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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 21:27 Uhr

50-Prozent-Hürde und dreiste Wortbesetzer

vom

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

45,9 Prozent - diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Nicht einmal die Hälfte aller wahlberechtigten Eckernförder Bürger ab 16 Jahren hat sich vor fünf Jahren an die Wahlurnen begeben. Für wen ist das nun peinlicher - für diejenigen, die ihr demokratisches Grundrecht nicht ausgeübt haben oder für die Kommunalpolitiker, die es nicht vermocht haben, die Menschen zu mobilisieren, wie es immer so schön heißt?

Letzteren ist im Grunde kein Vorwurf zu machen. Sie engagieren sich ehrenamtlich, zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger, wie es auch immer so schön heißt - obwohl es sicherlich nicht ganz auszuschließen ist, dass dieses Motiv nicht immer ganz blütenrein daherkommt, und es Fälle gegeben haben könnte, in denen auch Motive anderer Art zur Übernahme eines politischen Mandats geführt haben. Was in der Natur des Menschen läge, der sich mitunter auch mal öffentlich profilieren oder den einen oder anderen kleinen Vorteil einstreichen möchte. Warum soll es in der Kommunalpolitik anders zugehen als im wirklichen Leben. Die Kommunalpolitiker können zwar für Manches verantwortlich gemacht werden, nicht aber für die fast schon beschämende Wahlzurückhaltung der Bürger. Die müssen schon selbst erkennen, worin der tiefere Sinn des Wahlakts liegt. Es dürftig unstrittig sein, dass gerade das Ankreuzen kommunaler Wahlzettel Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Ratsversammlung und damit auf die Mehrheitsverhältnisse und damit auf die Politik der nächsten fünf Jahre hat.

Jedes Kreuz zählt, das gilt besonders für die morgige Kommunalwahl. Es sollte doch wohl gelingen, die 50-Prozent-Hürde zu nehmen. Auch wenn es schwerfällt- gehen Sie wählen. Auch wenn Sie beim Gang ins Wahllokal noch nicht wissen sollten, wo Sie ihr Kreuzchen setzen sollen. Die Erleuchtung kommt bestimmt, spätestens in der Wahlkabine.

Die Welt wird immer verrückter, die Leute immer dreister. Eine Münchener Sozialpädagogin hat den Namen "Hummelnest" in Anlehnung an ihren Nachnamen für sich reklamiert und ihn schon 1990 schützen lassen - das geht tatsächlich. Schon erstaunlich, womit sich gewisse Leute beschäftigen und auf welche ab struse Ideen sie kommen.

Oder sind die einfach nur besonders clever? Immerhin hat die Münchener Sozialpädagogin jetzt einen Scheck aus Ascheffel in Höhe von 500 Euro bekommen - Lizenzgebühren für die Verwendung des Namens "Hummelnest" für den dortigen Kindergarten. Sonst wäre es womöglich zum Prozess mit den Anwälten des bayerischen Cleverles gekommen. In Ascheffel ist man jetzt - nach 15 Jahren "Hummelnest" - auf der Suche nach einem neuen Namen für die Kita. "Plüschmorsnest", die plattdeutsche Version, ist schon durchgefallen - zwar niedlich, aber zu unbekannt. Doch die Ascheffeler sind kreative Menschen und werden sich schon was Passendes einfallen lassen. Inzwischen zittern auch andere Kindergärten und Betreuungseinrichtungen, die sich ebenfalls kindgemäße Namen gegeben haben. Die üble Praxis der Wortbesetzer und geschäftiger Abmahn-Anwälte wird auch vor ihren Türen nicht halt machen.

Wer weiß, ob nicht auch schon die Bärenhöhle, Mäuseburg oder das Schwalbennest auf der roten Liste stehen? an

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