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„Stille Engel“ : 40 Jahre im Dienst für Menschen mit Handicap

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Handarbeitskreis Eckernförde feiert sein 40-jähriges Bestehen mit einem Empfang. Die Arbeiten der 14 Damen bringen jedes Jahr auf 15 Basaren hohe Erlöse und kommen behinderten Menschen zugute. Mittwoch wurden wieder über 10000 Euro gespendet.

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erstellt am 19.Sep.2014 | 06:45 Uhr

Nur zwei Leiterinnen in 40 Jahren. Das ist wahre Konstanz und der Inbegriff von Kontinuität. Beim Handarbeitskreis Eckernförde läuft es richtig rund, und das seit vier Jahrzehnten. Erst als vierköpfiger Kreis unter Leitung von Anita Borowsky in ihrer Wohnung, dann der Umzug in die Ottestraße und später in die heute noch so beliebten Kellerräume der Willers-Jessen-Schule. Als Nachfolgerin der verstorbenen Anita Borowsky hat Erika Schwedler, seit 39 Jahren dabei, vor knapp 26 Jahren die Leitung des Handarbeitskreises übernommen, dem aktuell 14 Damen zwischen 50 und 87 Jahren angehören. Eine phänomenale Truppe, die sich alle 14 Tage trifft, Gemeinschaft lebt und jedes Jahr auf 15 Basaren über 10 000 Euro für wohltätige Zwecke erstrickt, erhäkelt und erbastelt. Aktuelle Trends wie die Boshi-Strickmützen werden aufgegriffen, sogar die Kreativ-Messe in Hamburg besucht. „Eine halbe Million kommt in den 40 Jahren zusammen“, hat Volker Müller vom Verein der Freunde und Förderer der körperbehinderten Kinder und Jugendlichen Damp beim Erntefest und Empfang zum 40-jährigen Bestehen am Mittwochabend überschlagen. Eine Leistung, der alle Anwesenden höchste Anerkennung zollten.

Auch am Mittwoch hatte Erika Schwedler vier Schecks im Gesamtwert von über 10 000 Euro dabei. Empfänger waren wie stets der Verein der Freunde und Förderer der körperbehinderten Kinder und Jugendlichen Damp, die Lebenshilfe aus Eckernförde und Bützow sowie die Schule am Noor. Als Ehrengäste hatte der Handarbeitskreis die vier Bürgermeister der vergangenen Jahrzehnte eingeladen, von denen Susanne Jeske-Paasch und Klaus Buß Grüße und Glückwünsche ausrichteten und Kurt Schulz mit Ehefrau Helga sowie Jörg Sibbel ihre persönlichen Glückwünsche überbrachten.

Die vier Empfänger der Spenden dankten Erika Schwedler und ihren Damen in bewegenden Worten für ihren außergewöhnlichen Einsatz. Volker Müller vom Verein der Freunde und Förderer der körperbehinderten Kinder und Jugendlichen Damp berichtete von strahlenden Gesichtern auf der Klassenfahrt nach Berlin, die mit der Spende des Handarbeitskreises mitfinanziert wurde. „Jugendliche, die nie gegangen sind, fanden es einfach cool und geil, im Bundestag auf dem Platz von Finanzminister Wolfgang Schäuble zu sitzen“, beschrieb Müller die Reaktionen. Als Geschenk überreichte er ein großes von den Kindern und Jugendlichen gemaltes Bild.

Ulla Engel, Leiterin der Schule am Noor für geistig und körperlich behinderte Schüler, dankte für die großzügige Förderung und persönliche Anteilnahme. Sie lobte die hohe Qualität der Handarbeiten und die Mischung aus Bewährtem und Neuem. „Die meisten Menschen können sich gar nicht vorstellen, dass man mit Handarbeit so viel Geld einnehmen kann.“

Dank für Fleiß und Unterstützung gab’s auch von Jürgen Kubereit von der Lebenshilfe Eckernförde, die ebenfalls 40 Jahre besteht und von Anfang an von der Handarbeit der Damen profitiert. „Das ist für uns eine große Hilfe.“ Er hatte für alle selbstgebastelte Geschenke von den Besuchern dabei. Für Karsten Geike von der Lebenshilfe Bützow verkörpern die Handarbeitsdamen „die Zukunft der Gesellschaft“. Denn Handarbeit, Geselligkeit und Hilfsbereitschaft seien unerlässlich und würden an Bedeutung gewinnen. Die auf Individualisierung ausgerichtete Smartphone-Gesellschaft sei nur eine „vorübergehende Phase“. Geike hofft, dass der Handarbeitskreis auch weiter in „den heiligen Hallen“ werkeln kann.

Bürgermeister Sibbel nährte diese Hoffnung. Die Arbeit sei so wichtig, dass die Willers-Jessen-Schule Zentrum ihrer Aktivitäten bleiben sollte. Er drückte den Handarbeitsdamen die Wertschätzung der Stadt Eckernförde aus. „Sie leisten seit vier Jahrzehnten ganz tolle Arbeit.“ Die Damen stellten sich in „angenehm zurückhaltender Art und Weise“ in den Dienst der Gemeinschaft. Sibbel bezeichnete sie als „stille Engel der Stadt Eckernförde“, die Menschen unterstützen, die eher am Rand der Gesellschaft stehen, obwohl sie es verdient hätten, in den Mittelpunkt gestellt zu werden.

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