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Eckernförder Zeitung

17. August 2017 | 04:37 Uhr

30 Job-Chancen für 2000 Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Berufseinstieg: Anerkannte Flüchtlinge erhalten Anspruch auf Leistungen des Jobcenters

Die Kosten für das Jobcenter im Kreis Rendsburg-Eckernförde steigen seit einigen Monaten enorm an. Hintergrund ist, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Tempo der Asyl-Entscheidungen erhöht hat. Dadurch erhalten zunehmend anerkannte Flüchtlinge einen Anspruch auf finanzielle Hilfe – wie andere Arbeitslose auch. Davon ist auch der Kreis betroffen, denn er betreibt das Jobcenter gemeinsam mit der Agentur für Arbeit. Um den Ansturm zu mildern und diese Ausländer auf lange Sicht in Lohn und Brot zu bekommen, ist nun ein neues Programm zur Einstiegsqualifizierung aufgelegt worden.

„Von Januar 2016 bis Mai 2017 ist die Anzahl der Flüchtlinge mit Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung von 605 auf 2125 gestiegen“, berichtete Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer. Damit hat diese Gruppe einen Anteil von rund 20 Prozent aller Hilfeempfänger des Jobcenters, so der Landrat weiter. Das zeigt sich auch in den Kosten. Im gleichen Zeitraum stiegen die „Leistungen zum Lebensunterhalt“ für Flüchtlinge von rund 240  000 Euro auf fast 870  000 im Monat. Die Leistungen für Empfänger ohne Fluchthintergrund sanken hingegen von 2,7 auf 2,5 Millionen Euro monatlich. Bei den Kosten der Unterkunft ist die Entwicklung ähnlich: Sie stiegen von rund 162  000 Euro auf knapp 610  000 Euro im Monat. Auch hier ist der Trend unter den übrigen Hilfeempfängern gegenläufig: Von 2,44 Millionen Euro im Januar 2016 auf 2,25 im Mai 2017.

Rund ein Drittel der anerkannten Flüchtlinge ist zwischen 15 bis 24 Jahre alt. Zwei Drittel sind älter als 25, aber zum größten Teil jünger als 50. „Hinsichtlich des Lebensalters sind sie deutlich jünger als der Gesamtbestand der aktuell rund 11  000 erwerbsfähigen Hilfeempfänger im Kreisgebiet“, so Rolf-Oliver Schwemer. Auch beim Qualifikationsniveau gebe es deutliche Unterschiede. Es gebe unter den Flüchtlingen zwar mehr Akademiker, aber viel weniger mit beruflicher Ausbildung als unter den übrigen Jobcenter-Kunden. Darin liege eine „große Herausforderung für die berufliche Integration“, so Schwemer. Um den Einstieg in die duale Ausbildung zu ermöglichen, haben Kreisverwaltung und Jobcenter gemeinsam mit der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer, der Landwirtschaftskammer, den Berufsbildungszentren und der Bundesagentur für Arbeit das Projekt „Einstiegsqualifizierung plus“ initiiert. Ziel ist es, bis zum 1. September 30 Flüchtlinge im Kreis unter anderem in der Landwirtschaft, im Handwerk und in der Verwaltung Langzeitpraktikumsplätze zur Verfügung zu stellen, die sozialversicherungspflichtig sind und vergütet werden. Dafür erhalten die Unternehmen pro Teilnehmer einen Zuschuss von der Arbeitsagentur. Auch die Kreisverwaltung plane, sich an der Aktion zu beteiligen, so der Landrat. Ziel sei, den Praktikanten im Jahr 2018 als Auszubildenden zu übernehmen.

Das Praktikum soll laut Michael Wolf vom Kreis zwischen acht und zwölf Monaten dauern. Auf diese Weise haben die Teilnehmer für das erste Lehrjahr insgesamt bis zu zwei Jahre Zeit. Sie sollen auch die regulären Berufsschulklassen besuchen. Hinzu kommt sonnabends ein gesonderter Sprachunterricht in zwei Klassen, das über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge organisiert wird. „Das Berufsdeutsch ist eben komplexer als die Grundkenntnisse, die den Asylbewerbern bereits vermittelt wurden. Wir machen derzeit die Erfahrung, dass die meisten an der Sprache scheitern“, so Wolf. Unternehmen und Schüler werden von den Kammern betreut. Laut Michael Wolf sind bereits die ersten Kontakte geknüpft, etwa zu metall- und holzverarbeitenden Betrieben, zu Frisören und zu Firmen im Garten- und Landschaftsbau. Laut Jobcenter-Geschäftsführer Gerhard Seibert handelt es sich bei den 30 Plätzen um ein zusätzliches Angebot zum bisherigen Portfolio seines Hauses.

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erstellt am 09.Jul.2017 | 10:30 Uhr

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