Kappeln/Bordersby : 1181 Menschen wollen Randi helfen

Die Geschwister Julia und Nils Laß ließen sich von Arzthelferin Franziska Bolte (l.) gerne 'pieksen' und damit  typisieren, denn: Randi ist ihre Tante und die soll leben.
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Die Geschwister Julia und Nils Laß ließen sich von Arzthelferin Franziska Bolte (l.) gerne "pieksen" und damit typisieren, denn: Randi ist ihre Tante und die soll leben.

In Kappeln startete eine große Typisierungsaktion für die Brodersbyerin Randi. Am Montag werden die Proben nach New York zur Analyse geschickt.

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26. November 2012, 10:13 Uhr

Kappeln/Brodersby | "Das ist sensationell", zeigte sich Stefanie Doss, Teamleiterin für Spenderneugewinnung der gemeinnützigen Gesellschaft "Deutsche Knochenmarkspenderdatei" (DKMS) beeindruckt. Sie war aus Berlin angereist und erlebte am Sonnabend mit, wie ein nichtendender Strom von Menschen in die dänische Kaj-Munk-Schule kam, um sich für die DKMS-Spenderdatei registrieren und typisieren zu lassen. Sie alle wollen der an akuter myeloischer Leukämie erkrankten Randi aus Brodersby helfen, ihr das Weiterleben ermöglichen und hoffen, dass einer von ihnen als möglicher Stammzellen-Spender in Frage kommt.

Innerhalb von sechs Stunden bekundeten so 1181 Personen aus der näheren und weiteren Umgebung und sogar aus Hamburg und Hannover ihre Verbundenheit mit der an Blutkrebs erkrankten Mutter eines vierjährigen Sohnes. Rund 2,8 Millionen Männer und Frauen sind in besagter Datei bislang erfasst - doch keiner, so die Überprüfung, ist geeignet, der 40-Jährigen zu helfen. Deshalb die mit großem organisatorischen Aufwand vorbereitete und durchgeführte Aktion.

"Unterstützen Sie Randi und andere Patienten im Kampf gegen Leukämie" - dazu hatte der Schirmherr der Aktion, Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein aufgerufen. Er selbst hat eine Leukämie überstanden - sein Bruder konnte ihm Stammzellen spenden und habe ihm damit das Leben gerettet. Als Brodersbys Bürgermeister Christian Schlömer bei ihm anfragte, ob er die Schirmherrschaft übernehme, habe dieser sofort zugesagt und sei froh gewesen, dass zu einer Typisierungsaktion aufgerufen wurde. Schlömer, der sich bereits vor neun Jahren in Rendsburg typisieren ließ, war in der Kaj-Munk-Schule zur Stelle, um seine Verbundenheit zu Randi, Bürgerin seiner Gemeinde, zum Ausdruck zu bringen. Diese große Resonanz mitzuerleben, stimme ihn, wie er sagte, zufrieden. Er sprach von einem großartigen Akt der Nächstenliebe.

Da die DKMS auf Spenden angewiesen ist - jede Typisierung kostet 50 Euro - hatte Schlömer in Brodersby zusammen mit den Gemeindevertretern eine Haussammlung organisiert. Es kamen 1950 Euro zusammen. Auch während der Aktion wurde Geld gespendet - zudem stellten sich viele Menschen mit Aktionen in den Dienst der Lebens-Hilfe für Randi.

Als Anfang Oktober die Erkrankung von Randi bekannt wurde, standen ihre Freunde zu ihr, bildeten eine Initiativgruppe. Dieser schloss sich Stefanie Doss von der DKMS an und brachte die Aktion mit insgesamt 250 Helfern auf den Weg. Mit dabei waren am Sonnabend auch Feuerwehr und DRK, sie sorgten für allerlei Kurzweil am Rande des Typisierungsgeschehens. "Mut zur Tat für Randi", so stand es auf den T-Shirts der Initiativgruppe geschrieben - ein Appell mit viel Resonanz.

Zu den Freunden von Randi, die die organisatorischen Fäden fest in ihren Händen hielten, gehören neben vielen anderen auch Ilka Tomhofer aus Damp und Sandra Niebergall aus Vogelsang-Grünholz. Sie kennen Randi gut, denn aller Kinder besuchen in Kappeln den dänischen Kindergarten und die dänische Schule. Auch die Schwägerinnen Christine und Sonja Blaase aus Brodersby gehören zur Initiativgruppe, sind weitläufig mit Randis Familie verwandt.

Zur Typisierung gekommen waren, um nur einige zu nennen, die Flensburger Rock-Pop-Gruppe "Audio Avalanche", die in Kappeln ein Gastspiel gab, ebenso wie Caroline Poley mit ihrem Mann Alexander Plotzki aus Damp: "Helfen ist für uns eine Selbstverständlichkeit."

Ein kleiner Pieks und die Entnahme von vier Milliliter Blut aus der Armvene - so gestaltete sich die Typisierung. Am heutigen Montag werden die Blutproben, so Stefanie Doss, auf den Weg nach New York gebracht - in die amerikanische Millionenstadt deshalb, weil die dortigen Labore von ihrer Kapazität her eine rasche Untersuchung ermöglichen.

Dem Ergebnis sehen der 24-jährige Nils Laß aus Brodersby und seine vier Jahre jüngere Schwester Julia aus Eckernförde mit großer Spannung entgegen. Die Geschwister sind Neffe und Nichte von Randi. Die Mutter von Nils und Julia war deren Schwester und ist vor einem Jahr an Krebs gestorben. Für beide ist die Situation nicht einfach. Sie möchten nicht, dass sie noch ein weiteres Familienmitglied verlieren. Natürlich haben sie sich in Kappeln registrieren und typisieren lassen und hoffen, dass sie als nahe Blutsverwandte vielleicht als Stammzellenspender in Frage kommen - sie wünschen es sich und ihrer Tante. Nils Laß, der im Marinestützpunkt Eckernförde als Sanitäter tätig ist, setzt alles daran, dort eine Typisierung in Form von Speichelproben zu realisieren. Dass er die Kappelner Aktion zudem als Feuerwehrmann aus Brodersby unterstütze, sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. Schwester Julia mischte im Rahmenprogramm mit - als bunt geschminkte Glücksfee bei der Tombola.

Während der Aktion kamen als Spenden 9800 Euro zusammen, berichtete Doss. Darunter auch 500 Euro, die René Kinza, Geschäftsführer der Kurbetriebe Damp als Überschuss der Kurbetriebe bei der Abrissparty des Aqua-Tropicanas übergab. Insgesamt eine stattliche Summe, die für die Typisierung jedoch nicht reicht. Benötigt werden aufgrund der hohen Zahl von 1181 Teilnehmern gut 50 000 Euro. Wer die Aktion weiterhin unterstützen möchte, hier das Spendenkonto: 100 191 182 3 bei der Förde-Sparkasse, BLZ 210 501 70.

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