Kreis Rendsburg-Eckernförde : 40 Bewohner, 30 Flüchtlinge: So geht Integration in Höxmark

Lustige Strohfiguren, von den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft in einem Workshop selbst hergestellt, zieren seit Kurzem den Eingangsbereich in Höxmark. René Kinza (Leiter des Ordnungsamtes des Amtes Schlei-Ostsee, hi. li.) sowie Rupert Rompel (4. von re.) und Eva Mikulsky (re.) vom Willkommenskreis unterstützen die Flüchtlinge.
Lustige Strohfiguren, von den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft in einem Workshop selbst hergestellt, zieren seit Kurzem den Eingangsbereich in Höxmark. René Kinza (Leiter des Ordnungsamtes des Amtes Schlei-Ostsee, hi. li.) sowie Rupert Rompel (4. von re.) und Eva Mikulsky (re.) vom Willkommenskreis unterstützen die Flüchtlinge.

Sechs Arbeitsgruppen eines Willkommenskreises helfen den Neuankömmlingen. Ein Vorzeigebeispiel zum Umgang mit Flüchtlingen.

shz.de von
06. Mai 2015, 10:06 Uhr

Höxmark | Martin Alijevic (24), seine Frau Biljana (20) und sein kleiner Sohn Teodor gehören zu den ersten Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft in Höxmark, einem kleinen Ortsteil mit knapp 40 Einwohnern in der Gemeinde Brodersby (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Ende März hat das serbische Ehepaar sein Familienzimmer mit eigenem Bad in der ehemaligen Senioreneinrichtung bezogen. Diese wurde vom zuständigen Amt Schlei-Ostsee für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet und bietet im Notfall Platz für 47 Personen. „Unsere Wunschbelegung liegt bei 32 Bewohnern“, sagt René Kinza, Leiter des Ordnungsamtes des Amtes Schlei-Ostsee und federführend in der Betreuung der Neuankömmlinge.

Inzwischen haben 30 Flüchtlinge, überwiegend junge Männer, vorübergehend ein neues Zuhause in Höxmark gefunden. Ablehnung seitens der Bevölkerung oder gar Fremdenfeindlichkeit ist weder in Höxmark noch im benachbarten Karby, wo es die nächste Einkaufsmöglichkeit gibt, zu spüren. „Die Bevölkerung hat bisher total positiv und entspannt reagiert“, so Kinza, „das hängt aber massiv von den Helferkreisen ab.“ Noch vor Ankunft der Flüchtlinge hat sich in der Gemeinde ein Willkommenskreis gebildet, in dem 45 Ehrenamtliche aktiv sind.

In sechs Arbeitsgruppen (Mobilität, Sprachförderung, Öffentlichkeitsarbeit, Behördenhilfe, Soziale Dienste und Fahrdienst) wird die Unterstützung koordiniert. „Dabei achten wir darauf, dass sowohl zum Wohle des Flüchtlings als auch zum Wohle des Helfers keine persönliche Bindung erfolgt“, sagt Eva Mikulsky, Mitglied im Willkommenskreis. Denn die Freiwilligkeit des Engagements, das jederzeit aus persönlichen oder beruflichen Gründen beendet werden können müsse, habe oberste Priorität. Das klappt aber mittlerweile so gut, dass die Bewohner in Höxmark nahezu einen strukturierten Wochenablauf haben, wenn sie denn mögen.

An zwei Tagen erteilt eine nur durch Spenden finanzierte Lehrkraft Deutsch für Ausländer, an zwei Tagen übernehmen Ehrenamtliche die Hausaufgabenbetreuung. Jeden Donnerstag findet ein Willkommenscafé gemeinsam mit der Kirchengemeinde Karby im dortigen Gemeindehaus statt. Einmal in der Woche wird ein Fahrradworkshop angeboten, in dem die Bewohner unter fachmännischer Anleitung gespendete Drahtesel reparieren, mit denen sie in das drei Kilometer entfernte Karby zum Willkommenscafé fahren. Und wer wollte, konnte vor Kurzem an einem Workshop für Strohpuppen für den Garten teilnehmen. Mohammat Altradishi ist einer von ihnen. Der 26-Jährige gehört ebenfalls zu den ersten Bewohnern in Höxmark und versteht bereits einige deutsche Wörter und Sätze. Die Strohpuppe haben er und seine Mitbewohner „Nafier“ getauft. „Es ist nicht wichtig, dass wir die deutsche Bedeutung nicht kennen“, sagt Rupert Rompel, Mitglied des Willkommenskreises lächelnd.

Um den Aufenthalt der Flüchtlinge noch besser gestalten zu können, müsse man trotz bereits vieler bestehender Angebote noch Beschäftigungsmöglichkeiten für sie suchen: „Wir brauchen noch mehr Struktur im Alltag der Flüchtlinge“, ist sich Ordnungsamtsleiter René Kinza sicher, damit niemand der teils traumatisierten Menschen in dem sehr ländlichen Höxmark in Depressionen verfalle.

Von der Politik wünsche man sich mehr finanzielle Unterstützung, erklärt Dieter Olma vom Willkommenskreis und erster stellvertretender Bürgermeister in Brodersby. Zwar sei der politische Wille zur Integration der Flüchtlinge da, faktisch reiche das aber nicht aus – ohne ehrenamtliches Engagement und Spenden sei Flüchtlingsarbeit nicht möglich.

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