteilnehmer ihre Gesundheit zu Zeiten des ersten Lockdowns besser eingeschätzt hätten als bei der Erstbefragung fünf Jahre zuvor. Prof. Lieb erhofft sich von den Ergebnissen wichtige Hinweise auf mögliche Langzeitschäden und ob eine Covid-Infektion das Risiko chronischer Erkrankungen erhöht. NAKO ist den Volkskrankheiten auf der Spur Nako ist den Volks- und Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Herz- Kreislauferkrankungen, Krebs oder Diabetes - oft verbunden mit Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress und ungesunder Ernährung - also dicht auf der Spur. Die Gesundheitsstudie verschafft den Medizinern und Gesundheitsforschern durch die breit angelegte Datenerhebung und wissenschaftliche -auswertung eine noch nie dagewesene Grundlage, um Erkrankungen möglichst frühzeitig und effizient behandeln und präventiv eindämmen zu können. Wir wollen verstehen, was langfristig krank macht beziehungsweise gesund hält. Diese Studie ist eine bedeutende Ressource für die Gesundheitsforschung in Deutschland. „Wir wollen verstehen, was langfristig krank macht beziehungsweise gesund hält. Diese Studie ist eine bedeutende Ressource für die Gesundheitsforschung in Deutschland", bringt Professor Lieb die von den beteiligten Universitäten, führenden deutschen Forschungsinstituten (Helmholtz und Leibniz), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den beteiligten Ländern finanzierte Studie auf den Punkt. Umfassende Untersuchungen im Studienzentrum Die Untersuchungen im Studienzentrum dauern in der Regel drei bis fünf Stunden. In dieser Zeit führen die Krankenschwestern, Arzthelferinnen und Laborkräfte zahlreiche standardisierte Untersuchungen und Tests durch und erfragen Lebensgewohnheiten und Vorerkrankungen in einem Interview. Einen weiteren Fragebogen mit diversen Ernährungs-, Bewegungs- und Sportfragen beantworten die Teilnehmer am Bildschirm. Auf freiwilliger Basis erhalten die Probanden für eine Woche einen Sensor zur Aufzeichnung der Bewegungsintensität. Wer möchte, kann in dieser Zeit auch ein Dauer-EKG aufzeichnen lassen. Probanden erhalten Ergebnisbrief für mögliche Folgebehandlungen Die Betreuung der Teilnehmer ist sehr professionell, freundlich und zuvorkommend, die Untersuchung sehr umfassend: Blutdruck, Herzfrequenz und Körperfettanteile werden gemessen, die Konzentrations-, Hör- und Gedächtnisfähigkeit ebenso getestet wie die Handgreifkraft. Selbst der Augenhintergrund wird fotografiert, um einem möglichst umfassenden Eindruck vom messbaren Gesundheitszustand zu erhalten. Die Teilnehmer erhalten nach der Auswertung einen persönlichen Ergebnisbrief, deren Ergebnisse sie anschließend mit ihrem Hausarzt besprechen können. Insofern helfen sie nicht nur der Forschung und Wissenschaft, sondern profitieren durch diese medizinische Expertise auch von der Teilnahme. Begleitprojekt für 500 ehemaligen Profi-Fußballern Seit kurzem werden in einem spannenden Begleitprojekt auch ehemalige Profi-Fußballer in die Nako-Untersuchungen einbezogen. Ziel ist es, 500 Ex-Kicker im Alter zwischen 40 und 69 Jahren für die Teilnahme zu gewinnen. Als Partner unterstützen der DFB, die DFL die Unfallversicherung VBG und das Bundesforschungsministerium das Projekt. Durch die Nutzung der optimalen NAKO-Infrastruktur, den dort garantierten hohen Standardisierungsgrad und die bereits erfolgte umfangreiche Untersuchung von Kontrollpersonen bietet dieses Setting für unsere Studie optimale Rahmenbedingungen. „Durch die Nutzung der optimalen NAKO-Infrastruktur, den dort garantierten hohen Standardisierungsgrad und die bereits erfolgte umfangreiche Untersuchung von Kontrollpersonen bietet dieses Setting für unsere Studie optimale Rahmenbedingungen“, erklärte Prof. Dr. Tim Meyer vom Institut für Sport- und Präventivmedizin von der Universität des Saarlandes. Dr. Meyer betreut die deutsche Fußball-Nationalmannschaft als Mannschaftsarzt. ...

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