Soldaten des Seebataillons : 62 500 Plastikdeckel gegen Polio

Griff in die prall mit Plastikverschlüssen gefüllte Sanitätskiste: Die Initiatoren Jens Hageböcker (l.) und René Müller (r.) mit Dr. Charlotte Trede und Kay Stöterau vom Rotary-Club.
Griff in die prall mit Plastikverschlüssen gefüllte Sanitätskiste: Die Initiatoren Jens Hageböcker (l.) und René Müller (r.) mit Dr. Charlotte Trede und Kay Stöterau vom Rotary-Club.

Die Sanitätseinsatzgruppe des Seebataillons hat eine große Sammelaktion im Marinestützpunkt initiiert. Die Soldaten sammelten 62500 Plastikdeckel und finanzieren damit 125 Schluckimpfungen.

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27. März 2018, 06:27 Uhr

Eckernförde | Die 800 Soldaten des Seebataillons in Eckernförde sind weltweit im Einsatz und zwar dort, wo es keinen Schonraum gibt. Ihr Job: Leben retten, Terroristen bekämpfen, Geiseln befreien, umkämpfte Gebiete evakuieren, Konvois begleiten, Schiffe und Häfen sichern. Eine Spezialeinheit innerhalb der Marine mit einem großen Einsatzspektrum auf See, in der Luft und an Land von der Bordeinsatzkompanie bis zu den Minentauchern und Aufklärern.

Das Engagement der Soldaten des Seebataillons hört am Kasernentor nicht auf. Das zeigt die groß angelegte und überaus erfolgreiche Aktion der Sanitätseinsatzgruppe und des Seebataillons. Auf Initiative eines kleinen Kreises um Sanitätsbootsmann Jens Hageböcker und Oberstabsarzt René Müller kam im Marinestützpunkt eine bislang beispiellose Sammelaktion von Plastikschraubverschlüssen für das weltweite Rotary-Projekt „End Polio Now“ in Gang. Flankiert durch eine gute Aufklärungsarbeit der Initiatoren sprang der Funke auf die Truppe über, die Soldaten sammelten die Deckel auch privat und sogar bei Auslandseinsätzen. Das Resultat: Gestern überreichte eine Abordnung der Sanitätseinsatzgruppe 125 Kilogramm an Plastikdrehverschlüssen – umgerechnet 62 500 Stück – an den Präsidenten des Eckernförder Rotary-Clubs, Kay Stöterau, und Vorstandsmitglied Dr. Charlotte Trede, die sich über die bislang größte Spende freuten. Zwei Sanitätsfahrzeuge – ein gepanzerter Eagle-Sanitätswagen und ein Unimog – waren mit Blaulicht auf dem Hubschrauberlandeplatz vorgefahren, beladen mit etlichen mit Plastikverschlüssen gefüllten Sanitätskisten, die nun zum AWR-Recyclinghof im Goldammerweg gebracht, dort gewogen und abgerechnet werden. Pro 500 Deckel, entsprechend dem Gewicht von einem Kilogramm, werden von den Verwertern 50 US-Cents bezahlt, die dem Rotary-Projekt zufließen und die Polio-Schluckimpfung für ein Kind finanzieren. Die Bill & Melinda Gates-Stiftung aus den USA gibt nochmals das Doppelte dazu. Die Sammelaktion im Seebataillon ist somit gut für 125 Impfungen, plus weitere 250 der Gates-Stiftung. Ein Ergebnis, das der Kommandeur, Fregattenkapitän Axel Meisel, als „großartig“ bezeichnet. Meisel lobt die hohe Einsatzbereitschaft seiner Soldaten im Dienst und auch privat für die gute Sache. „Wir brauchen engagierte Leute, und davon haben wir im Seebataillon sehr viele, was uns sehr freut“, erklärte der Kommandeur.

Initiator Jens Hageböcker erinnerte an den Beginn der Sammelaktion vor zehn Monaten auf einem Sani-Symposium in Ulm. Hageböcker hatte von dem Polio-Projekt erfahren, sich eingehend informiert – und nutzte in Ulm die Gunst der Stunde: Die 800 Symposiumsteilnehmer in Uniform und die Unmengen an bereitgestellten Plastik-Wasserflaschen brachten ihn auf die Idee, sofort mit der Aktion zu beginnen. Und so scharte der Eckernförder Soldat in der Mittagspause einige Kameraden um sich und schraubte im Keller die Plastikdeckel von den ausgetrunkenen Flaschen. Das Ganze verfrachtete er nach Eckernförde – die Leidenschaft war entfacht, aufhören nun nicht mehr möglich. Jens Hageböcker und seine Mitstreiter machten in den einzelnen Einheiten des Seebataillons Werbung für die gute Sache. Mit großem Erfolg. Viele Kunststoffdeckel bedeuten viel Hilfe und viele Impfungen.

Einsatzschwerpunkte der Schluckimpfungen sind Afghanistan, Pakistan und Nigeria. Rotary hat es sich zum Ziel gesetzt, Polio bis Ende 2018 weltweit zu besiegen. Bereits seit August 2014 sind Bürger dazu aufgerufen, Kunststoffdeckel bis maximal vier Zentimeter Durchmesser von Getränkeflaschen und -kartons zu sammeln und an Abgabestellen abzugeben. Bis zum 16. Februar 2018 sind so bereits 171 818 000 Deckel verwertet und gut 1 Million Schluckimpfungen ermöglicht worden – und das Projekt läuft weiter, auch in Eckernförde, auch im Marinestützpunkt.

In Eckernförde werden die Deckel im AWR-Recyclinghof im Goldammerweg, bei Behn-Getränke in der Rendsburger Straße und an der Fritz-Reuter-Schule, im Umland an der Grundschule Barkelsby gesammelt.

>www.deckel-gegen-polio.de

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