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Eckernförder Zeitung

24. September 2017 | 03:40 Uhr

Naturschutz : 2000 Seltenheiten am Goossee

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Über 2000 blühende Exemplare des Knabenkrauts auf den Goosseewiesen / Nabu sucht Ehrenamtliche zur Pflege der Flächen

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2015 | 05:41 Uhr

Mit den Goosseewiesen hat die Stadt ein ökologisches Pfand, mit dem sie wuchern kann. Das 30 Hektar große Gelände im Süden Eckernfördes wurde Ende der 80er-Jahre von der Stadt gekauft. Nicht, um dort Wohngebiete anzusiedeln, sondern um Feuchtgebiete für seltene Pflanzen zu schaffen und zu bewahren. Das hat funktioniert.

Besonders das vom Aussterben bedrohte Knabenkraut hat sich hier erholt. So zählen die Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) Eckernförde, die das Gebiet pflegen, mehr als 2000 blühende Exemplare. „Vor etwa 30 Jahren wurden hier die ersten neun Pflanzen gefunden“, sagt Nabu-Experte Jürgen Schmidt. „Dank der Pflege dieser flächen, winterliche Mahd des eindringenden Schilfes und im späten Sommerhalbjahr extensive Beweidung mit Heidschnucken, ist das Vorkommen dieser Pflanze jetzt als stabil zu betrachten. Ein Grund, auch in Zukunft die biotoppflegenden Maßnahmen fortzusetzen.“

Die Knabenkräuter gehören zur Familie der Orchideen. Von den rund 25  000 weltweit vorkommenden Arten gedeihen etwa 60 in Mitteleuropa. Alle sind streng geschützt, einige bereits ausgestorben, andere stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzen.

In den Wiesen am Goossee dominiert das Breitblättrige Knabenkraut, auch Breitblättrige Kuckucksblume genannt, und das Gefleckte Knabenkraut, auch Gefleckte Kuckucksblume genannt. „Auf unseren Flächen findet man sie vergesellschaftet mit der Kuckucks-Lichtnelke, dem Bach-Neklenwurz, der Wasser-Schwertlilie, dem Fieberklee und einem Exemplar der Sibirischen Schwertlilie.

Dabei sticht das Knabenkraut mit einer Eigenart hervor: Als Orchidee ist es auf die Symbiose mit einem Pilz angewiesen. Ohne diesen Pilz kann es nicht gedeihen, weshalb es auch nicht ohne Weiteres umgesiedelt werden kann. Auch auf Veränderungen des Bodens wie Düngen oder Entwässern reagiert diese Lebensgemeinschaft sehr empfindlich.

Um diese besonders geschützten Pflanzen zu fördern, muss jeden Winter in mühseliger Handarbeit das Schilf gemäht und aus dem Gelände getragen werden, damit das Knabenkraut im Frühling genügend Sonnenlicht erhält. Erst wenn die Pflanze ihre Samen ausgebildet hat, wird die Fläche wieder von den „lebendigen Rasenmähern“, einer Herde Heidschnucken, beweidet.

Diese Naturschönheiten bekommen allerdings nur wenige Menschen zu Gesicht – die Goosseewiesen sind für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Nabu würde sich freuen, weitere Mitglieder sich an der Erhaltung und Pflege des Landschaftsschutzgebietes beteiligen.

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