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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 17:15 Uhr

Kunsthaus Hänisch : 2016 steht Heimat im Fokus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kunsthaus Hänisch zeigt in 2016 Werke von Jan Laß, Frauke Gloyer und Künstlern aus der Nähe.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 17:56 Uhr

Kappeln | Dr. Renate Fechner steht im Obergeschoss der alten Stadtvilla. Sie blickt auf die Bilder der beiden Schweizer Frank Fischer und Sylvie Moreillon, die noch an den Wänden hängen, aber bald reisefertig verpackt werden. „Es fällt mir jedes Mal schwer, Abschied zu nehmen“, sagt sie. Und es ist nicht nur dieser Satz, der erkennen lässt, dass da jemand bei seiner neuen Aufgabe angekommen ist. Vor einem knappen Jahr hat Fechner die künstlerische Beratung im Kunsthaus Hänisch übernommen, die Ausstellungen des ausklingenden Jahres hatte sie noch nicht selber initiiert, wohl aber begleitet. Und es war ein entscheidendes Jahr für das Kunsthaus, eines, bei dem der Vorsitzende Uli Schütt zu Beginn angekündigt hatte: „Wir wollen zeigen, dass wir es hinkriegen.“ Diese Äußerung fiel, nachdem die langjährige künstlerische Leiterin Dr. Christina Kohla das Kunsthaus verlassen hatte. Und ein Jahr später muss konstatiert werden: Schütts Ankündigung ist wahr geworden.

Hans Holtorf, Michael Arp und Hans-Joachim Billib, Ingo Kühl, schließlich Frank Fischer und Sylvie Moreillon – diese Namen haben das Kunsthaus durch das Jahr 2015 getragen. Und sie haben ihm mehr als 3000 Besucher beschert – eine Zahl, mit der der Vereinsvorstand um Beisitzer Jens Burkart gut leben kann. Gerade die beiden Schweizer Fischer und Moreillon sind bei Fechner noch sehr präsent. Über die Werke sagt sie: „Sie haben so etwas Erfrischendes und Herausforderndes ins Haus gebracht.“

Auch das Jahresprogramm für 2016 ist noch ohne grundlegendes Dazutun der Kunsthistorikerin entstanden. Indes ist klar: Sie wird gemeinsam mit dem Vorstand – über den sie sagt: „Ich habe großen Respekt davor, was in diesem Team ehrenamtlich geleistet wird.“ – die Auswahl der Ausstellungsstücke treffen, sie wird Einführungen übernehmen und bei der Vorarbeit mitwirken. Den Anfang macht im Januar der Kappelner Künstler Jan Laß. Über ihn sagt Fechner: „Wir kennen ihn überwiegend als Landschaftsmaler von herausragender Stellung. Er malte realistisch und sehr atmosphärisch.“ Gleichzeitig möchte sie seinen Werke, die während seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg entstanden sind, einen Platz im Kunsthaus einräumen. Fechner: „Das sind Zeitdokumente.“ Für Jens Burkart ist Laß so etwas wie „ein Zugpferd für die Region“, das zudem unterstützt wird von der Eckener-Schule für Technik und Gestaltung. Parallel zu Laß‘ Bildern nämlich zeigen Holzbildhauer der Flensburger Schule ihre Abschlussarbeiten unter der Überschrift „In der Stadt“.

Mit seiner zweiten Ausstellung im April bleibt das Kunsthaus ebenfalls in der Region: Sechs Künstler aus Angeln dürfen sich dann präsentieren – und das in unterschiedlichen Stilrichtungen von Malerei und Fotografie bis zu Skulpturen und Lichtobjekten. Burkart sagt dazu: „Es gehört zu unserer Philosophie, regionalen Künstlern eine Plattform zu bieten – nicht ausschließlich, aber auch.“

Die große Sommerausstellung bestreitet die Flensburger Malerin Frauke Gloyer, der Renate Fechner eine gelungene Paarung von Qualität und Heimatbezug attestiert. „Ihre Stillleben haben eine sensitive Ausstrahlung“, sagt sie. „Sie spielt mit Farbe und Licht auf im Grunde unscheinbaren Gegenständen. Daran kann man ihre Qualität erkennen.“ Den Schlusspunkt setzt im Oktober der Berliner Wolfgang Werkmeister, der unter anderem bereits auf Gottorf mit einer Einzelausstellung gewürdigt wurde, mit Radierungen und Ölbildern. Sein Werkeverzeichnis ist umfangreich und zeugt von einer gewissen Reiselust.

Die bringen derweil auch die Besucher des Kunsthauses auf: Abgesehen von Touristen, finden auch immer wieder Dänen den Weg in die alte Stadtvilla. Deutlich weniger geworden ist indes die unmittelbare Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen, das räumt Jens Burkart offen ein. Er stellt aber auch klar, dass der Vorstand dieses Thema keinesfalls kategorisch ausschließe, allerdings: „Wir sehen die Museumspädagogik nicht als unsere primäre Aufgabe.“ Und: „Wenn wir Schülerarbeiten ausstellen, müssen beide Seiten davon einen Gewinn haben.“ Denn fest steht: Auch wenn das Kunsthaus in diesem Jahr erstmals Honorarkosten im niedrigen fünfstelligen Bereich einspart, muss es seine Ausgaben weiterhin im Blick haben. „Unsere größten Kostenfaktoren sind Versicherung, Druck von Flyern und das Gebäude“, sagt Burkart. Über Provisionen von Bildverkäufen, Mitgliedsbeiträge und Eintrittsgelder fließt Geld zurück in die Kasse. Umso schöner für das Kunsthaus, dass Renate Fechner bereits jetzt die erste Anmeldung einer Gruppe für eine Führung durch die Jan-Laß-Ausstellung vorliegt. Und dann muss sich die Kunsthistorikerin auch bald mit dem Programm für 2017 beschäftigen – das erste, das sie maßgeblich beeinflussen wird.


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