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IMMER NACH WEIHNACHTEN : 54. Treffen vor historischer Fassade

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Acht Studenten der alten Bauschule aus dem Examensjahr 1963 trafen sich am Dienstag vor dem neu gestalteten Eingangsportal. Der Risalit erinnert an den Bau von 1868.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2016 | 05:51 Uhr

Eckernförde | „Von September 1960 bis März 1961 haben wir im großen Saal, der Aula der Bauschule, Unterricht gehabt. Manchmal war es so kalt, dass wir uns gar nicht richtig konzentrieren konnten“, erinnert sich Siegfried Schimmelpfennig (77). Zum 54. Mal organisierte der Bauingenieur ein Semestertreffen ehemaliger Mitstudenten, wie immer am Tag nach Weihnachten. Der diesjährige Besuch der alten Bauschule in der Kieler Straße Süd hatte einen besonderen Auftakt, fand er doch vor dem gerade fertiggestellten Risalit (über dem oberen Fenster) statt. Das Eingangsportal empfängt den Besucher jetzt wieder wie zu Zeiten seiner Errichtung 1868. Prof. Peter Jochimsen, ehemaliger Rektor der Fachhochschule für Bauwesen im Lorenz-von-Stein-Ring, wo die Bauschule 1961 ihre neuen Räumlichkeiten bezog, und Präsident des Baltic Sea International Campus (BSCI) informierte die Besucher über die Wiederherstellung der historischen Fassade.

Dass der Neubau als solcher nicht sofort erkennbar ist, liegt an den Steinen. „Die Steine sind gebrannt“, verrät Prof. Jochimsen, auf diese Weise habe die Bauschule ein Stückchen alte Architektur und ihren Charme wieder zurückbekommen. Auch das Dach wurde saniert, Kunstschiefer sei schon vor 144 Jahren verwendet worden, da echter Schiefer schon damals zu teuer gewesen sei.

Seit Dezember 2010 ist die alte Bauschule in Privatbesitz. Eigentümer ist das Unternehmen BSIC, das sich international für Fort- und Weiterbildung und akademische Bildung einsetzt. Im Februar 2012 erhielt das Unternehmen die Baugenehmigung für eine grundlegende Sanierung des Gebäudes. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege wurden Fenster, Räume, Flure und 100 Türen im Innern saniert. „Wir haben keinen einzigen Cent an öffentlichen Geldern ausgegeben“, erklärt Jochimsen. Auch habe man darauf Wert gelegt, möglichst alle Gewerke an Firmen in Eckernförde und Umland zu vergeben. Erst Anfang Dezember wurden die Baugerüste und die blauen Bauplanen entfernt. Um dem Eingangsportal den letzten Feinschliff zu geben, fehlt Prof. Jochimsen noch eine Uhr, die dem Original möglichst nahekommen soll. „Da brauche ich Ihre Hilfe, meine Herren“, sagt der 66-Jährige. Er sei auf der Suche nach einem Uhrmacher, der sein Handwerk noch wirklich selbst beherrscht. Sofort haben die Herren Tipps parat.

Im großen Saal der Galerie 66, der ehemaligen Aula, empfängt Kurator und Künstler Falko Windhaus die Gäste. Erinnerungen werden bei den Besuchern zwischen 76 und 78 Jahren wach. Ihr Blick wandert auf Anregung von Prof. Jochimsen nach oben zur Decke. Wo zu ihrer Zeit drei Kuppeln die Decke zierten, ist jetzt eine weiße Zwischendecke zu sehen. „Und diese Kuppeln bergen garantiert Fresken“, vermutet der Eigentümer. Aber das würden er und seine Geschäftsführerin Wei Qian während ihrer Wirkungszeit nicht mehr erforschen. Sofort kommt ein Vorschlag aus den Reihen der Ingenieure, ob man die Decke nicht anbohren könne, um das zu überprüfen. „Das überlassen wir unserer Nachwelt“, so Jochimsen.

In der Aula habe man seinen ersten Entwurf zeichnen müssen, ein Bahnhofsgebäude, erinnern sich die Ingenieure. Von 20 Examinierten leben noch 15, jedes Jahr kommen rund neun ehemalige Bauschüler zu dem Treffen. „Ununterbrochen“, betont Organisator Schimmelpfennig. Karl-Heinz „Charly“ Warner (77) ist der einzige Student, der nach seinem Examen Eckernförde immer treu geblieben ist, die anderen hat es teilweise in die ganze Welt verschlagen. Einer von ihnen ist Uwe-Paul Schröder (78), der aus Essen die weiteste Anreise hatte. Als Wasserbauingenieur hat er beispielsweise in dem ostafrikanischen Land Burundi das Be- und Entwässerungswegenetz errichtet. Auch der Flensburger Hans-Dieter Nietsch (76) kam durch seinen Beruf viel in der Welt herum, unter anderem einige Jahre in Griechenland und ein Jahr auf Madagaskar.

Absolventen der Bauschule Eckernförde waren damals bei den Firmen als Ingenieure begehrt. Niemand musste lange auf eine Anstellung warten. „Bauschüler waren auch bei den Mädchen heiß begehrt“, so Prof. Jochimsen. Dem konnten die Ü-70-Herren nur beipflichten und erinnerten sich gleich an die eine oder andere Kneipenszene von damals. Auch an die legendäre Abschlussfeier auf dem Rathausmarkt 1963 wird sofort erinnert Die Studenten von einst genießen nach der Besichtigung ihrer früheren Bauschule ihr Mittagessen im Hotel Gammelby, um sich dann schon für das 55. Semestertreffen 2017 zu verabreden.

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