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Eckernförder Zeitung

21. Oktober 2017 | 05:38 Uhr

70 Jahre Ehe - "eine wunderschöne Zeit"

vom

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Gettorf | Es war ein Sonntagabend, als sie mit ihrer Freundin in der Herrenstraße in Gettorf spazieren ging. Zwei junge Marinesoldaten folgten ihnen und ließen sie nicht aus den Augen. "Wir sagten, wir müssten mit dem Zug nach Neuwittenbek, als sie sich mit uns verabreden wollten", erinnert sich Anni Endrulat. "Da meinten sie, sie auch." Dann erklärten die Freundinnen, sie müssten mit dem Zug nach Surendorf. Die Jungs antworteten, sie auch. "Da blieb uns nichts anderes übrig, als uns zu verabreden", erzählt sie weiter und lacht. Das war im August 1940. Die Bekanntschaft der Freundin löste sich. Ihre blieb. Heute sind Anni (94) und Walter Endrulat (92) aus Gettorf 70 Jahre verheiratet.

Sie ist eine gebürtige Gettorferin. Als sie als junges Mädchen nach Berlin fahren durfte, um im Tabakladen ihrer Verwandtschaft auszuhelfen, war das eine große Aufregung. Doch dann bestand ihre Mutter darauf, dass sie wieder zurück kam. "Leider", sagte sie. "Aber wer weiß, wozu das gut war." Ihre Sehnsucht nach Berlin erlosch erst, als sie nach der Grenzöffnung wieder dort war und sah, dass nichts mehr so war wie früher.

Walter Endrulat stammt aus Ostpreußen, aus Lompönen, was heute in Litauen liegt. Nach 20 Jahren in Hamm/Nordrhein-Westfalen kam er als Marinesoldat in den Norden. Ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung verlobten sie sich, am 15. Mai 1943 heirateten sie im Haus ihrer Eltern in der Gartenstraße in Gettorf. Da Krieg war, kam der Pastor ins Haus, Omas Büffet wurde zum Altar umfunktioniert. "Eine Hochzeit unter anderen Umständen", verrät Anni Endrulat. "Das war auch Voraussetzung für mich. Ich wollte unbedingt Kinder." Schon im Juni kam ihr erster Sohn Walter zur Welt, 1947 Sohn Hans-Werner, 1951 Tochter Kirsten. Dass sie ihren ersten Sohn in jungen Jahren bei einem Verkehrsunfall verloren, schmerzt bis heute.

Walter Endrulat arbeitete viele Jahre als Polier für die Gettorfer Firmen Christian Jöhnk und Clemens Sell, war für die Gewerkschaft tätig, hat das Haus erworben, in dem sie bis heute wohnen und es in 20 Jahren hergerichtet. Sie kümmerte sich um die Kinder, Haus und Garten, verkaufte Eis bei Erich in der Teichstraße und trug Lesemappen aus. "Die Zeit war wunderschön", sagt sie. "Ich würde gerne noch mal tauschen." Auf 70 Jahre Ehe sind sie auch ein bisschen stolz. "Wir können zufrieden sein", sagt Walter Endrulat. "Meine Frau würde ich glatt ein zweites Mal heiraten. Besser könnte es nicht werden." Sie hätten es gut miteinander hinbekommen, meint auch Anni Endrulat. "Natürlich gibt es auch mal Zoff", gesteht sie. "Aber dann lenkt immer einer von uns ein."

Ihre Gnadenhochzeit feiern sie heute nach der Kirche bei einem Essen mit der Familie und Freuden im Hotel Stadt Hamburg.

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