Jubiläum des letzten Schleppnetzkutters : 500 000 Meilen auf Fischfang

Drei Generationen der Fischerfamilie Marckwardt feiern das Jubiläum der „Schwalbe gemeinsam mit Fischereigehilfe und Decksmann Jörg Kahnert (r.) sowie über 100 Gästen : Ben Ole (2), Ole (43) und Lorenz (74).
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Drei Generationen der Fischerfamilie Marckwardt feiern das Jubiläum der „Schwalbe gemeinsam mit Fischereigehilfe und Decksmann Jörg Kahnert (r.) sowie über 100 Gästen : Ben Ole (2), Ole (43) und Lorenz (74).

Familie Marckwardt betreibt in fünfter Generation Fischerei im Ostseebad. Ihr Kutter „Schwalbe“ hat seit 40 Jahren in Eckernförde seinen Heimathafen.

shz.de von
24. Juli 2018, 05:02 Uhr

Eckernförde | Die „Schwalbe“ hat Stürmen im Kattegat getrotzt und sogar den Transport einer amerikanische Fliegerbombe überstanden, die ins Schleppnetz geraten war. Über 500  000 Seemeilen hat die Ecke 15 auf dem Buckel – ihr erster Motor lief 50 000 Stunden, bevor 1999 der zweite 300 PS-starke Motor eingebaut wurde, der jetzt schon bei 35 000 Stunden liegt. Eine Girlande ziert den Schiffsrumpf, bunte Wimpel sind quer über das gesamte Schiff gespannt – mit einer zünftigen Feier hat die Fischerfamilie Marckwardt am Freitag auf dem Gelände der „Lütten Werft“ das 40-jährige Jubiläum ihres Kutters „Ecke 15“ gefeiert. Die „Schwalbe“ ist der letzte Schleppnetzkutter, der noch in Eckernförde seinen Heimathafen hat.

„Auf den Tag genau ist der Kutter 40 Jahre in Eckernförde“, erzählt Lorenz Marckwardt (74). Er selbst ist bis zum Renteneintritt auf der „Schwalbe“ gefahren. Heute steht Sohn Ole (43) am Steuer, Fischwirtschaftsmeister in fünfter Generation. In der Familie ist es gute Tradition, dass ihre Kutter den Namen „Schwalbe“ tragen. Gebaut wurde das 17,16 Meter lange und 5,30 Meter breite Holzschiff in Friedrichskoog – die Siegfried-Werft hatte sich zu der Zeit bereits auf Reparaturen beschränkt. Lorne Marckwardt entschied sich damals, die „Schwalbe“ als Heckschlepper bauen zu lassen – bis dahin galten Seitenfänger als das Maß der Dinge. Scharfer Ostwind und Schneegestöber pfiffen den Gästen beim Stapellauf am 22. Februar 1978 um die Ohren. Bei der Schiffstaufe zerschellte die Sektflasche erst im zweiten Anlauf. „Ich hatte Angst, dass das neue Schiff kaputt gehen könnte“, erinnert sich Tochter Kerstin Seemann (48), Taufpatin der „Schwalbe“, „und das war doch so teuer.“

In den 1980er- und 1990er-Jahren war die „Schwalbe“ außer in der Ostsee auch in der Nordsee und im Ärmelkanal unterwegs. Das bedeutete für die Familie, dass Vater Lorne bis zu drei Monaten fort war. Seezunge, Scholle und Kaisergranat gingen im Kattegat ins Netz, wo der Kutter bis 2005 auf Tour war. Einmal war ein brandgefährlicher Beifang dabei: eine 580 Kilogramm alte amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. „Wir durften gar nicht in den Hafen von Gilleleje einlaufen und mussten die Bombe auf See wieder ins Wasser lassen“, erinnert sich Marckwardt. Gefahr durch Stürme? „Jeder richtige Seemann kann jeden Sturm abwettern“, winkt der 74-Jährige ab.

Statt Scholle und Butt gingen den Fischern einmal östlich von Damp zwei Flaschen Sekt ins Netz, die noch an Bord getrunken wurden. Heute sind es nicht Stürme oder Fliegerbomben, die Fischwirtschaftsmeister Ole Marckwardt Sorgen bereiten. Die Reduzierungen der Fangquoten, besonders beim Dorsch, stellen ihn vor neue Herausforderungen. Inzwischen gehen viele Fahrten der „Schwalbe“ von Maasholm aus, da die Fanggründe näher liegen und die Abnahmemöglichkeiten besser sind als in Eckernförde, so Marckwardt.

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