Jubiläum : 70 000 Kilometer für den Urlaub

Aus Vermietern und Urlaubern sind Freunde geworden (v. l.): Wolfgang und Gretchen Bauer sowie Richard, Christa und Harald Semlak aus Neuses/Regnitz. Der erste stellvertretende Bürgermeister, Hartmut Schmidt (r.) gratuliert.
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Aus Vermietern und Urlaubern sind Freunde geworden (v. l.): Wolfgang und Gretchen Bauer sowie Richard, Christa und Harald Semlak aus Neuses/Regnitz. Der erste stellvertretende Bürgermeister, Hartmut Schmidt (r.) gratuliert.

Aus Urlaubern wurden Freunde: Zum 50. Mal verbringt Familie Semlak aus Neuses/Regnitz ihren Urlaub in der Pension Gretchen. Mittlerweile nehmen sie an jedem Familienfest teil.

shz.de von
03. Juli 2015, 04:18 Uhr

Im Garten der Pension Gretchen fühlt man sich wie im Paradies – die Sonne scheint, die Rosen blühen verschwenderisch. Ein Platz zum Wohlfühlen – das gilt auf jeden Fall für Harald, Christa und Richard Semlak aus Neuses/Regnitz. Die Urlauber aus dem kleinen Städtchen zwischen Nürnberg und Bamberg schätzen nicht nur den Garten und die Pension Gretchen, sondern haben im Laufe der vergangenen 23 Jahre den hohen Norden Deutschlands, genauer gesagt, die Landschaft Schwansen, lieben gelernt. 1992 hat die Familie aus Oberfranken zum ersten Mal ihren Urlaub in Rieseby in der Pension Gretchen verbracht – jetzt verlebt das Ehepaar mit Sohn Richard zum 50. Mal die schönsten Tage des Jahres bei Gretchen und Wolfgang Bauer. Für die Fahrten von Neuses an der Regnitz nach Rieseby legten die Semlaks bislang 70  000 Kilometer zurück – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Bis zu drei Mal im Jahr kommen Semlaks nach Rieseby. Von Beginn an schätzten die Franken die individuelle Unterbringung und den Service in der Pension Gretchen. Beim ersten Besuch 1992 seien außer den Söhnen Richard (damals 17) und Christian (damals 14) auch noch Oma und Opa mit von der Partie gewesen, erzählt Harald Semlak im Rahmen einer kleinen Feierstunde. „Wir wollten mal nach Schleswig-Holstein und sehen, wie das hier so mit Regen und Wind aussieht“, verrät der 63-Jährige. Dem Zufall habe die Familie es zu verdanken, dass sie den Weg nach Rieseby gefunden habe, berichtet Sohn Richard (40). Auf einer Messe in Nürnberg sei ihnen an einem Reisestand ein Katalog von Eckernförde in die Hände gefallen.

„Uns hat das Foto und der Name Gretchen so gut gefallen, dass wir gleich Kontakt aufgenommen haben“, erzählt Christa Semlak (61). Zu Pfingsten sei man das erste Mal in Rieseby zu Gast gewesen. „Und dann hat es entgegen unseren Erwartungen noch nicht einmal geregnet, sondern wir hatten schönstes Wetter“, erinnert sich Harald Semlak, Inhaber eines Kunststoffhandels.

1992 war auch das erste Jahr der Vermietung für Gretchen Bauer. Von Beginn habe sie großen Wert auf die Ausstattung gelegt und diese im Laufe der Jahre stetig verbessert. „Alles, was ich selbst im Urlaub an Annehmlichkeiten haben möchte, biete ich auch meinen Gästen“, lautet der Leitsatz von Gretchen Bauer (67). Mittlerweile vermietet sie das ganze Jahr über drei Zimmer, ein Appartement und eine Ferienwohung für vier Personen.

Familie Semlak hat bereits in jedem Quartier gewohnt und kennt sowohl das blaue, das Rosen- als auch das Cappuccino-Zimmer. Aus einer anfänglichen Urlaubsbekanntschaft hat sich inzwischen eine echte Freundschaft zwischen den Nord- und Süddeutschen entwickelt. So ist es für alle selbstverständlich, dass die Oberfranken gemeinsam mit Gretchen und Wolfgang Bauer auf der privaten Terrasse frühstücken. Langjährige Gäste bewirtet Wolfgang Bauer auch schon gerne mal mit selbst frisch zubereitetem Fisch – da komme schon so manches Mal eine Tafel von 15 Leuten zusammen, so Bauer (70).

Trotzdem haben die Semlaks nahezu eine Sonderstellung, denn sie kommen als Freunde und nicht als Urlauber. Der Kontakt ist so gut, dass auch Sohn Richard ab und zu allein den Weg in den Norden findet. Der 40-Jährige genießt dann Familienanschluss bei Familie Bauer. Auch lädt man sich inzwischen zu allen familiären Festen gegenseitig ein.

So haben die Oberfranken eigens ihren diesjährigen Urlaub verlängert, um morgen an der Hochzeit von Sohn Michael Bauer teilzunehmen. Das Vertrauen ist so weit gewachsen, dass Harald und Richard Semlak das Brautauto, ein Mustang-Cabriolet, fahren dürfen. Selbst zur Feier des 20. Hochzeitstages von Tochter Anja hatte die Familie sich auf die 700 Kilometer lange Strecke gemacht.

Vieles haben die Urlauber inzwischen gesehen. Im Osten ging es schon bis in die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin. Im Norden besuchte man Dänemark. Von Gelting aus ging es mit dem Schiff nach Sonderburg. Auch die Westküste haben die Oberfranken schon besucht: Helgoland und die nordfriesischen Inseln Pellworm und Föhr sowie die Halligen Hooge und Langeness standen auf ihrem Programm. Ausgangspunkt einer jeden Tagestour war stets die Pension Gretchen. „Abends mussten wir natürlich wieder zuhause sein“, sagt Harald Semlak.

70  000 Kilometer Wegstrecke zwischen Neuses an der Regnitz und Rieseby in 50 Besuchen – das war auch für die Gemeinde ein Anlass, dieses außergewöhnliche Jubiläum zu ehren. Mit einem Blumenstrauß bedankte sich der erste stellvertretende Bürgermeister Hartmut Schmidt bei Harald und Christa Semlak. Auf diese Weise erreiche Rieseby auf besondere Art in Oberfranken einen gewissen Bekanntsheitsgrad – das sei die beste Werbung für die Gemeinde, die man sich wünschen könne.

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