SPD-Prominenz in Eckernförde : Bundesumweltministerin Svenja Schulze beeindruckt vom Schweinswalschutz

DSC_1119.JPG von 10. August 2021, 16:31 Uhr

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Prominenter Gast aus Berlin: Bundesumweltministerin Svenja Schulze (2. v. r.) besucht Strand und das Ostsee Info-Center gemeinsam mit Sönke Rix (MdB, 2. v.l.). Susanne Petersen, Geschäftsführerin des UTS (Betreiber des OIC, l.) und Projektleiter Till Holsten begleiten den Besuch am Strand und durch die Ausstellung.
Prominenter Gast aus Berlin: Bundesumweltministerin Svenja Schulze (2. v. r.) besucht Strand und das Ostsee Info-Center gemeinsam mit Sönke Rix (MdB, 2. v.l.). Susanne Petersen, Geschäftsführerin des UTS (Betreiber des OIC, l.) und Projektleiter Till Holsten begleiten den Besuch am Strand und durch die Ausstellung.

Auf ihrer Sommertour machte die SPD-Ministerin aus Berlin Station im Ostsee Info-Center. Sie informierte sie sich über die freiwillige Vereinbarung mit den Fischern und das PAL-System.

Eckernförde | Gebannt lauscht Svenja Schulze dem Ton, den sie gerade hört. Die Bundesumweltministerin steht vor einer Vorrichtung, die dem Hörer vermittelt, wie sich der Motor eines Bootes unter Wasser anhört. „Der stark gefährdete Schweinswal in der Ostsee ist zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Ich finde das in der Ausstellung wirklich beeindruckend, wie zum Beispiel gezeigt wird, welche Wirkung Schall unter Wasser hat. Der Mensch hört nicht, wie laut ein Motorboot unter Wasser klingt.“ Lärm durch Schiffsverkehr ist für Schweinswale ein großes Problem, stört er doch ihre Echoortung. Lesen Sie mehr: ECKERNFÖRDE: OIC: Neue Angebote für die Corona-Zeit Svenja Schulze ist zum ersten Mal in Eckernförde Die SPD-Bundespolitikerin aus Berlin macht auf ihrer Sommertour Station in Eckernförde im Ostsee Info-Center (OIC). Dieses widmet sich in seiner Ausstellung auch der Freiwilligen Vereinbarung zum Schutz von Schweinswalen und tauchenden Meeresenten in der Ostsee. Mitarbeiter des OIC waren maßgeblich an der Erarbeitung und Umsetzung der Vereinbarung beteiligt, die Ende 2013 zwischen dem Umweltminister des Landes Schleswig-Holstein (damals Robert Habeck), dem Landesfischereiverband und dem Fischereischutzverband geschlossen wurde. Noch heute koordiniert das OIC die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen mit den Fischern. Lesen Sie weiter: OIC IN ECKERNFÖRDE: WIEDERERÖFFNUNG NACH UMBAU: Faszinierende Unterwasserwelt im Ostsee Info-Center Klimaschutz ist mittlerweile wirklich ein Thema, auch in Familien. Die Nachfrage nach Informationen ist viel höher als in den vergangenen Jahren. Was ist konkret vor meiner Haustür? Was mich wirklich beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass man hier vor Ort so viele Informationen bekommt. Besonders Kinder werden hier auf kindgerechte Weise über das marine Ökosystem Ostsee informiert. Das ist wirklich sehr wertvoll. Als Svenja Schulze sich von OIC-Mitarbeiter Till Holsten durch die Ausstellung führen lässt, sind auch Urlauberfamilien mit Kindern vor Ort, die wie sie nach den Seesternen und Strandkrabben im großen Fühlbecken suchen. Sie zeigt sich beeindruckt: „Klimaschutz ist mittlerweile wirklich ein Thema, auch in Familien. Die Nachfrage nach Informationen ist viel höher als in den vergangenen Jahren. Was ist konkret vor meiner Haustür? Was mich wirklich beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass man hier vor Ort so viele Informationen bekommt. Besonders Kinder werden hier auf kindgerechte Weise über das marine Ökosystem Ostsee informiert. Das ist wirklich sehr wertvoll.“ Anfang Juli bis Ende August gilt die Vereinbarung zur Netzkürzung Schweinswale landen häufig während der Paarungs- und Kalbungszeit von Anfang Juli bis Ende August als Beifang in den Netzen der Fischer, wo sie ertrinken. Die Bundesministerin erfährt von Projektleiter Till Holsten, dass zwei Drittel aller Fischer sich an die Vereinbarung halten, die besagt, dass je nach Kuttergröße ein bestimmter Teil der Stellnetze in diesen Wochen zu kürzen ist. „Die Akzeptanz ist tatsächlich gestiegen. In den Sommermonaten überschreiten sie die vereinbarte Länge ihrer Stellnetze nicht.