Wohnraum gesucht : 900 Flüchtlinge suchen eine Bleibe

Im Kreis kommen immer mehr Flüchtlinge an – doch der Wohnraum ist knapp.
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Im Kreis kommen immer mehr Flüchtlinge an – doch der Wohnraum ist knapp.

Zahl der Asylbewerber steigt dramatisch: Kreisverwaltung teilt den Gemeinden die Neuankömmlinge ab sofort streng nach Quote zu

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29. Januar 2015, 06:00 Uhr

Eckernförde | Die Kommunen werden dem dramatisch ansteigenden Flüchtlingsstrom nicht mehr Herr: Erstmals kann der Kreis deshalb nicht mehr darauf Rücksicht nehmen, in welchem Amt überhaupt noch Platz für Asylbewerber und Spätaussiedler ist. Stattdessen werden die Neuankömmlinge den Ämtern nun streng nach festgelegter Quote zugeteilt. Die Gemeinden müssen für die Menschen dann eine Bleibe finden und das wird zunehmend zum Problem.

Für das Jahr 2015 sind rund 900 Asylbewerber und Spätaussiedler für den Kreis angekündigt – so viele wie seit Jahrzehnten nicht. Ob diese Prognose stimmt, ist jedoch fraglich. Denn im vergangenen Jahr waren 450 Flüchtlinge angekündigt – gekommen sind am Ende aber mehr als 800.

Für die kommende Woche sind laut Dr. Thilo Rohlfs von der Kreisverwaltung allein 40 alleinstehende Flüchtlinge aus der zentralen Unterkunft in Neumünster angekündigt. Die ließen sich auch nicht mehr übergangsweise in der Gemeinschaftsunterkunft in Rendsburg unterbringen. „Die ist komplett belegt“, sagt Rohlfs. Deshalb müssen die Neuankömmlinge direkt über die Amtsverwaltungen in die Gemeinden weitervermittelt werden. „Wir versuchen zwar weiterhin, auf die Ressourcen vor Ort Rücksicht zu nehmen. Aber zum ersten Mal seit vielen Jahren übersteigt der Bedarf die Angebote an Wohnraum.“ Deshalb habe der Kreis kaum eine andere Möglichkeit, als nach der Quote zu verteilen. Die richtet sich nach Einwohnerzahlen. Laut Rohlfs sind vor allem die Stadt Eckernförde, die Gemeinde Altenholz sowie die Ämter Dänischenhagen und Molfsee von der Zuweisung der kommenden Woche betroffen. Während die Lage in Eckernförde laut Ordnungsamtsleiter Klaus Kaschke trotz des Drucks noch beherrschbar ist, hat Altenholz bereits um Aufschub gebeten. „Wir stoßen an unsere Grenzen. Es sind fünf Personen angekündigt. Wir wissen noch nicht, wo wir sie unterbringen sollen“, sagt Bianca Hess von der Verwaltung. Vermutlich komme zunächst nur eine Pension in Frage. Die Gemeinde brauche Zeit, sich politisch zu positionieren. Ihr zufolge gebe es Ideen, Wohncontainer aufzustellen oder langfristig eine Gemeinschaftsunterkunft einzurichten, um den Zustrom zunächst abzufangen.

„Wir als Kommunen werden das Problem allein nicht lösen können. Das muss als gesamtpolitische Herausforderung begriffen werden“, sagt Thilo Rohlfs. Nun sei Hilfe vom Land und vom Bund gefragt. „Wir wissen nicht mehr, wie wir die Herausforderungen stemmen sollen.“ Ihm sei klar, dass es für die Gemeinden schwierig ist, so kurzfristig Lösungen zu finden. Es sei eben einfacher, für Familien Wohnraum zu finden als für Einzelpersonen. „Dafür ist das Angebot zu knapp.“ Er appelliert an die Vermieter: Wer Möglichkeiten sehe, alleinstehende Flüchtlinge unterzubringen, solle sich bei der Amtsverwaltung melden. 

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