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Zukunftssicherung : 271 Kilometer Glasfaser fürs schnelle Netz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Amt Schlei-Ostsee und die Stadt Kappeln wollen einen Breitbandzweckverband gründen. 2016 könnte die EU-Ausschreibung erfolgen, der Baubeginn ein Jahr später – wenn die Kommunen der Gründung zustimmen.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2015 | 05:59 Uhr

Holzdorf | Die Zukunft gehört dem schnellen Breitband-Internet. Ein schneller Daten-Austausch, sei es in Form von Fotos oder Mails, das Surfen im Netz oder das Herunterladen eines Films ist für Bürger in Städten kein Problem – wohl aber für Einwohner auf dem Land. Das gilt auch für die Halbinsel Schwansen und die Stadt Kappeln. Genau das soll sich ändern. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Kappeln plant das Amt Schlei-Ostsee im Auftrag der Gemeinden den Ausbau der Breitbandversorgung. Ziel ist es, jeden Haushalt mit einem Glasfaseranschluss (Fiber To The Home; FTTH) zu versorgen, der eine Übertragungsrate von 50 Megabyte pro Sekunde   (Mbit/s) ermöglicht. 215 Kilometer Glasfaser müssten in Schwansen verlegt werden, in Kappeln rechnen die Ingenieure mit 56 Kilometern.

Am Mittwochabend wurde ein großer Schritt in Richtung Ausbau gemacht. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Gasthof Blumenthal, zu der der Amtsdirektor des Amtes Schlei-Ostsee, Gunnar Bock, und der Bürgermeister der Stadt Kappeln, Heiko Traulsen, die Bürgermeister und Vertreter der Gemeinden eingeladen hatten, wurden die Grundlagen für die Gründung eines Breitbandzweckverbands vorgestellt. Dazu gehörten die Infrastrukturvorplanung, eine Wirtschaftlichkeitsermittlung und Entwürfe eines Vertrages. Einzige Aufgabe des Verbands: die Schaffung und Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen Breitbandversorgung. Die Repräsentanten der Stadt Kappeln und des Amtes Schlei-Ostsee, Dagmar Ungethüm-Ancker und Rainer Röhl, nahmen ebenfalls an der Sitzung teil.

Entscheiden sich die Gemeinden und die Stadt Kappeln für die Errichtung eines Breitbandzweckverbands nach einer Beratung in ihren Gremien, könnte dieser bereits im November gegründet werden. Anfang 2016 würden das EU-Vergabeverfahren gestartet werden, Gespräche mit Banken zwecks Darlehn erfolgen und Ende 2016 ein Pachtvertrag mit einem Netzbetreiber geschlossen werden, sodass der Ausbau der Netze ab 2017 stückweise bis 2020 vorgenommen würde.

Jan Schmöckel, Geschäftsführer der das Amt beratenden Ingenieursgesellschaft Marxen & Schmöckel aus Henstedt-Ulzburg, stellte die Aufgaben des Zweckverbands vor. „Sie errichten ein komplettes passives Netz, das Sie für 25 Jahre an einen Netzbetreiber verpachten“, erklärte Schmöckel. Die Festlegung der Trasse, die Verlegung der Leerrohre samt entsprechender Glasfaser sowie der Bau aller Schächte und POP-Standorte (regionaler Anschlusspunkte an das Netz) ist Aufgabe des Zweckverbands. In den POP-Standorten ist die Einspeisung vorgesehen. Im Amtsbereich sind fünf Standorte, von Karby über Loose, Rieseby, Fleckeby und Kochendorf geplant. In Kappeln sollen in den Straßenzügen Reeperbahn, Barbarastraße, Loitmark, Fröbelweg und Mehlbydiek POP-Standorte entstehen. Das komplette finanzielle Risiko liege beim Netzbetreiber, der das Netz vom Zweckverband pachtet, so Schmöckel. In dem Pachtvertrag wird festgelegt, dass die Höhe der Pacht 1:1 an die Höhe der Ausbaukosten gekoppelt ist. Das bedeutet bei 20 Millionen Euro Ausbaukosten, die für einen Erschließungsgrad von 90 Prozent anfallen, und fünf Prozent Pacht einen jährlichen Ertrag von einer Million Euro für den Zweckverband. Um eine Insolvenz des Netzbetreibers von Beginn an auszuschließen, müsse jeder Bewerber seine wirtschaftliche Kraft nachweisen und ein Bürgschaft hinterlegen, sagte Jan Schmöckel. Gunnar Bock wies daraufhin, dass hinsichtlich der Finanzierung mögliche Fördergelder vonseiten des Landes, das einen flächendeckenden Ausbau der Breitbandversorgung bis 2030 weit oben auf seiner politischen Agenda platziert hat, oder des Bundes in der Wirtschaftlichkeitsberechnung noch gar nicht berücksichtigt worden sind.

Bei allen Planungsschritten spielt nach Ansicht des der Amtsdirektors die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Aus diesem Grund sei eine hohe Anschlussquote das Ziel. Um dieses zu erreichen, sei ein professionelles Marketing unbedingt erforderlich, aber auch die Unterstützung durch die Gemeindevertretungen. „Das Vorhaben wird ohne Ihre Werbung nicht funktionieren“, bekräftigte Richard Krause, Leiter des Breitband-Kompetenzzentrums Kiel, das in Trägerschaft der kommunalen Landesverbände steht. „Das ist Ihr Netz, für Ihre Kinder und für Ihre Zukunft“, machte Krause deutlich. Auch Ulrich Bendlin vom Bauamt Kappeln appellierte an die Bürgermeister und Gemeindevertreter: „Wichtig für den Betreiber ist, dass Werbung in den Gemeinden gemacht wird.“

Zwar bleibe ein minimales Haftungsrisiko für den Zweckverband bestehen, so Bock, „aber die Chance, eine tolle Infrastruktur für Schwansen und die Stadt Kappeln zu bekommen, überwiegt dieses Risiko“, sagte der Amtsdirektor. Unterstützung erhielt er vom Kappelner Bürgermeister Heiko Traulsen: „Wir haben jetzt die Chance, eine schnelle Datenautobahn zu etablieren und so nachhaltig unsere Wirtschaft und unseren Standort zu fördern“, erklärte Traulsen.

26  492 Einwohner (Stand 31. März 2014) auf einer Fläche von 33  881 Hektar könnten sich für den Anschluss an die Breitbandversorgung entscheiden. Anschlussgebühren fallen für die Bewohner in einem Radius von 400 Metern um den Ortskern nicht an. Aber auch jeder Haushalt in den Außenbereichen soll auf Wunsch ein Angebot für einen Anschluss erhalten, erläuterte Jan Schmöckel. Hier seien individuelle Lösungen vorstellbar, angefangen vom finanziellen Zuschuss durch die Gemeinde oder den Haushalt selbst bis zur Eigenleistung in Form von Erledigung der Erdarbeiten. Sollte der Endverbraucher einen Vertrag abschließen, ist er für zwei Jahre an den Netzbereiber gebunden – danach hat er freie Wahl. „Es gibt kein Monopol, die EU-Richtlinien sehen einen offenen Zugang für alle Betreiber vor“, versicherte Richard Krause vom Breitband-Kompetenzzentrum Schleswig-Holstein.

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