“ Die Fischerei ist ihre Existenz, das darf nicht vergessen werden. Das Wesentliche an der Vereinbarung ist, dass wir sie mit den Fischern gemeinsam gemacht haben. 2017 wurde das PAL-System (Porpoise Alert) eingeführt, das die natürlichen Warnlaute der Schweinswale auf der Frequenz von 133 Kilohertz imitiert. Die Tiere werden aufmerksam, intensivieren ihre Echoortung und können so den Netzen besser ausweichen. Aber auch die PAL-Geräte müssen die Fischer in ihre Netze einflechten, was zusätzliche Arbeit bedeutet. Sönke Rix betont die Freiwilligkeit der Vereinbarung: „Die Fischerei ist ihre Existenz, das darf nicht vergessen werden. Das Wesentliche an der Vereinbarung ist, dass wir sie mit den Fischern gemeinsam gemacht haben.“ Erfolgsbilanz, obwohl es keine belastbaren Daten gibt Till Holsten spricht von einer Erfolgsbilanz, „obwohl wir nicht genau sagen können, wie viele Schweinswale tatsächlich dadurch gerettet werden. Es gibt keine Vergleichszahlen aus der Zeit davor, und es fehlt die wissenschaftliche Begleitung.“ Der Bund werde die Forschungen in dieser Hinsicht verstärken, so Svenja Schulze: „Wir müssen mehr über die Wirkungsweise der PAL-Geräte auf die Schweinswale erfahren, um sicher zu stellen, dass keine negativen Wirkungen von ihnen ausgehen. Dafür brauchen wir ein umfassendes Effekt-Monitoring über die von den PALs ausgesendeten Schallsignale.“ Wir müssen mehr über die Wirkungsweise der PAL-Geräte auf die Schweinswale erfahren, um sicher zu stellen, dass keine negativen Wirkungen von ihnen ausgehen. Dafür brauchen wir ein umfassendes Effekt-Monitoring über die von den PALs ausgesendeten Schallsignale. Jedes Jahr gibt es an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste 100 bis 150 Totfunde. Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass von 35 untersuchten Schweinswalen 27 Schädigungen an Organen wie Lunge aufwiesen, aber auch Hörschädigungen: „Dieses Extrem kann auch von Munitionssprengungen kommen“, so Till Holsten. Bundestag hat das Problem von Munition in der Ostsee erkannt Berlin hat dieses Problem mittlerweile erkannt. „Der Bundestag hat sich intensiv mit der Frage der Munition in der Ostsee befasst. War man früher der Meinung, sie dort zu belassen, wo sie ist, ist man heute der Auffassung, die Munition zu bergen. Unsere aktuellen Fragen sind: Wie können wir das technisch machen? Was ist das richtige Vorgehen für die Umwelt?“ Schließlich müsse man damit rechnen, dass die Sprengkörper bei Bewegung auseinander brechen könnten. Bislang gebe es erst eine Studie von 2019, die sich erstmals mit der Problematik beschäftigt. Dänemark hat eine Lösung für seine Fischer gefunden Hat ein Fischer in seinen Netzen Munition als Beifang, ist es in Deutschland bislang so, dass der Fischer sie lieber zurück in die Ostsee wirft. „Zu kompliziert sind die Regeln bei uns. Der Fischer dürfte mit seinem Boot noch nicht einmal einen Hafen anlaufen“, so Till Holsten. Im benachbarten Dänemark gibt es jetzt eine neue Vorgehensweise. Der Fischer ruft noch von See aus eine Nummer eines Sondereinsatzkommandos an, läuft einen bestimmten Hafen an, wo ihm der Fang abgenommen und die Munition fachgerecht entsorgt, sein Boot desinfiziert und er für den verloren gegangenen Fang bezahlt wird. Gemeinsamer Schutz der Ostsee, auch grenzüberschreitend Bundesumweltministerin Svenja Schulze betont abschließend: „Die Ostsee ist unter Druck durch den Klimawandel, die starke Erwärmung, die fortdauernde Nähr- und Schadstoffbelastungen sowie die Kampfmittel-Altlasten. Bund, Länder und Kommunen sollten gemeinsam daran arbeiten. Aber auch grenzüberschreitend koordinieren wir die Arbeit in der Helsinki-Kommission, deren Vorsitz Deutschland im vergangenen Jahr übernommen hat. Dort sind alle Anrainer-Staaten vertreten.“ ...

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