Jubiläum : 125 Jahre – die Kameradschaft bleibt

Die Freiwillige Feuerwehr Waabs feiert an diesem Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen.
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Die Freiwillige Feuerwehr Waabs feiert an diesem Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen.

Die Freiwillige Feuerwehr Waabs feiert am Wochenende mit einem umfangreichen Programm ihr Jubiläum. Veränderungen gibt es sowohl in der technischen Ausrüstung als auch im Einsatzbereich .

shz.de von
05. Mai 2015, 05:36 Uhr

Gemeindewehrführer Nis Juhl steht mit dem Signalhorn, das noch aus den Anfängen der Freiwilligen Feuerwehr zur Alarmierung für Einsätze stammt, vor dem Tanklöschfahrzeug TLF 16/24 TR, das bis zu 2400 Liter Wasser und 75 Liter Schaummittel an Bord hat, über neueste Lichttechniken zur Ausleuchtung bei Nachteinsätzen verfügt und neben vier Atemschutzgeräten auch zwei Hitzeschutzanzüge mit sich führt – größer könnte der Unterschied nicht sein. In 125 Jahren ihres Bestehens hat sich bei der Waabser Wehr in Sachen Technik alles verändert. Aus einer mit Pferden und Eimern ausgestatteten Truppe hat sich eine hoch modern ausgerüstete Mannschaft entwickelt. Aber eines scheint seit 125 Jahren Bestand zu haben – der gute Kameradschaftsgeist unter den Feuerwehrmännern und -frauen.

41 Aktive versehen zurzeit ihren ehrenamtlichen Dienst in der Wehr, die an diesem Wochenende ihr 125-jähriges Jubiläum feiert. Neben der technischen Ausrüstung hat sich auch der Einsatzbereich verändert. 1890 zur Brandbekämpfung gegründet haben sich die Aufgaben in Richtung Hilfeleistung verändert: „Das Einsatzspektrum der Wehr vergrößert sich von Jahr zu Jahr. Die Brandeinsätze werden weniger, die Hilfeleistungen nehmen zu“, erklärt Wehrführer Nis Juhl (53), seit 17 Jahren im Amt.

Extreme Wettereignisse, wie Starkregen oder Stürme, forderten die Feuerwehr vermehrt, so Juhl. Keller auszupumpen, Straßen von umgestürzten Bäumen zu befreien gehörten genauso zum Einsatzbereich wie die Suche nach vermissten Personen am Strand.

Nicht nur die Anforderungen an die heutige Wehr haben sich gewandelt, auch die Zusammensetzung der Truppe ist eine andere als vor 125 Jahren. Frauen gehören in Waabs heute selbstverständlich dazu und absolvieren genau wie ihre männlichen Kollegen Lehrgänge und Fortbildungen. Maren Steffen ist eine von ihnen. Bei der 28-Jährigen liegt das Engagement in und für die Feuerwehr im Blut. Vater Rolf Steffen, seit 1977 Mitglied und inzwischen zum Oberlöschmeister aufgestiegen, hat Maren und ihre Schwester Julia mit dem Feuerwehrvirus infiziert. Beide Töchter gehörten vor 15 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Jugendfeuerwehr. „Ich bin mit der Feuerwehr groß geworden“, beschreibt die Hauptfeuerwehrfrau mit drei Sternen ihre Motivation. „Ein weiterer wichtiger Grund: Hier ist die Gemeinschaft sehr schön“, so Maren Steffen. Seit zehn Jahren ist Andrea Petersen Mitglied der Wehr. „Ich wollte anderen Menschen helfen. Deshalb bin ich in die Feuerwehr eingereten“, sagt die 47-Jährige Hauptfeuerwehrfrau. Sie sei ein tatkräftiger Mensch und brauche Leben um sich – und genau das habe sie in der Wehr gefunden. Aus ihrer Familie ist noch ihr ältester Sohn Tjorben in der Jugendwehr aktiv – ihre Ehemann ist beruflich zu stark eingebunden. Dass Frauen wertvolle Arbeit in einer Wehr leisten, habe Andrea bei einer Hilfeleistung bewiesen, macht Nis Juhl deutlich. Die 47-Jährige habe knapp zwei Stunden lang einer unter einem umgestürzten Baum eingeklemmten und schwer verletzten Frau Lebensmut zugesprochen, bis diese befreit war und in eine Klinik gebracht wurde. „Das hätte keiner meiner Männer geschafft“, ist sich der Wehrführer sicher.

Die Aufgaben der Feuerwehr im Vergleich zu früher seien schwieriger geworden, bescheibt Juhl den Wandel der Aufgaben. Technisch hochkomplizierte Geräte erforderten weitaus mehr qualifizierte Ausbildungen. Vielmehr als früher gelte es, nachzudenken und zu überlegen, denn „jeder Einsatz ist anders“.

Bürgermeister Udo Steinacker, selbst Mitglied, sieht in der Wehr, die parteiübergreifend von allen Kommun alpolitikern unterstützt werde, eine „funktionierende Truppe, die gut geführt wird“, so Steinacker. Die gute, integrative Kameradschaft innerhalb der Wehr stelle eine „außerordentlich e Bereicherung für das Gemeindeleben“ dar, lobt der Bürgermeister.

Mit einem großen Festprogramm wollen die Waabser gemeinsam mit den Bürgern ihr Jubiläum feiern. Am Freitag, 8. Mai, startet um 19 Uhr ein Umzug durch Kleinwaabs vom Feuerwehrgeräterhaus zum Ehrenmal und zurück. Die musikalische Umrahmung übernimmt der Feuerwehrmusikzug Owschlag. Im anschließenden Festkommers für geladene Gäste erfolgt der offizielle Teil der Feierlichkeiten.

Der Sonnabend, 9. Mai, steht ganz im Zeichen von Spaß und guter Laune. Wehren aus dem Amtsbereich zeigen bei einer Rallye (zum Beispiel im Fußball-Golf oder Zielspritzen) durchs Dorf ihr Können. Start ist um 11 Uhr am Feuerwehrgerätehaus. Die Siegerehrung ist für 15.30 Uhr vorgesehen. Ab 19 Uhr wird im Festzelt (vor der Fahrzeughalle) zur Musik von DJ Helly getanzt. Am Sonntag beenden ein Gottesdienst um 11 Uhr mit Pastorin Peggy Kersten und ein anschließender Frühschoppen die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Waabs.

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