75 Jahre Streit und Versöhnung

Die Jubilare Anni (99) und Walter Endrulat (97) blicken auf 75 gemeinsame Jahre zurück.
Die Jubilare Anni (99) und Walter Endrulat (97) blicken auf 75 gemeinsame Jahre zurück.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick / Trotzdem feierten Anni und Walter Endrulat jetzt ihre Kronjuwelen-Hochzeit

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21. Mai 2018, 19:33 Uhr

Miteinander alt werden – davon träumen wohl alle frisch vermählten Ehepaare. Für Anni (99) und Walter Endrulat (97) hat sich dieser Wunsch in ganz besonderem Maße erfüllt: Sie feiern heute ihre Kronjuwelen-Hochzeit. Am 15. Mai 1943, also vor mehr also 75 Jahren, wurden die beiden getraut.

Dass das Gettorfer Ehepaar einmal den Großteil ihres Lebens miteinander verbringt, hatte sich beim ersten Treffen noch ganz und gar nicht angedeutet. „Ich war an einem Sonntag im Jahr 1940 mit einer Freundin in der Gettorfer Herrenstraße spazieren, als auf einmal zwei junge Marinesoldaten hinter uns auftauchten und uns verfolgten“, erinnert sich Anni Endrulat. Einer von den beiden war Walter. „Als uns die zwei ansprachen und sich mit uns verabredeten wollten, sagten wir als Ausrede, dass wir schnell mit dem nächsten Zug nach Neuwittenbek müssten.“ Doch dorthin müssten auch die zwei Marinesoldaten erklärten sie. Also gaben die zwei Freundinnen vor, nun doch den Zug nach Surendorf nehmen zu müssen.“ Doch auch die Jungs wollten plötzlich mit diesem Zug fahren. „Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns mit den Zweien zu verabreden“, erzählt Anni Endrulat weiter und lacht. „Die anderen beiden haben sich schnell aus den Augen verloren. Wir aber blieben zusammen.“

Was der gebürtigen Gettorferin an dem jungen Marinesoldaten damals so gut gefiel? „Er sah eigentlich ganz gut aus und war nett und freundlich“, verrät sie. „Und vor allem konnte er Skat spielen, womit er besonders bei meinem Vater Eindruck hinterließ.“

Walter Endrulat stammt gebürtig aus Lompönen in Ostpreußen im heutigen Litauen. Nach einem Umzug nach Hamm in Nordrhein-Westfalen kam er als Marinesoldat in den Norden, um auf dem Schulschiff SMS Schleswig-Holstein ausgebildet zu werden. 1941 verlobte sich das Paar. Ein Jahr später wurde Anni Endrulat schwanger – Walter Endrulat musste aufgrund des Krieges jedoch schon kurz darauf nach mit der Marine nach Italien. „Bevor ich das Kind bekommen sollte, wollte ich aber unbedingt noch heiraten.“ Nach langem Hin und Her mit seinen Vorgesetzten erhielt Walter Endrulat die Erlaubnis nach Gettorf zu fahren, um sich vier Wochen vor der Geburt trauen zu lassen. „Am Freitagmorgen kam er mit dem Zug am Bahnhof an, Sonntag heirateten wir und am Montag musste er wieder zurück nach Italien“, erzählt sie. „Wegen des Krieges kamen nur wenige zu unserer Hochzeit. Am 14. Mai war der große Angriff auf Kiel, am 15. heirateten wir.“ Im Juni kam Sohn Walter zur Welt, 1947 Hans-Werner, drei Jahre später Tochter Kirsten.

Nach dem Krieg arbeitete Walter Endrulat als Maurer. Seine Lehre absolvierte er in Kiel, blieb zunächst jedoch im Haus der Schwiegereltern in der Gartenstraße wohnen. „Zur Arbeit fuhr ich damals jeden Tag mit dem Fahrrad“, berichtet er. Später war er als Polier für die Gettorfer Firmen Christian Jöhnk und Clemens Sell tätig, richtete das Haus her, in dem das Ehepaar bis zum Umzug ins Gettorfer „Seniorenheim am Park“ Anfang dieses Jahres wohnte. Sie kümmerte sich um die Kinder, verkaufte Eis in der Teichstraße oder trug Lesemappen aus.

Dass die zwei nun seit 75 Jahren glücklich zusammenleben, liegt laut eigener Aussage vor allem daran, dass sie sich zwischendurch auch gerne mal streiten. „Das wichtigste ist aber, dass man nicht vergisst, sich danach wieder zu vertragen“, so mittlerweile fünffachen Großeltern und neunfachen Urgroßeltern. Seine Kronjuwelenhochzeit feierte das Ehepaar vergangene Woche mit der Familie bei Kaffee und Kuchen im Hotel Stadt Hamburg und anschließendem Abendessen im Seniorenheim, bei dem der Gettorfer Spielmannzug für die beiden Jubilare spielte.

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