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Bürgerwindpark rieseby : 2015 könnte die erste Mühle stehen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bürgermeister Jens Kolls lädt zu Einwohnerversammlung zum Thema Windpark Rieseby. Experten der Vorhabenträger stehen mehr als drei Stunden Rede und Antwort.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2013 | 06:28 Uhr

Sie heißen Enercon E-126 und E-101. Die Windkraftanlagen (WKA) weisen eine Gesamthöhe von 198,5 Metern beziehungsweise 199,5 Metern auf. Ihre Rotorblätter haben einen Durchmesser von 127 Meter beziehungsweise 101 Meter. Vier Anlagen des Typs E-126 und zwei des Typs E-101 könnten schon in zwei Jahren im Windpark Rieseby ihre Rotorblätter drehen und rund 100 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen – das entspricht dem Energiebedarf von rund 26 000 Haushalten – wenn die Bauleitplanung durch die Gemeinde inklusive aller Verfahrensschritte (wie Beteiligung der Behörden und Naturschutzverbände, öffentliche Auslegung, F-Plan- und B-Planänderung sowie Bauanträge der Vorhabenträger) ohne jegliche Beanstandung oder Einspruch vonstattengeht.

Ein Großprojekt, das einen Eingriff in die Landschaft Schwansens darstellt und das am Mittwochabend rund 60 Bürger im Riesby-Krog interessierte. Bürgermeister Jens Kolls hatte zum Thema „Windparkvorhaben in Rieseby“ zur Einwohnerversammlung geladen. Nach der Bürgerbeteiligung am 3. Dezember war das die zweite Möglichkeit der Bürger, sich aktiv einzubringen (wir berichteten).

Anwesend waren mit Paul-Heinrich Lamping der Investor des Teilbereichs 17.1 (eine Fläche von 76 Hektar für vier WKA des Typs Enercon E-126) von der Bürgerbeteiligung Saxtorf Wind Gmbh (BSW) mit Sitz in Rieseby und der von ihr beauftragte Dienstleister, Ökotec Windenergie GmbH, mit Geschäftsführerin Caroline Libotte und Mitarbeiter Markus Rostan. Für den Teilbereich 17.2 (eine Fläche von 14,5 Hektar für zwei WKA des Typs Enercon E-101) der Firma Plan 8 mit Sitz in Eckernförde standen Projektleiter Dr. Hans-Jörg Markau und Rolf Ohlsen (Büroleiter) Rede und Antwort. Bauamtsleiter Norbert Jordan vertrat das Amt Schlei-Ostsee, das für die Gemeinde die Bauleitplanung innehat. Die Moderation übernahm Dr. Danuta Kneipp, Mitarbeiterin eines unabhängigen Unternehmens aus Berlin.

Grundsätzliche Aussage aller Experten: Weder für die Fauna, wie Groß- und Greifvögel oder Fledermäuse, noch für die Menschen werde es zu einer ernsthaften Gefährdung beziehungsweise Beeinträchtigung kommen. Die geforderten Abstände zur Wohnbebauung sowohl zu Ortslagen als auch zu Einzelhöfen würden eingehalten, so Dr. Hans-Jörg Markau (Plan 8). Selbst bei der Schallprognose, die das Bundes-Immissions-Schutzgesetz vorschreibt, seien die Werte normengerecht. Auch in dem Gehöft in Holzdorf, Moorbrücke 1, das mit 602 Metern die geringste Distanz zu einer der WKA habe und das trotzdem den geforderten Nachtwert von 45,0 dB (A) mit 0,1 dB(A) unterschreite. Zum Vergleich: 35 dB (A) entspreche einer ruhigen Unterhaltung. Windgeräusche seien eher bei ruhigen Wetterlagen zu hören. „Wenn richtig Dampf ist, hören Sie gar nichts“, so Dr. Markau. Auf die zwischendurch gestellte Frage aus dem Plenum, ob schon eine Unterschrift geleistet worden sei, antwortete Bürgermeister Kolls: „Ich habe noch gar nichts unterschrieben. Auch mein Vorgänger nicht.“

Auch bei der Schattenprognose sind Immissionswerte einzuhalten. Es gelte, 30 Stunden pro Jahr oder 30 Minuten am Tag nicht zu überschreiten, um gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Schlagschatten zu vermeiden. „Tatsächlich dürfen es real nur acht Stunden pro Jahr sein“, so Dr. Markau. Seine Prognose habe ergeben, dass aufgrund ihres Standorts folgende Gehöfte diesen Wert überschreiten: Holzdorf: Poppenhörn 1 (1 Stunde Schlagschatten/Tag), Wettstein 1 (1,41 Stunde), Vierländer 1 (1,32 Stunde), Liebesallee 1a (0,57 Stunde), Moorbrücke 1 (0,58 Stunde), Moorbrücke 2 (0,47); Loose: Schwansenstraße 97 (0,34 Stunde) und In Rieseby Gut Saxtorf (0,42 Stunde). Hier sei eine Abschaltautomatik der WKA erforderlich, die für eine Begrenzung der Immission Schlagschatten sorgt.

Hinsichtlich der Nachtbefeuerung werde es eine Synchronisation aller Anlagen in Schwansen geben, also auch in Loose, Waabs und Holzdorf, um das menschliche Auge zu schonen, so die Experten. Eine Stunde standen sie Rede und Antwort. Bürgermeister Kolls forderte alle Anwesenden auf, auch in Zukunft Fragen zu stellen.

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