Radio Nora Sommer open air : 7500 Fans feiern Stars der 70er und 80er

Die Weather Girls vertrieben die Regenschauer. Stattdessen: „It’s Raining Men“
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Die Weather Girls vertrieben die Regenschauer. Stattdessen: „It’s Raining Men“

Beste Laune beim Südstrand-Open-Air vor traumhafter Kulisse: Die Weather Girls, Sweet, Boney M., Alphaville und Smokie zünden ein Hit-Feuerwerk unterm Regenbogen.

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06. Juli 2014, 06:36 Uhr

Regen, Wolken, Wärme, Abendsonne, Regenbogen – so intensiv und abwechslungsreich wie das Wetter war auch das von Radio Nora präsentierte Open-Air-Festival am Sonnabend am ausverkauften Eckernförder Südstrand. Sechs Stunden lang begeisterten The Weather Girls, The Sweet, Boney M., Alphaville und Smokie die 7500 Zuschauer, die an diesem Abend voll auf ihre Kosten kamen, die mitreißenden Auftritte der fünf Bands feierten und das Open-Air zu einem echten Festival machten. Die Besucher waren tiefenentspannt und in Partylaune, Veranstalter Daniel Spinler mehr als zufrieden, die Organisation lief von der Technik über das Catering für die Musiker bis hin zum Zeitplan wie am Schnürchen, und die beiden präsenten, aber angenehm zurückhaltend auftretenden Radio Nora-Moderatoren Janina Greve und Volker Marczynkowski fügten sich nahtlos in dieses wie geölt laufende Uhrwerk ein.

„I’m so excited“ – die Weather Girls Dynelle Rhodes und Dorrey L. Lyles stiegen mit dem berühmten Hit der Pointer Sisters ins Festival ein. Nach Born to be alive, Hit the road Jack und spätestens Don’t leave me this Way war es mit der typisch norddeutschen Zurückhaltung im Publikum vorbei. Mit ihrem Mega-Hit It’s raining Men sorgten die musikalischen Schwergewichte mit voluminöser Stimme und enormer Bühnenpräsenz für den ersten emotionalen Höhepunkt des Abends. „Eine perfekte Party“, jubelten die enthusiastisch mitgehenden Birgit Andresen-Krenzke und ihre Pflegetochter Michelle-Katrin (15) aus Willingrade bei Neumünster.


Andy Scott: Immer noch sweet


Es sollte noch besser kommen. Und dafür sorgten die vier Briten um den legendären Andy Scott. Der am 30. Juni 1949 geborene Gitarrist ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied von The Sweet. Scott trotz dem Rentenalter nicht nur mit seiner vollen, blonden Mähne, sondern auch mit seiner nach wie vor riesigen Freude an Songs wie Hell Raiser, Teenage Rampage, Ballroom Blitz, The Six Teen oder Block Buster. Mit Drummer Bruce Bisland, Gitarrist Tony O’Hara und Frontsänger Peter Lincoln hat Sweet ihren legendären Sound als eine des erfolgreichsten Glamrock-Bands weiterentwickelt und musikalisch verfeinert. Eine Band, die am Südstrand extrem viel Freude machte und fürs Publikum zum Jungbrunnen wurde. Mit dem EZ-Meet-and-Great-Gewinner Peter Reimers aus Goosefeld gewidmeteten Song Fox on the Run („for Peter“) endete ihr umjubelter Auftritt, dem auch der zwischenzeitlich eingesetzte Regen nichts von seiner Faszination nehmen konnte. „A fantastic audience“, ruft Lincoln den immer emotionaler werdenden Fans entgegen.

Weniger rockig, dafür um so flockiger ging es bei Boney M. zu. Daddy Cool, Ma Baker, Rivers of Babylon, Rasputin, Brown Girl in the Rain – wer kennt nicht mindestens einen dieser Ohrwürmer, die sich über Jahrzehnte im musikalischen Gedächtnis der 70er- und 80er-Generation festgesetzt haben. Es ist zwar nicht der große Kulturgenuss, sondern eine reine Spaß- und Stimmungsmusik, die aber sorgte dafür, dass Fasching und Weihnachten auf einen Tag zu fallen schienen. Immer im Blickpunkt und ein echter Hörgenuss Liz Mitchell, die große Sängerin von Boney M.. Wie von selbst schien der ganze Südstrand in Bewegung zu geraten: die Arme oben, der weibliche Hüftschwung im Takt – ein schönes Bild. Tänzer John flic-flact sich über die Bühne, lässt Bauch-, Brust- und Gesäßmuskeln spielen, packt sich dahin, wo’s anderen Männern in der Öffentlichkeit nicht erlaubt ist. Johns Gegenentwurf ist Mike Simon. Der 49-jährige Kölner und enge Freund von Sängerin Liz hat Bauch und Bart, springt aber über die Bühne wie ein ausgelassener Zehnjähriger und genießt seinen Auftritt an der Seite seines Idols. Liz singt auf seinen Wunsch Malaika a-capella. Und als plötzlich die Weather Girls auf die Bühne toben und den gut gebauten Tänzer wie ein Sandwich in die Zange nehmen, kriegt sich Liz Mitchell kaum noch ein vor Lachen. Am Ende dieses denkwürdigen Auftritts verabschiedet sie sich mit einer Hymne, die zu Herzen geht – Let it Be. Die Stimmung am Südstrand ist auf dem Siedepunkt.


Höchste musikalische Intensität


Kurze Umarmungen, Konzentration, dann auf die Bühne. Alphaville gibt gleich Vollgas. Bandgründer und Frontman Marian Gold ist ein Kraftpaket, ein Berserker. Er ackert und wühlt, er scheint in seinem schwarzen Anzug förmlich zu beben. Der Vergleich hinkt natürlich gewaltig – aber irgendwie hat er etwas von Queen-Legende Freddy Mercury, sieht man einmal von dessen schrillen Outfits ab. Dance with Me, Big in Japan, Sounds like a Melodie, das volle Programm in höchster musikalischer Intensität. Alphaville (Dave Goodes, Jakob Kiersch, Maja Kin) dürfte für nicht wenige Besucher der Festivalhöhepunkt gewesen sein. Forever Young beschließt diesen außergewöhnlicher Auftritt (Tribute für den am 24. Mai verstorbenen Keyboarder Martin Lister) vor außergewöhnlicher Kulisse.

Smokie kommt, der Südstrand kocht. Lay back in the Arms of Someone, manche nehmen’s wörtlich, warum auch nicht. Smokie ist und bleibt Kult im Norden. Egal, wo Urgestein Terry Uttley (Bass), Mick McConnell (Gitarre), Steve Pinnell (Schlagzeug), Martin Bullard (Keyboard) und Sänger Mike Craft auftreten, legen die mitgereiften Zuhörer jede Zurückhaltung ab und feiern das Hit-Feuerwerk auf ihre Weise – natürlich auch am Südstrand: I’ll Meet You at Midnight, It’s Your Life, For a Few Dollers More, Needles and Pins, Mexican Girl, Wild Wild Angels, Take good Care of my Baby. Das Festival-Happening findet seinen finalen Höhepunkt mit Living Next Door to Alice – der Südstrand wird zum Smokie-Chor. Um 23.15 Uhr ist Schluss – „You are fantastic!“ Mike Craft und seine Jungs sind wirklich ergriffen vom Publikum und dem Festival.

>Interview mit Alphaville auf Seite 23

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