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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 17:45 Uhr

Altenhof : 27 Jahre an der Spitze der Gemeinde

vom

Altenhofs Bürgermeister Hilmar Marohn tritt zur Kommunalwahl nicht wieder an. Übergabe an Nachfolger ohne Schulden.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 07:30 Uhr

Altenhof | Von den Entscheidungen, die der Gemeinderat fällt, sind die Bürger in Altenhof unmittelbar betroffen. Das war für Hilmar Marohn vor 39 Jahren die Motivation, kommunalpolitisch aktiv zu werden. Zwölf Jahre später trat er die Nachfolge von Bürgermeister Bruno Blunck an. Zur Kommunalwahl zieht er sich von seinen Ämtern zurück.

"Ich möchte aufhören, so lange die Leute noch sagen ,Schade, dass er geht’, und nicht warten bis es heißt ,nu wart dat ok Tiet’", erklärt der 73-Jährige. Bei der Wahl 2008 habe er seinen Rückzug angekündigt, hatte also genug Zeit, sich darauf vorzubereiten. In Andreas Moll habe er für die Wählergemeinschaft einen Nachfolger gefunden. "Er war mein Stellvertreter, hat viele Abläufe mitgemacht und weiß, worum es geht", sagt Marohn. Ob Moll der neue Bürgermeister wird, liege nun in den Händen der Einwohner.

Er selbst würde denselben Weg wieder einschlagen, stünde er noch einmal vor der Entscheidung. "Wir hatten über all die Jahre nie richtig Streit in der Gemeindevertretung, haben einander zugehört, Argumente des anderen zur Kenntnis genommen und dann zum Wohl der Gemeinde entschieden", stellt er rückblickend fest. Nur ganz wenige Entscheidungen seien nicht einstimmig gefallen. Stolz ist der scheidende Bürgermeister darauf, dass seine Gemeinde als erste in Schleswig-Holstein die Feuerwehrrente, die er als Feuerwehr-Ehrensold bezeichnet, eingeführt hat. "Die Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Aber was nützen Gerätehaus und Fahrzeuge, wenn das Personal fehlt", erklärt Marohn. Dass die Stärke der Wehr gehalten werden konnte, führt er auf Einführung des Ehrensolds zurück. Die 3000 Euro, die er die Gemeinde im Jahr kostet, seien gut angelegt.

Dass Altenhof ein Wappen hat, geht ebenfalls auf Marohns Initiative zurück. Damit sollte das Gefühl für die Zusammengehörigkeit und den Zusammenhalt der Bürger in der in viele Ortslagen zersplitterten Gemeinde gestärkt werden. Heraldikerin Alice Thomsen aus Österrönfeld setzte das mit ihrem Entwurf um, der an das Wappen der Familie von Reventlow, heute von Bethmann-Hollweg, angelehnt ist. Die zentrale Abwasserentsorgung durch den Anschluss an das Klärwerk Eckernförde und die Schaffung einer zentralen Wasserversorgung für alle Ortsteile zählt Marohn ebenso zur Erfolgsbilanz wie die gute Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehr und die Pflege der seit 1990 bestehenden Partnerschaft mit der Gemeinde Altenhof/Schorfheide in Brandenburg. "Anfangs haben sie von uns Löschfahrzeug und Tragkraftspritze übernommen", erinnert sich Marohn. "Und heute sind sie besser ausgerüstet als wir." Zur Veröffentlichung der Chronik erwartet er eine Delegation in seiner Gemeinde - der nächste Gegenbesuch steht im August an, wenn die Feuerwehr Altenhof/Schorfheide ihr 80-jähriges Bestehen feiern wird.

Wichtig war dem pensionierten Lehrer in all den Jahren ein gutes Verhältnis zur Gutsverwaltung Altenhof. Von den 1200 Hektar, die die Gemeinde umfasst, gehörten 1000 Hektar zum Gut, macht Marohn deutlich. Da müsse man parallel arbeiten und nicht gegeneinander.

Doch nicht alles, was er angestrebt hatte, ließ sich auch realisieren. So wie der Campingplatz für Kriegsversehrte. "Unsere Vorstellung war, einen Schonraum zu schaffen für Menschen, die sich auf anderen Campingplätzen nicht zeigen mögen aufgrund ihrer Behinderung", erläutert der Bürgermeister. Es habe sich jedoch keine Organisation gefunden, die die Anlage so betreiben wollte. Selbst das Sozialwerk der Bundeswehr habe abgewunken, bedauert er.

Er übergibt die Gemeinde an seinen Nachfolger schuldenfrei, wie er betont, mit 400 000 Euro in der Rücklage. Marohn: "Das ist ein schönes Gefühl." Über den Windpark Holtsee-Altenhof könnten dauernde Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde generiert werden - das sei sehr wertvoll. Für die anstehenden Naturschutzprojekte (Renaturierung der Kronsbek) würde er der neuen Gemeindevertretung mit seiner Erfahrung zur Verfügung stehen. Doch abgesehen davon, wartet eine Reihe von andere Dingen, denen er sich widmen möchte. So zum Beispiel die Verschriftlichung der Tonband-Aufzeichnungen verstorbener Mitbürger, die er interviewt hat. Im Jugendblasorchester Haddeby spielt er Tenorhorn, möchte jetzt aber noch Tuba lernen. "Das ist ein Instrument, das nicht mehr so flinke Finger braucht", verrät Marohn. Außerdem freut er sich darauf, Bücher zu lesen und sie zu genießen.Und für das Naturfilmfestival Green Screen in Eckernförde sind seine Englisch-Kenntnisse gefragt: Er übersetzt die englischsprachigen Filme und spricht den deutschen Text bei den Vorführungen live ein. "Das macht mir Spaß", sagt Marohn. Eins ist sicher: langweilig wird es ihm nicht.

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