zur Navigation springen

Brandstiftung : 15 Monate für eine „Dummheit“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zimmerbrand entfacht und Menschenleben gefährdet: Das Schöffengericht hat ein junges Paar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 05:30 Uhr

Eckernförde | Eine 23-Jährige und ein 26-Jähriger sind gestern vom Schöffengericht Eckernförde wegen gemeinschaftlicher schwerer Brandstiftung in einem minderschweren Fall zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Die Strafe wird zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Die Brandstifterin hatte vor Gericht zugegeben, am 29. November 2016 gegen 22.30 Uhr in der von ihr und ihrem Noch-Ehemann geräumten Wohnung in einem Einfamilienhaus in der Hindenburgstraße Feuer gelegt zu haben. Die 23-Jährige hatte eine an der Wand stehende Matratze mit Teppichreiniger eingesprüht und angezündet. Ihr damaliger Partner, der 26-jährige Mitangeklagte, hat währenddessen auf der Straße „Schmiere“ gestanden. Das Täterpaar hatte sich vorher im Internet informiert, wie man einen Brand legt und dazu als Brandbeschleuniger den in der Wohnung befindlichen Teppichreiniger benutzt. Als die Täterin die Wohnung verließ, sollen die Flammen 30 bis 40 Zentimeter emporgeschlagen sein. Brisant: Zum Zeitpunkt des Brandes schlief die Mieterin der oberen Wohnung im Stockwerk darüber; sie wurde um 00.43 Uhr durch den Rauchwarnmelder geweckt und konnte sich in Sicherheit bringen. Nach Angaben des Staatsanwaltes wussten die Verurteilten, dass die Mieterin anwesend war.

Beide Angeklagte äußerten sich vor Gericht nicht zum Tathergang und machten von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Sie ließen allerdings über ihre Rechtsanwälte erklären, dass sie die Straftat begangen hätten, diese bereuten und froh seien, dass niemand zu Schaden gekommen ist.

Das Motiv blieb längere Zeit unklar. Erst die Aussage eines der beiden Kripo-Beamten sorgte für ein wenig Transparenz: Die Täterin habe Stress mit ihrem Mann gehabt und sich offenbar an ihm rächen wollen, auch die Vermieterin habe „genervt“, berichtete er aus der Vernehmung der 23-Jährigen. Der 26-jährige Mittäter, der zur Tatzeit noch aktiver Feuerwehrmann in einer Gemeinde in den Hüttener Bergen war, habe seiner Freundin offenbar einen Gefallen tun wollen. Beide Täter hätten das Ausmaß ihrer Tat nach übereinstimmender Meinung des Staatsanwaltes, der Verteidigung und des Schöffengerichts nicht voll überblicken können. Die 23-Jährige mit Förderschulabschluss und nach zwei abgebrochenen Lehren ohne Ausbildung bezieht Grundsicherung, lebt in einer „Einrichtung“ im Umland von Eckernförde und hat einen gesetzlichen Betreuer, der ihr ein wöchentliches Taschengeld von 60 Euro zuteilt. Der 26-Jährige lebt ebenfalls in einer Einrichtung, wird dort betreut und arbeitet als Helfer in der Landwirtschaft.

Der Staatsanwalt ging in seinem Plädoyer auf die Schwere der Tat ein, die schlimmstenfalls zum Tod der darüber wohnenden Mieterin hätte führen können. „Bemerkenswert“ und „nicht nachvollziehbar“ sei, dass der 26-Jährige als aktiver Feuerwehrmann bei der Brandstiftung mitgemacht habe. Er sprach von einer „bescheuerten Idee“, deren Folgen und Konsequenzen die beiden offensichtlich nicht abschätzen konnten. Auch der Gebäudeschaden in dem völlig verrußten und mehrere Wochen nicht bewohnbaren Haus sei nicht unerheblich gewesen. Der Staatsanwalt verwies aber auch auf die Unbescholtenheit der Täter, die geständigen Aussagen bei der Polizei und die „erheblichen Einschränkungen“, mit denen sie es in ihrem „nicht leichten Leben“ zu tun hätten. Er forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten für beide bei einer Bewährungszeit von drei Jahren.

Die Rechtsanwälte schlossen sich seinen Ausführen weitgehend an. „Es hätte auch ganz anders ausgehen können“, sagte der Anwalt der 23-Jährigen, die ihr Vorgehen bereue und dafür auch die Verantwortung übernehme. Er plädierte für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten für zwei Jahre auf Bewährung. Dem schloss sich der Anwalt des 26-Jährigen an, der von einer „Dummheit“ sprach. Es sei allerdings „nicht die Tat meines Mandanten“ gewesen, der den Brand schließlich nicht gelegt habe. Dass er seine Schlüssel für das Feuerwehrgerätehaus habe abgeben müssen, „geht ihm schwer ab und belastet ihn sehr.“

Um den Verurteilten zusätzlich zu ihrer Bewährungsstrafe eine „spürbare Sanktion“ mit auf den Weg zu geben, wurde die 23-Jährige zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und der 26-Jährige zu einer Geldstrafe von 24 Monatsraten à 20 Euro zugunsten der Hilfsorganisation „Care“ verurteilt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen